Wir gehen glänzenden Zeiten entgegen, meint Renate Menzi, Kuratorin am Museum für Gestaltung Zürich.
"Wir sind ja irgendwie vernarrt in glatte Oberflächen, sei es am Körper, sei es der Rasenmäher, der den Rasen schön glattmacht, seien es Bügeleisen, die Kleider glätten, oder Massagegeräte, die für eine straffe, glatte Haut sorgen, oder eben so Maschinen, die Beton bearbeiten, damit er schön glänzend und glatt wird."
In der Tat: Glanz ist ein großes Thema im Produktdesign. Glänzende Oberflächen lösen matte immer mehr ab. Eine Zeit lang war das Matte chic. Matt wirkt vornehmer, zurückhaltender, matt verschluckt das Licht. Glanz hingegen entsteht durch Reflexion. Das Glänzende macht auf sich aufmerksam, fällt eher ins Auge. Glänzend bedeutet aber auch glatt und keimfrei. Was glänzt, ist meistens abwaschbar, schon beim Anblick assoziiert man Feuchtigkeit, denn nasse Oberflächen spiegeln mehr als trockene.
Wir machen uns solche Empfindungen selten bewusst, aber ihre Wirksamkeit ist dadurch umso stärker. Deshalb kommt der Beschaffenheit von Oberflächen in unserer Lebenswelt immer größere Bedeutung zu. Wie welche Effekte erzeugt werden und wozu sie jeweils dienen, zeigt die Ausstellung 'Make up' anhand von mehr als 200 Objekten aus der eigenen Sammlung – vom Panton Chair, dem berühmten Stuhl aus Polyesterharz, über Sanitärkeramik bis zum Fingernagellack, der ursprünglich ein Nebenprodukt der Automobilindustrie war.
"Die Oberflächen sind ja auch wichtig, weil sie schützen. Sie machen zum Beispiel etwas abwaschbar. Beim Waschbecken: Der Schmutz darf nicht eindringen, man muss den Schmutz gut sehen auf der weißen Oberfläche, und das wurde auch ein bisschen wie zum Stil. Also wenn man diese Apple-Produkte, die weißen, anschaut, dann hat man ja das Gefühl, es sei ein Krankenhaus-Design, diese weißen, emaille-artigen Beschichtungen, das sind auch neue Lacke. Früher konnte man nur lackieren mit Lacken, die vergilbten, heute gibt es Lacke, die nicht mehr vergilben, also diese Oberflächen halten sich so."
Die Technik macht inzwischen Dinge möglich, von denen man früher höchstens träumen konnte. Früher hatte jeder Werkstoff seine eigene Oberfläche: Holz war Holz, Metall Metall und Marmor Marmor. Allenfalls wurden die Oberflächen mechanisch geschmirgelt, gehämmert oder gebürstet und bekamen eine Farbschicht obendrauf. Heutzutage ist das Beschichten eine Kunst für sich und jeder Gegenstand steckt in einer künstlichen Haut.
Mit der Teflon-Pfanne hat es zwar nicht angefangen, aber sie ist ein Paradebeispiel dafür, was für wichtige Funktionen der Oberfläche zukommen: nicht nur technisch-physikalische Funktionen, sondern auch ästhetische und solche der praktischen Orientierung.
"Also, es geht um Schutzfunktionen vor allem, aber es geht auch um Gebrauchsfunktionen oder symbolische Funktionen, wo die Oberflächen eigentlich vor allem einen Hinweis darauf geben, wie ich die Dinge benutzen soll. Sie kennen sicher diese matten, weicheren Kunststoffe, die wie Griffe wirken, wo man weiß: Hier muss ich anfassen."
Trotz solcher hilfreichen Effekte begegnet man dem Thema Oberfläche meist mit Misstrauen. Die Wahrheit, denken wir, liegt in der Tiefe, die Oberfläche lügt. Tatsächlich läuft das Design der Oberfläche oft auf eine Art Täuschungsmanöver hinaus, indem einem Werkstoff Eigenschaften angeschminkt werden, die er eigentlich nicht besitzt: Hartes wird weich, Glänzendes matt und Raues glatt. Wir sind umgeben von einem Inventar aus Fototapeten und Furnieren, alles ist Illusion und Imitation. Die trickreiche Subtilität ist so weit fortgeschritten, dass als eines der aufwendigsten Gesichts-Makeups das ungeschminkte Aussehen, der sogenannte "Nude Look" gilt.
Solche Paradoxien haben Künstler schon lange gespürt und kommentiert. Auch das zeigt diese Ausstellung: Meret Oppenheims berühmte Pelztasse, Alessandro Mendinis grell überhöhte Espressokanne oder einen mit Schaumstoffstrümpfen überzogenen Stahlrohrstuhl, der sich bei Benutzung anfühlt, als ob man sich jemandem auf den Schoß setzen würde. Leider darf man das gerade nicht. Überhaupt sind die schrecklichsten Ausstellungsgegenstände jene kleinen, überall präsenten Schilder mit der durchgestrichenen Hand, die da bedeuten 'Anfassen verboten'.
Dabei erzeugt das Thema Oberfläche einen ungeheuren haptischen Druck: Man möchte über alles einmal mit den Fingern streichen. Über den rauen Runzellack, die matt gegossenen Flächen und die verschiedenen Farbglasuren. Aber natürlich geht das im Museum nicht. Denn jede Beschädigung und jede Alterung beginnt an der Oberfläche. Übrigens gibt es genau dagegen auch schützende Beschichtungen. Und es gibt Oberflächengestaltungen, die das Gegenteil bewirken, nämlich eine künstliche Patina. Man ist hier eben vor keinem Täuschungsmanöver sicher.
"Wir sind ja irgendwie vernarrt in glatte Oberflächen, sei es am Körper, sei es der Rasenmäher, der den Rasen schön glattmacht, seien es Bügeleisen, die Kleider glätten, oder Massagegeräte, die für eine straffe, glatte Haut sorgen, oder eben so Maschinen, die Beton bearbeiten, damit er schön glänzend und glatt wird."
In der Tat: Glanz ist ein großes Thema im Produktdesign. Glänzende Oberflächen lösen matte immer mehr ab. Eine Zeit lang war das Matte chic. Matt wirkt vornehmer, zurückhaltender, matt verschluckt das Licht. Glanz hingegen entsteht durch Reflexion. Das Glänzende macht auf sich aufmerksam, fällt eher ins Auge. Glänzend bedeutet aber auch glatt und keimfrei. Was glänzt, ist meistens abwaschbar, schon beim Anblick assoziiert man Feuchtigkeit, denn nasse Oberflächen spiegeln mehr als trockene.
Wir machen uns solche Empfindungen selten bewusst, aber ihre Wirksamkeit ist dadurch umso stärker. Deshalb kommt der Beschaffenheit von Oberflächen in unserer Lebenswelt immer größere Bedeutung zu. Wie welche Effekte erzeugt werden und wozu sie jeweils dienen, zeigt die Ausstellung 'Make up' anhand von mehr als 200 Objekten aus der eigenen Sammlung – vom Panton Chair, dem berühmten Stuhl aus Polyesterharz, über Sanitärkeramik bis zum Fingernagellack, der ursprünglich ein Nebenprodukt der Automobilindustrie war.
"Die Oberflächen sind ja auch wichtig, weil sie schützen. Sie machen zum Beispiel etwas abwaschbar. Beim Waschbecken: Der Schmutz darf nicht eindringen, man muss den Schmutz gut sehen auf der weißen Oberfläche, und das wurde auch ein bisschen wie zum Stil. Also wenn man diese Apple-Produkte, die weißen, anschaut, dann hat man ja das Gefühl, es sei ein Krankenhaus-Design, diese weißen, emaille-artigen Beschichtungen, das sind auch neue Lacke. Früher konnte man nur lackieren mit Lacken, die vergilbten, heute gibt es Lacke, die nicht mehr vergilben, also diese Oberflächen halten sich so."
Die Technik macht inzwischen Dinge möglich, von denen man früher höchstens träumen konnte. Früher hatte jeder Werkstoff seine eigene Oberfläche: Holz war Holz, Metall Metall und Marmor Marmor. Allenfalls wurden die Oberflächen mechanisch geschmirgelt, gehämmert oder gebürstet und bekamen eine Farbschicht obendrauf. Heutzutage ist das Beschichten eine Kunst für sich und jeder Gegenstand steckt in einer künstlichen Haut.
Mit der Teflon-Pfanne hat es zwar nicht angefangen, aber sie ist ein Paradebeispiel dafür, was für wichtige Funktionen der Oberfläche zukommen: nicht nur technisch-physikalische Funktionen, sondern auch ästhetische und solche der praktischen Orientierung.
"Also, es geht um Schutzfunktionen vor allem, aber es geht auch um Gebrauchsfunktionen oder symbolische Funktionen, wo die Oberflächen eigentlich vor allem einen Hinweis darauf geben, wie ich die Dinge benutzen soll. Sie kennen sicher diese matten, weicheren Kunststoffe, die wie Griffe wirken, wo man weiß: Hier muss ich anfassen."
Trotz solcher hilfreichen Effekte begegnet man dem Thema Oberfläche meist mit Misstrauen. Die Wahrheit, denken wir, liegt in der Tiefe, die Oberfläche lügt. Tatsächlich läuft das Design der Oberfläche oft auf eine Art Täuschungsmanöver hinaus, indem einem Werkstoff Eigenschaften angeschminkt werden, die er eigentlich nicht besitzt: Hartes wird weich, Glänzendes matt und Raues glatt. Wir sind umgeben von einem Inventar aus Fototapeten und Furnieren, alles ist Illusion und Imitation. Die trickreiche Subtilität ist so weit fortgeschritten, dass als eines der aufwendigsten Gesichts-Makeups das ungeschminkte Aussehen, der sogenannte "Nude Look" gilt.
Solche Paradoxien haben Künstler schon lange gespürt und kommentiert. Auch das zeigt diese Ausstellung: Meret Oppenheims berühmte Pelztasse, Alessandro Mendinis grell überhöhte Espressokanne oder einen mit Schaumstoffstrümpfen überzogenen Stahlrohrstuhl, der sich bei Benutzung anfühlt, als ob man sich jemandem auf den Schoß setzen würde. Leider darf man das gerade nicht. Überhaupt sind die schrecklichsten Ausstellungsgegenstände jene kleinen, überall präsenten Schilder mit der durchgestrichenen Hand, die da bedeuten 'Anfassen verboten'.
Dabei erzeugt das Thema Oberfläche einen ungeheuren haptischen Druck: Man möchte über alles einmal mit den Fingern streichen. Über den rauen Runzellack, die matt gegossenen Flächen und die verschiedenen Farbglasuren. Aber natürlich geht das im Museum nicht. Denn jede Beschädigung und jede Alterung beginnt an der Oberfläche. Übrigens gibt es genau dagegen auch schützende Beschichtungen. Und es gibt Oberflächengestaltungen, die das Gegenteil bewirken, nämlich eine künstliche Patina. Man ist hier eben vor keinem Täuschungsmanöver sicher.