Von Wolfgang Noelke
Daran hatte der heute 73-jährige Rudy Krolopp nicht gedacht - an die sogenannten Mehrwertdienste, die sogar an Klingeltönen noch gut verdienen und - daran, dass die ungebremste Handymanie 20 Jahre nach der Präsentation seines ersten Mobilphone heute weltweit 1,2 Milliarden Handys piepsen lässt. Vor 20 Jahren stellte er das nur in den analogen US-Amerikanischen Netzen funktionierende erste Handy vor, das DynaTac 8.000X, mit dem man allerdings - schon aus Gewichtsgründen - nicht lange telefonierte, denn das "Handy" war so groß und so schwer wie ein Duden. Vorausgegangen waren 1973 erste für die Chicagoer Polizei- Fußtreifen entwickelte Handys, die den jeweils am nächsten stehenden Streifenwagen als Funkzelle nutzten. Von hier aus wurden die Gespräche weiter vermittelt.
Mobil telefonieren konnte man übrigens schon vor 77 Jahren auf der Reichsbahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Funksignale aus dem fahrenden Zug brauchten allerdings keinen weiten Weg zur nächsten Feststation: Die neben der Bahnlinie verlaufenden Telegraphendräte wirkten als Antenne. Erst 1958 begann das mobile Zeitalter in Deutschland; aber nur für wenige Auserwählte: Stolze 150.000 Mark - dafür hätte man sich damals eine Villa bauen lassen können - kostete das TeKaDe B72 - ein 16 Kilogramm schwerer Röhrenkasten fürs Auto. Die monatliche Grundgebühr betrug die Hälfte eines damaligen Facharbeitergehalts: 270 Mark, denn 600 "Fräulein vom Amt" betreuten die maximal 11.000 Teilnehmer des A-Netzes. Erst 1972 durften die später 27.000 Teilnehmer des nicht weniger kostspieligen B-Netzes selbst wählen - aber auch hier endete das Gespräch an der jeweiligen Stadtgrenze und Anrufer mussten immer genau wissen, wo sich das Auto mit dem teuren Telefon befand, obwohl erste Prinzipien der heutigen zellularen Netze seit 1945 bekannt waren. Die wurden in Europa allerdings zuerst in den nordischen Ländern entwickelt. Lange vor der Einführung des ersten deutschen zellularen Netzes - des sogenannten C-Netzes - 1985, war man in Norwegen, Finnland, Schweden und in der Schweiz bereits überall erreichbar:
Bis zu 18 Watt Sendeleistung war notwendig, die erst wenigen bis zu 30km entfernten Feststationen zu erreichen. Ein C-Netz- Telefon kostete zwar immer noch 12.000 Mark, aber die Barriere der maximal 27.000 Teilnehmer des früheren B-Netzes war gebrochen: Die mussten nämlich noch in einem Antragsformular ausführlich begründen, wofür ausgerechnet sie ein Autotelefon benuten wollen - Autotelefone wurden buchstäblich "vererbt". Im C- Netz konnte erstmals jeder mobil telefonieren - bis zu 850.000 Teilnehmer schaffte die Vermittlung. Das sogenannte Handover, die Weiterreichung des fahrenden Teilnehmers zwischen den Funkzellen, war nun möglich und mit dem Ausbau des Netzes sank auch die notwendige Sendeleistung, so dass Ende der 80er Jahre neben dem 12 Kilogramm schweren Telefon im Pilotenkoffer auch erste Handys auf den Markt kamen, die man wie einen schweren Revolver in einem Holster am Gürtel trug. Das C-Netz wurde in Deutschland Silvester 2000 abgeschaltet, Telefone nach dem in Deutschland und Europa entwickelten GSM-Standard der D- und E-Netze im 900- und 1800MHz- Bereich nutzen hier zu Lande bereits 70 Prozent der Bevölkerung. So beschränkt sich die Exklusivität der früheren Autotelefone heute auf winzigste Modelle unterhalb der ergonomischen Schmerzgrenze und - auf möglichst individuelle Klingeltöne.
Daran hatte der heute 73-jährige Rudy Krolopp nicht gedacht - an die sogenannten Mehrwertdienste, die sogar an Klingeltönen noch gut verdienen und - daran, dass die ungebremste Handymanie 20 Jahre nach der Präsentation seines ersten Mobilphone heute weltweit 1,2 Milliarden Handys piepsen lässt. Vor 20 Jahren stellte er das nur in den analogen US-Amerikanischen Netzen funktionierende erste Handy vor, das DynaTac 8.000X, mit dem man allerdings - schon aus Gewichtsgründen - nicht lange telefonierte, denn das "Handy" war so groß und so schwer wie ein Duden. Vorausgegangen waren 1973 erste für die Chicagoer Polizei- Fußtreifen entwickelte Handys, die den jeweils am nächsten stehenden Streifenwagen als Funkzelle nutzten. Von hier aus wurden die Gespräche weiter vermittelt.
Mobil telefonieren konnte man übrigens schon vor 77 Jahren auf der Reichsbahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Funksignale aus dem fahrenden Zug brauchten allerdings keinen weiten Weg zur nächsten Feststation: Die neben der Bahnlinie verlaufenden Telegraphendräte wirkten als Antenne. Erst 1958 begann das mobile Zeitalter in Deutschland; aber nur für wenige Auserwählte: Stolze 150.000 Mark - dafür hätte man sich damals eine Villa bauen lassen können - kostete das TeKaDe B72 - ein 16 Kilogramm schwerer Röhrenkasten fürs Auto. Die monatliche Grundgebühr betrug die Hälfte eines damaligen Facharbeitergehalts: 270 Mark, denn 600 "Fräulein vom Amt" betreuten die maximal 11.000 Teilnehmer des A-Netzes. Erst 1972 durften die später 27.000 Teilnehmer des nicht weniger kostspieligen B-Netzes selbst wählen - aber auch hier endete das Gespräch an der jeweiligen Stadtgrenze und Anrufer mussten immer genau wissen, wo sich das Auto mit dem teuren Telefon befand, obwohl erste Prinzipien der heutigen zellularen Netze seit 1945 bekannt waren. Die wurden in Europa allerdings zuerst in den nordischen Ländern entwickelt. Lange vor der Einführung des ersten deutschen zellularen Netzes - des sogenannten C-Netzes - 1985, war man in Norwegen, Finnland, Schweden und in der Schweiz bereits überall erreichbar:
Bis zu 18 Watt Sendeleistung war notwendig, die erst wenigen bis zu 30km entfernten Feststationen zu erreichen. Ein C-Netz- Telefon kostete zwar immer noch 12.000 Mark, aber die Barriere der maximal 27.000 Teilnehmer des früheren B-Netzes war gebrochen: Die mussten nämlich noch in einem Antragsformular ausführlich begründen, wofür ausgerechnet sie ein Autotelefon benuten wollen - Autotelefone wurden buchstäblich "vererbt". Im C- Netz konnte erstmals jeder mobil telefonieren - bis zu 850.000 Teilnehmer schaffte die Vermittlung. Das sogenannte Handover, die Weiterreichung des fahrenden Teilnehmers zwischen den Funkzellen, war nun möglich und mit dem Ausbau des Netzes sank auch die notwendige Sendeleistung, so dass Ende der 80er Jahre neben dem 12 Kilogramm schweren Telefon im Pilotenkoffer auch erste Handys auf den Markt kamen, die man wie einen schweren Revolver in einem Holster am Gürtel trug. Das C-Netz wurde in Deutschland Silvester 2000 abgeschaltet, Telefone nach dem in Deutschland und Europa entwickelten GSM-Standard der D- und E-Netze im 900- und 1800MHz- Bereich nutzen hier zu Lande bereits 70 Prozent der Bevölkerung. So beschränkt sich die Exklusivität der früheren Autotelefone heute auf winzigste Modelle unterhalb der ergonomischen Schmerzgrenze und - auf möglichst individuelle Klingeltöne.