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StartseiteCampus & KarriereOECD: Bildung auf einen Blick09.09.2008

OECD: Bildung auf einen Blick

Wieder ein Alarmruf?

Im vergangenen Jahr schrieb die OECD Deutschland eine Reihe von mittelmäßigen und schlechten Noten ins Bildungszeugnis. Heute wird der neue OECD-Bildungsbericht "Education at a glance" vorgestellt. Eine zentrale Forderung lautet dabei, den Zugang zu den Hochschulen für Menschen mit qualifizierter Berufsausbildung zu erleichtern.

Von Margarethe Limberg

Positive Nachrichten sind rar, aber es gibt sie: Unter den Studienanfängern sind Frauen in Deutschland stärker vertreten als in der OECD. (AP)
Positive Nachrichten sind rar, aber es gibt sie: Unter den Studienanfängern sind Frauen in Deutschland stärker vertreten als in der OECD. (AP)

Trotz aller aufgeregten Diskussionen über das Bildungsversagen bleibt Deutschland bei den Bildungsausgaben weiterhin unter dem Durchschnitt der Industrieländer. Während die OECD-Länder im Schnitt 2005 6,1 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Bildung ausgaben, lag dieser Satz in der Bundesrepublik bei 5,1 Prozent. Mit dem Anstieg der öffentlichen Ausgaben insgesamt halten die Bildungsausgaben in diesem Land bei weitem nicht Schritt, sie sanken in Deutschland zwischen 2000 und 2005 sogar von 9,9 auf 9,7 Prozent. Die zuständige OECD-Direktorin Barbara Ischinger:

"Es zeigt sich hier eine Verlagerung von strategischen Zukunftsinvestitionen wie zum Beispiel in Bildung hin zu Versorgungsleistungen wie für Gesundheit und Soziales. Bei der absehbaren demografischen Entwicklung in Deutschland kann dies auf lange Sicht die globale Wettbewerbsfähigkeit deutlich gefährden."

Die Folgen dieses Kurses sind gravierend. Der Anteil der Studienanfänger wie auch der Graduierten pro Jahrgang ist in Deutschland langsamer gewachsen als in den meisten OECD-Ländern, deren Niveau schon vorher deutlich höher war. Zwar ist der Anteil der Hoch - und Fachhochschulabsolventen in der Bundesrepublik zwischen 2000 und 2006 von 18 auf 21 Prozent pro Jahrgang gestiegen, im OECD-Durchschnitt aber von 28 auf 37 Prozent. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend sogar noch verstärkt, wenn man die Zahlen der Studienanfänger an Hochschulen und Fachhochschulen heranzieht. Im OECD-Schnitt stieg deren Anteil von 53 auf 56 Prozent, in Deutschland stagniert er um 37 Prozent. Angesichts des nur geringen Anstiegs der Studienanfänger kommt die OECD zu diesem wenig schmeichelhaften Urteil:

"Dennoch verliert Deutschland bei der Ausbildung von Hochqualifizierten im internationalen Vergleich weiter an Boden. Denn in den meisten OECD-Ländern hat der Anteil der Hochqualifizierten in den vergangenen Jahren deutlich schneller zugenommen als in Deutschland und das von einem deutlich höheren Niveau."

Den eigenen Bedarf an Hochqualifizierten kann das deutsche Bildungssystem auf diesem Weg jedenfalls nicht decken.

Angesichts des enormen Einkommensvorsprungs von Hochschulabsolventen vor Arbeitnehmern mit einer normalen Berufsausbildung wundert sich auch die OECD über die relativ geringe, vorübergehend sogar zurückgehende Zahl von Studienanfängern. Schlüssige Erklärungen gab es nicht. Allenfalls Vermutungen, zum Beispiel die abschreckende Wirkung der Bachelor- und Master-Reformen sowie das zum Teil chaotische System der Studienplatzvergabe. Hier sieht die OECD-Direktorin auch die Hochschulen selbst in der Pflicht, durch bessere Öffentlichkeitsarbeit und besseres Management für ein Studium zu werben.

Positive Nachrichten sind rar, aber es gibt sie. Unter den Studienanfängern sind Frauen in Deutschland stärker vertreten als in der OECD, sie stellen mit 55 Prozent deutlich mehr als die Hälfte, allerdings sind ihre Verdienstchancen weiterhin schlechter als die ihrer männlichen Studienkollegen.

"Die Herausforderung wird nun sein, auch eine Parität in den Arbeitsmarktperspektiven zu erzielen. Dies vor allem wenn man sieht, dass Frauen mit tertiärer Bildung derzeit nur 58 Prozent dessen verdienen was gleich qualifizierte Männer verdienen. Das ist für Frauen das ungünstigste Ergebnis in den letzten zehn Jahren."

Positiv ragt aus dem trüben Bild heraus, dass der Anteil der 25 bis 34 jährigen mit mindestens einer abgeschlossenen Berufsausbildung mit 84 Prozent sehr viel höher liegt als in den meisten OECD-Ländern.

Dass noch viel zu tun ist, um Deutschlands Nachholbedarf in Sachen Bildung zu stillen, ist unstrittig. Zwei zentrale Forderungen gab es in diesem Zusammenhang bei der Vorstellung des Bildungsberichts: den Zugang für Menschen mit qualifizierter Berufsausbildung zu den Hochschulen endlich zu erleichtern und die finanziellen Mittel, die durch zurückgehende Schülerzahlen verfügbar werden, im Bildungssystem zu belassen.

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