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Ökologisch orientierter Energieversorger

Die Bundesregierung hat die Restlaufzeiten der Kernkraftwerke verlängert. Das freut die großen Energiekonzerne und ärgert Stadtwerke, wie die Badenova AG in Freiburg. Das Unternehmen setzt auf erneuerbare Energien und bietet Ökostrom an.

Von Thomas Wagner |
    "Also, jetzt gehen wir mal rein in den Motorraum."

    Ohrenbetäubendes Getöse, als Badenova-Mitarbeiter Roland Weis die wuchtige Stahltür öffnet und gleich darauf wieder schließt:

    "Das ist der Motor, der den Generator antreibt, und damit funktioniert das Blockheizkraftwerk."

    Ein kleines, fensterloses Gebäude in Weingarten, einem Ortsteil im Osten Freiburgs: An der Decke, entlang der Wände - überall schlängeln sich silbrig glänzende Aluminium-Rohre durch den von grellem Neonlicht durchfluteten Raum.

    "Das hier sind die Pumpen in unserem Blockheizkraftwerk Weingarten. Wir versorgen hier einen ganzen Stadtteil. Und mit diesen Pumpen transportieren wir das Wasser in die Rohrsysteme. Das ist heißes Wasser. Und damit wird quasi die Energie, die Wärme transportiert. Das ist im Trend. Vor allem ist es natürlich hocheffizient. Es ermöglicht großen Einheiten, Straßenzügen, auf die eigene Heizung zu verzichten. Sie werden ja zentral von einer Einheit versorgt."

    Nicht nur das auf Effizienz ausgerichtete Blockheizkraftwerk steht für das Programm der Badenova AG Freiburg, die sich selbst als großen Energie- und Umweltdienstleister in Südbaden bezeichnet.

    Freiburg, Tullerstraße. Hier, in einem Gewerbe- und Industriegebiet etwas außerhalb vom Stadtzentrum, befindet sich der Unternehmenssitz. Ein modernes, großes Gebäude, das mit seiner silbrig glänzenden Fassade, mit seinem weiträumigen, lichtdurchfluteten Foyer das Erscheinungsbild eines Hightechunternehmens abgibt. In einer der zahlreichen Büros sitzt Achim Röderer. Der Marketing-Chef hat eine buchstäblich spannende Aufgabe: Der Verkauf von Strom.

    "Wir haben atomstromfreien Strom für die Kunden. Das heißt: Jeder Kunde, der bei uns seinen Strom bezieht, bekommt unseren Regelstrom. Und der ist garantiert atomfrei. Er wird zur Hälfte aus regenerativen Energien bezogen und zur Hälfte aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen."

    Und dies sei ein Qualitätssiegel: Das Wörtchen "Atomstromfrei" wird zunehmend zu einem Verkaufsargument, so ähnlich wie der Zusatz "Bio" auf den Öko-Äpfeln im Supermarkt.

    "Wir wissen das aus Umfragen, dass atomstromfrei gerade hier in der Region ein Thema ist. Wir bewerben das zum Teil auch mit Anzeigen, dass wir atomstromfrei liefern. Da haben wir auch schon Resonanzen, dass Leute sagen: 'Supertoll, dass Ihr das macht.' Wir kriegen das auch mit auf Kundenveranstaltungen, auf Messen, auf Gewerbeschauen, auf privaten Veranstaltungen, wo wir Stände hinstellen und direkt mit den Kunden sprechen. Da gibt es einfach positive Resonanz."

    Immerhin: Knapp 90 Prozent aller Stromkunden im Konzessionsgebiet, das von Freiburg über Offenburg im Norden, Tuttlingen im Westen und Lörrach im Süden 120 Städte und Gemeinden umfasst, sind bei der Badenova AG geblieben, trotz der zum Teil günstigeren Angebote anderer Anbieter, deren Strom aber teilweise auch aus Kernkraftwerken stammt. Badenova-Marketingchef Achim Röderer wertet dies als Indiz für das zunehmende Umweltbewusstsein seiner Kunden. Das schlägt sich auch noch in anderer Hinsicht nieder: Die Badenova bietet neben ihrem regulären Stromtarif auch den sogenannten Regio-Strom-Aktiv-Tarif an:

    "Das heißt, da zahlt der Kunde einen kleinen Aufschlag. Und dieser Aufschlag wird verwendet, um regenerative Energien hier in der Region weiter auszubauen, sodass hier kleine Regiostromanlagen aufgebaut werden, um zusätzlich reine erneuerbare Energien zu gewinnen."

    Rund 10.000 Kunden zahlen derzeit freiwillig diesen Aufschlag. Doch das ist nur eines von mehreren Beispielen, wie die Badenova AG gezielt den Ausbau regenerativer Energien fördert.

    "Hier ist Held von der Stabstelle Innovations- und Energiemanagement, guten Tag!"

    Anke Held erhält pro Woche Hunderte von Anrufen - Interessenten, die Ideen vortragen, wie man regenerative Energiekonzepte in einer Gemeinde oder im eigenen Haus umsetzen kann. Sie wenden sich an Anke Held. Die nämlich verwaltet den sogenannten Innovationsfonds:

    "Der Innovationsfonds ist ein spezielles Förderprogramm, was es seit der Badenova-Gründung gibt. Unsere Anteilseigner haben sich entschlossen, auf drei Prozent des Gewinns zu verzichten und diese Mittel in einem Fördertopf bereit zu stellen. Wir kommen ungefähr auf 1,8 Millionen Euro, die zur Verfügung stehen, ganz speziell für Umweltprojekte in der Region. Das können Bauprojekte sein, wo ganz vorbildliche Bauprojekte in der Region verwirklicht wurden, eine Energiesparschule in Waldshut zum Beispiel, die also aus neuesten Erkenntnissen besonders sparsam gebaut worden ist. Es könnte eine neue Technologie sein wie eine Brennstoffzelle, die in einer Gewerbeschule in Betrieb ist und dort auch den Auszubildenden ermöglicht, neueste Technologie auszuprobieren."

    Anke Held könnte die Liste der Förderprojekte fortsetzen. Sei es nun der Innovationsfonds, der Regio-Strom-Aktiv-Tarif, sei es eine ausgefeilte Umweltberatung sowohl für Gemeinden, Städte und private Interessenten und die gezielte Förderung regenerativer Energiequellen - die Badenova AG setzt auf Öko. Allerdings: Die Manager reagieren verschnupft auf den Beschluss der Bundesregierung, die Restlaufzeiten der Kernkraftwerke zu verlängern. Das bringt die Kalkulation durcheinander. Weil Atomstrom zum Teil aus bereits abgeschriebenen Kernkraftwerken stammt, ist er deutlich billiger als herkömmlicher Strom aus Kohlekraftwerken, aber auch billiger als jener Strom, den die Badenova AG aus regenerativen Energien gewinnt. Thorsten Radensleben, Vorstandsvorsitzender des südbadischen Energieversorgers:

    "Wir haben uns auf den Ausstiegsbeschluss verlassen und haben beschlossen, unser Unternehmen entsprechend zu verändern, immer mehr hin zu erneuerbaren Energien. Die Vertreter der großen Atomkonzerne haben mehrfach gesagt, wie viele Milliarden Zusatzgewinne sie aus den Laufzeitverlängerungen erwirtschaften. Das führt zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen. Und das Mindeste ist, wenn eine solche Entscheidung zur Verlängerung getroffen wird, dass diese Zusatzgewinne vollständig abgeschöpft werden."

    Zwischen ökologisch orientierten Energieversorgern wie der Badenova AG und den großen Energiekonzernen, die Atommeiler betreiben, dürfte es daher in Zukunft noch kräftig knistern. Langfristig sind für kommunale Energieversorger gleiche Marktchancen überlebenswichtig. Denn gerade auf dem Strom- und auf dem Gasmarkt hat sich die Konkurrenzsituation in den vergangenen Jahren verschärft - das schlägt sich auch in der Bilanz nieder: Lag der Umsatz der Badenova 2008 noch bei 909 Millionen Euro, so ging er ein Jahr darauf um fast 50 Millionen Euro zurück. Der Gewinn sank im gleichen Zeitraum von 55,2 auf 53,8 Millionen Euro, "deswegen, weil wir einfach unter Druck geraten. Man kann Preislinien nicht mehr halten, die man über Jahre hat halten können. Sondern man muss in den Preisen nachgeben, weil es einfach zu viele Wettbewerber gibt, die auch in den Preisen zurückgehen. Das hat zur Folge, dass die Gewinne zurückgehen auf Dauer. Wir haben alleine 120 Stromkonkurrenten in unseren Netzen, und wir haben über 70 Erdgaskonkurrenten in unseren Netzen. Und da können Sie sich vorstellen, dass der Kunde natürlich eine Riesenauswahl hat. Und sehr viele Kunden gehen halt dann doch zum Günstigsten," erklärt Unternehmenssprecher Roland Weis.

    Hinzu kommt: Viele Beratungsangebote der Badenova zielen darauf ab, Energie zu sparen. Das heißt: Die Beratung hin zu umweltgerechtem Verhalten führt dazu, dass einige Kunden Strom und Gas sparen; der Umsatz geht zurück. Kurzfristig betrachtet, wäre dies ein Nachteil. Langfristig aber nicht, glaubt Dieter Salomon, der als Freiburgs Oberbürgermeister an der Spitze des Badenova-Aufsichtsrates steht:

    "Wenn ich politisch will, dass die Klimaschutzziele erreicht werden, wo ich die Mithilfe der Bevölkerung brauche und mit den Stadtwerken ein Instrument habe, die genau in diesem Feld tätig sind, dann muss ich doch schauen, wie ich die Stadtwerke so einsetzen kann, dass sie diesem Ziel entsprechen - und zwar nicht, dass die Pleite gehen, sondern um sich wirtschaftlich am Markt behaupten zu können."