Sonntag, 22. Mai 2022

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Oboist und Dirigent Helmut Winschermann
Wegweisend als Interpret und Lehrer

Helmut Winschermann gab dem Spiel auf der Oboe neue Impulse. Er strebte nach einem Klangideal, das stets den sanglichen Charakter des Instrumentes betonte. Am 22. März wurde der Künstler 100 Jahre alt.

Am Mikrofon: Norbert Hornig | 26.03.2020

Ein Mann mit weißen Haaren in einem Frack dirigiert ein Orchester.
Helmut Winschermann brachte die Musik Johann Sebastian Bachs in den 60er Jahren nach Japan. (Privat)
Oboist, Hochschulprofessor, Orchestergründer, Dirigent: Helmut Winschermanns Karriere war von Vielseitigkeit und Wandel geprägt. Der aus dem Ruhrgebiet stammende Musiker begann als Oboist im Städtischen Orchester Oberhausen. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte er als Solo-Oboist zum Sinfonieorchester von Radio Frankfurt, dem späteren Hessischen Rundfunk. In den fünfziger Jahren baute er an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold eine Oboenklasse auf, die er schließlich als Professor leitete. Sie wurde als "Oboenfabrik" berühmt, aus der namhafte Interpreten wie Hansjörg Schellenberger und Ingo Goritzki hervorgingen. Winschermann konzertierte als Solist und Kammermusiker, profilierte sich auch als Spezialist für Barock-Oboe und arbeitete eng mit Ensemble wie der Cappella Coloniensis und dem Stuttgarter Kammerorchester zusammen. 1960 gründete er die Deutschen Bachsolisten, mit denen er weltweite Tourneen unternahm und viele Schallplatten einspielte.