Als vor einigen Tagen rund 30 nationalreligiöse Rabbiner zum muslimischen Areal des Tempelbergs pilgerten, sah ihr Besuch nicht unbedingt nach einer Revolution aus. Dennoch war es ein revolutionärer Akt. Denn seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 und der Besetzung Ostjerusalems durch die Israelis ist es strenggläubigen Juden untersagt, den Moscheenbezirk auf dem Tempelberg zu betreten, da man darunter die Ruinen des einstigen jüdischen Tempels vermutet. Der genaue Ort, an dem der jüdische Tempel einst stand, ist nicht mehr bekannt. Deshalb besteht nach gängiger Meinung die Gefahr, dass Juden beim Betreten des Tempelberg-Areals das jüdische Allerheiligste, also den heiligsten Bereich des Tempels entweihen könnten: Diesen durfte einst nur die an strenge Reinheitsgebote gebundene Priesterkaste betreten.
Um eine solche Entweihung zu verhindern, untersagen Israels Oberrabbiner orthodoxen Juden den Pilgerbesuch. Doch eine kleine Gruppe nationalreligiöser Rechtsextremisten, die sich "Die Tempeltreuen" nennt, will sich an dieses Verbot nicht halten. Sie versucht seit Jahren kollektiv zum Tempelberg zu pilgern, wird aber von der israelischen Polizei systematisch daran gehindert, um einen offenen Konflikt mit den dortigen muslimischen Wächtern zu vermeiden.
Der jüngste Tempelberg-Besuch der nationalreligiösen Rabbiner ist also ein offener Tabubruch, und dies umso mehr, als es sich bei den Pilgern keineswegs um Randfiguren handelt. Es sind vielmehr prominente Rabbiner, die den Mainstream des großen nationalreligiösen Lagers Israels einschließlich der Siedler aus der teilweise besetzten Westbank vertreten. Obendrein wählten sie für ihren Besuch nicht nur den staatlichen Jerusalem-Tag, an dem die Israelis in diesem Jahr den 40. Jahrestag der Eroberung Ostjerusalems gefeiert haben, sondern riefen in einem offenen Brief ihre Anhänger auch dazu auf, es ihnen künftig nachzutun. Man solle sich jetzt, so die Rabbiner, auch intensiver mit dem Studium der biblischen Tempeldienst-Vorschriften auseinandersetzen - als Vorbereitung auf die Erlösung des jüdischen Volkes in Zion.
Sie gingen auch gleich als Vorbild voran: Als Rechtfertigung für ihren Pilgermarsch auf den Tempelberg gaben sie an, sich vorher kultisch gereinigt zu haben. Ein solches messianisch-militantes Auftreten war bislang nur von den radikalen Tempeltreuen bekannt, die sich seit Jahren schon für die künftige Wiederaufnahme des jüdischen Tempeldienstes rüsten - mit der Rekonstruktion von speziellen Ritualgefäßen oder der Herstellung von Priestergewändern nach biblischen Vorgaben.
Der Tempelberg-Besuch der Siedlerrabbiner hat in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die Säkularen sehen in diesem Akt, den die Pilger als einen rein religiösen verstanden wissen wollen, einen gefährlichen Schritt mit weitreichenden politischen Implikationen. Man rechnet nun mit Tausenden von Pilgern, was den ohnehin schon schwelenden politischen wie religiösen Konflikt um den Tempelberg nur noch verschärfen kann. Kritik kommt auch von Seiten der gemäßigteren Nationalreligiösen wie von der jüdischen Ultraorthodoxie, die den Pilgerbesuch der Rabbiner als Ketzerei verurteilt. Die Ultraorthodoxen lehnen den politischen Aktionismus der Siedlerrabbiner entschieden ab und plädieren stattdessen für eine verstärkte geistig-religiöse Erneuerung: Nur sie würde die Ankunft des jüdischen Messias und die Erlösung beschleunigen.
Auf palästinensischer Seite löste der Rabbiner-Besuch ebenfalls Bestürzung aus. Die muslimische Waqf-Behörde, die das Tempelbergareal verwaltet, dementierte vehement israelische Presseberichte, sie hätte den Besuch der Rabbiner genehmigt und diesen Schutzgeleit geben lassen. Die Rabbiner hätten sich, so hieß es etwa in der hamasnahen Zeitung "Felesteen", mit Hilfe der Besatzungspolizei selbst Zugang zum Tempelbergbezirk verschafft. Für die Palästinenser, vor allem für die Islamisten, stellt der Rabbiner-Besuch eine Provokation dar: Angeblich ein weiterer Beweis dafür, dass die Juden den Moscheenbezirk zerstören wollen, um eines Tages dort ihren Tempel wiederzuerrichten.
Um eine solche Entweihung zu verhindern, untersagen Israels Oberrabbiner orthodoxen Juden den Pilgerbesuch. Doch eine kleine Gruppe nationalreligiöser Rechtsextremisten, die sich "Die Tempeltreuen" nennt, will sich an dieses Verbot nicht halten. Sie versucht seit Jahren kollektiv zum Tempelberg zu pilgern, wird aber von der israelischen Polizei systematisch daran gehindert, um einen offenen Konflikt mit den dortigen muslimischen Wächtern zu vermeiden.
Der jüngste Tempelberg-Besuch der nationalreligiösen Rabbiner ist also ein offener Tabubruch, und dies umso mehr, als es sich bei den Pilgern keineswegs um Randfiguren handelt. Es sind vielmehr prominente Rabbiner, die den Mainstream des großen nationalreligiösen Lagers Israels einschließlich der Siedler aus der teilweise besetzten Westbank vertreten. Obendrein wählten sie für ihren Besuch nicht nur den staatlichen Jerusalem-Tag, an dem die Israelis in diesem Jahr den 40. Jahrestag der Eroberung Ostjerusalems gefeiert haben, sondern riefen in einem offenen Brief ihre Anhänger auch dazu auf, es ihnen künftig nachzutun. Man solle sich jetzt, so die Rabbiner, auch intensiver mit dem Studium der biblischen Tempeldienst-Vorschriften auseinandersetzen - als Vorbereitung auf die Erlösung des jüdischen Volkes in Zion.
Sie gingen auch gleich als Vorbild voran: Als Rechtfertigung für ihren Pilgermarsch auf den Tempelberg gaben sie an, sich vorher kultisch gereinigt zu haben. Ein solches messianisch-militantes Auftreten war bislang nur von den radikalen Tempeltreuen bekannt, die sich seit Jahren schon für die künftige Wiederaufnahme des jüdischen Tempeldienstes rüsten - mit der Rekonstruktion von speziellen Ritualgefäßen oder der Herstellung von Priestergewändern nach biblischen Vorgaben.
Der Tempelberg-Besuch der Siedlerrabbiner hat in Israel eine heftige Kontroverse ausgelöst. Die Säkularen sehen in diesem Akt, den die Pilger als einen rein religiösen verstanden wissen wollen, einen gefährlichen Schritt mit weitreichenden politischen Implikationen. Man rechnet nun mit Tausenden von Pilgern, was den ohnehin schon schwelenden politischen wie religiösen Konflikt um den Tempelberg nur noch verschärfen kann. Kritik kommt auch von Seiten der gemäßigteren Nationalreligiösen wie von der jüdischen Ultraorthodoxie, die den Pilgerbesuch der Rabbiner als Ketzerei verurteilt. Die Ultraorthodoxen lehnen den politischen Aktionismus der Siedlerrabbiner entschieden ab und plädieren stattdessen für eine verstärkte geistig-religiöse Erneuerung: Nur sie würde die Ankunft des jüdischen Messias und die Erlösung beschleunigen.
Auf palästinensischer Seite löste der Rabbiner-Besuch ebenfalls Bestürzung aus. Die muslimische Waqf-Behörde, die das Tempelbergareal verwaltet, dementierte vehement israelische Presseberichte, sie hätte den Besuch der Rabbiner genehmigt und diesen Schutzgeleit geben lassen. Die Rabbiner hätten sich, so hieß es etwa in der hamasnahen Zeitung "Felesteen", mit Hilfe der Besatzungspolizei selbst Zugang zum Tempelbergbezirk verschafft. Für die Palästinenser, vor allem für die Islamisten, stellt der Rabbiner-Besuch eine Provokation dar: Angeblich ein weiterer Beweis dafür, dass die Juden den Moscheenbezirk zerstören wollen, um eines Tages dort ihren Tempel wiederzuerrichten.