Reuning: Herr Lorenzen, welche Themen standen im Mittelpunkt?
Lorenzen: Herr Reuning, der Titel der Veranstaltung war eben "Mission zur Erde. Weltraumtechnologien im Kontext globaler Herausforderungen". Also, es ging wirklich ganz klar diesmal bei der Raumfahrt darum, was kann sie für die Erde bringen, welche Anwendungen gibt es, was tun die Satelliten da oben an Dienstleistungen, die man auf der Erde nutzen kann, welche Daten liefern sie. Also der Blickpunkt lag ganz klar auf der Erde.
Reuning: Welche Rolle spielen denn solche Raumfahrtanwendungen für die Erde heutzutage?
Lorenzen: Sie spielen eine viel größere Rolle als uns allen bewusst ist. Der Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain hat den Witz gemacht: man müsse einfach morgen mal alle Satelliten abschalten, da könnte niemand den Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika sehen. Dann, meinte er so witzelnd, würde man vielleicht merken, welche Rolle die Satelliten spielen. Natürlich ist das so eine der klassischen Anwendungen: die Telekommunikation. Wir alle kennen die Navigation, haben irgendwo ein GPS-Gerät. Funktioniert natürlich nur mit Satelliten. Aber kaum irgendjemand weiß dann schon, dass etwa Finanzströme per Zeitsignal auch GPS-gesteuert sind. Und eben auch ganz wichtig, die klassische Erdbeobachtung, das ist eben auch das größte Programm, das die europäische Raumfahrtagentur Esa betreibt. Das heißt, man legt ganz großen Wert darauf zu gucken, was passiert auf der Erde. Wie entwickeln sich..., was passiert in der Atmosphäre, auf der Erdoberfläche, im Erdkörper selber.
Also die Erde stand groß im Vordergrund, dann auch die Sicherheitspolitik, da gab es dann hier auch viele Diskussion dazu. So ein Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wäre ohne Satelliten ganz unmöglich, von denen ist man schlichtweg abhängig. Die Bundeswehr betreibt auch eigene Satelliten, und dann gab es hier sehr schöne Beispiel auch aus anderen Ländern, Indien zum Beispiel hat ganz klar erklärt, dass es ein Raumfahrtprogramm hat, das ganz stark und fast nur auf die Nutzung ausgelegt ist. Dass man sich immer überlegt, was bringt das der Bevölkerung, zum Beispiel will man die Produktivität von Feldern stärken, indem man aus dem All genauer guckt, wo sind die Niederschläge, wo ist die Erosion besonders stark, um dann eben entsprechend den Ackerbau zu optimieren. Oder es gibt 500 Dörfer in Indien, die an einem Testprojekt beteiligt sind, die an ein Satellitennetz angeschlossen sind, um dann auch ein bisschen Kompetenz in diese ländlichen Gegenden zu bringen, von Experten, die irgendwo in Städten leben. Also da ist ganz klar: Raumfahrt will man nutzen, um ein großes, riesiges Land mit vielen Menschen zu verbinden und einen einheitlichen Lebensstandard zu bringen.
Reuning: Neben den Vertretern von Indien, wer ist denn heute noch auf dem Raumfahrttag zusammengekommen?
Lorenzen: Das waren vor allem eben die Vertreter der großen Raumfahrtnationen. Die Vizechefin der Nasa war da, der Chef der russischen Weltraumorganisation, dann eben Esa, wie ich sagte, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Indien ist zum Glück eben auch vertreten, eine sehr aufstrebende und wichtige Weltraummacht. Und das Ganze stand unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wissenschaft und Technologie, das in Deutschland ja für die Raumfahrt die Zuständigkeit hat. Und dann waren natürlich viele Mitglieder des Bundestages dar und aus der Industrie.
Reuning: Ist es denn so, dass all diese verschiedenen Partner, international auch in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zueinanderstehen?
Lorenzen: Konkurrenz ist da, aber man merkt doch den wirtschaftlichen Druck. Sie wollen jetzt alle doch stärker zusammenarbeiten. Der Chef der russischen Weltraumorganisation Perminow hat ja vehement für eine stärkere Zusammenarbeit geworben. Er hat gesagt, der Wettlauf ist endgültig vorbei. Und er hat gesagt, wenn man eben in Richtung Erde guckt, das ist dann nicht so prestigeträchtig, vielleicht nicht so politisch. Da macht es einfach wenig Sinn, dass jeder alles einzeln misst, da sollten wir das lieber zusammentun, oder zumindest was die zivile Nutzung angeht. Vielleicht denken manche auch an eine Art Echtzeitüberwachung der Erde, dass man weiß, was passiert auf den Weltmeeren, jetzt gerade mit dem Ölteppich, oder da regt sich etwas in der Atmosphäre. All das kann man natürlich nur, wenn man zusammenarbeitet.
Reuning: Ist denn die neue Orientierung der US-Raumfahrtpolitik unter Präsident Obama auch ein Thema in dieser Diskussion gewesen?
Lorenzen: Das war natürlich sehr präsent. Die USA sind ein extrem wichtiger Partner und DLR und Nasa planen so eine Art Rahmenabkommen, dass man künftig die Zusammenarbeit noch stärken will. Und es gucken alle ein bisschen darauf, was denn jetzt die Amerikaner machen. Deutschland selber will sich ja laut Koalitionsvertrag eine Weltraumpolitik geben. Europa ist gerade noch dabei, für eine solche Strategie guckt man natürlich ganz genau hin, was werden die USA machen. Und dann ist es ganz wichtig, guckt man in Richtung USA, was sie bei den Chinesen machen. Denn die haben hier gefehlt, das haben viele bedauert. Und da war die Nasa-Vizechefin sehr ausweichend. Aber vielleicht bei der nächsten Ila, in zwei Jahren, wird man auch die Chinesen sehen, am Tisch. Hier gehören sie jedenfalls hin, was ihre Bedeutung in der Raumfahrt angeht.
Lorenzen: Herr Reuning, der Titel der Veranstaltung war eben "Mission zur Erde. Weltraumtechnologien im Kontext globaler Herausforderungen". Also, es ging wirklich ganz klar diesmal bei der Raumfahrt darum, was kann sie für die Erde bringen, welche Anwendungen gibt es, was tun die Satelliten da oben an Dienstleistungen, die man auf der Erde nutzen kann, welche Daten liefern sie. Also der Blickpunkt lag ganz klar auf der Erde.
Reuning: Welche Rolle spielen denn solche Raumfahrtanwendungen für die Erde heutzutage?
Lorenzen: Sie spielen eine viel größere Rolle als uns allen bewusst ist. Der Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain hat den Witz gemacht: man müsse einfach morgen mal alle Satelliten abschalten, da könnte niemand den Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika sehen. Dann, meinte er so witzelnd, würde man vielleicht merken, welche Rolle die Satelliten spielen. Natürlich ist das so eine der klassischen Anwendungen: die Telekommunikation. Wir alle kennen die Navigation, haben irgendwo ein GPS-Gerät. Funktioniert natürlich nur mit Satelliten. Aber kaum irgendjemand weiß dann schon, dass etwa Finanzströme per Zeitsignal auch GPS-gesteuert sind. Und eben auch ganz wichtig, die klassische Erdbeobachtung, das ist eben auch das größte Programm, das die europäische Raumfahrtagentur Esa betreibt. Das heißt, man legt ganz großen Wert darauf zu gucken, was passiert auf der Erde. Wie entwickeln sich..., was passiert in der Atmosphäre, auf der Erdoberfläche, im Erdkörper selber.
Also die Erde stand groß im Vordergrund, dann auch die Sicherheitspolitik, da gab es dann hier auch viele Diskussion dazu. So ein Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan wäre ohne Satelliten ganz unmöglich, von denen ist man schlichtweg abhängig. Die Bundeswehr betreibt auch eigene Satelliten, und dann gab es hier sehr schöne Beispiel auch aus anderen Ländern, Indien zum Beispiel hat ganz klar erklärt, dass es ein Raumfahrtprogramm hat, das ganz stark und fast nur auf die Nutzung ausgelegt ist. Dass man sich immer überlegt, was bringt das der Bevölkerung, zum Beispiel will man die Produktivität von Feldern stärken, indem man aus dem All genauer guckt, wo sind die Niederschläge, wo ist die Erosion besonders stark, um dann eben entsprechend den Ackerbau zu optimieren. Oder es gibt 500 Dörfer in Indien, die an einem Testprojekt beteiligt sind, die an ein Satellitennetz angeschlossen sind, um dann auch ein bisschen Kompetenz in diese ländlichen Gegenden zu bringen, von Experten, die irgendwo in Städten leben. Also da ist ganz klar: Raumfahrt will man nutzen, um ein großes, riesiges Land mit vielen Menschen zu verbinden und einen einheitlichen Lebensstandard zu bringen.
Reuning: Neben den Vertretern von Indien, wer ist denn heute noch auf dem Raumfahrttag zusammengekommen?
Lorenzen: Das waren vor allem eben die Vertreter der großen Raumfahrtnationen. Die Vizechefin der Nasa war da, der Chef der russischen Weltraumorganisation, dann eben Esa, wie ich sagte, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Indien ist zum Glück eben auch vertreten, eine sehr aufstrebende und wichtige Weltraummacht. Und das Ganze stand unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wissenschaft und Technologie, das in Deutschland ja für die Raumfahrt die Zuständigkeit hat. Und dann waren natürlich viele Mitglieder des Bundestages dar und aus der Industrie.
Reuning: Ist es denn so, dass all diese verschiedenen Partner, international auch in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zueinanderstehen?
Lorenzen: Konkurrenz ist da, aber man merkt doch den wirtschaftlichen Druck. Sie wollen jetzt alle doch stärker zusammenarbeiten. Der Chef der russischen Weltraumorganisation Perminow hat ja vehement für eine stärkere Zusammenarbeit geworben. Er hat gesagt, der Wettlauf ist endgültig vorbei. Und er hat gesagt, wenn man eben in Richtung Erde guckt, das ist dann nicht so prestigeträchtig, vielleicht nicht so politisch. Da macht es einfach wenig Sinn, dass jeder alles einzeln misst, da sollten wir das lieber zusammentun, oder zumindest was die zivile Nutzung angeht. Vielleicht denken manche auch an eine Art Echtzeitüberwachung der Erde, dass man weiß, was passiert auf den Weltmeeren, jetzt gerade mit dem Ölteppich, oder da regt sich etwas in der Atmosphäre. All das kann man natürlich nur, wenn man zusammenarbeitet.
Reuning: Ist denn die neue Orientierung der US-Raumfahrtpolitik unter Präsident Obama auch ein Thema in dieser Diskussion gewesen?
Lorenzen: Das war natürlich sehr präsent. Die USA sind ein extrem wichtiger Partner und DLR und Nasa planen so eine Art Rahmenabkommen, dass man künftig die Zusammenarbeit noch stärken will. Und es gucken alle ein bisschen darauf, was denn jetzt die Amerikaner machen. Deutschland selber will sich ja laut Koalitionsvertrag eine Weltraumpolitik geben. Europa ist gerade noch dabei, für eine solche Strategie guckt man natürlich ganz genau hin, was werden die USA machen. Und dann ist es ganz wichtig, guckt man in Richtung USA, was sie bei den Chinesen machen. Denn die haben hier gefehlt, das haben viele bedauert. Und da war die Nasa-Vizechefin sehr ausweichend. Aber vielleicht bei der nächsten Ila, in zwei Jahren, wird man auch die Chinesen sehen, am Tisch. Hier gehören sie jedenfalls hin, was ihre Bedeutung in der Raumfahrt angeht.