"Wenn du kein Geld rüber reichst, bearbeiten die Grenzer deine Papiere nicht. Erst habe ich es mit zehn rumänischen Lei versucht. Daraufhin hat mir der Grenzer die Papiere gleich zurückgeworfen und gesagt: Noch einen. Dann habe ich ihm noch einen zehn Lei-Schein gegeben. So geht das die ganze Zeit. Danach geht die Abfertigung plötzlich ganz schnell - in fünf Minuten. Aber was sind das nur für Zustände? Später muss ich das dann meinen Chef beibringen. Und der behält die 20 Lei von meinem Lohn ein."
Ion ist Fernfahrer, er arbeitet für eine moldauische Spedition. Unterwegs ist die Fahrerkabine sein Hotel. Der Fußboden ist mit Linoleum ausgeschlagen. Er fährt barfuss in Sandalen. Schuhe mit Socken stehen fein säuberlich am Rand. Sein Nachtlager ist hinter den Sitzen, eine schmale Pritsche mit einer Wolldecke darauf. Es riecht muffig. Etwa drei Mal im Monat fährt Ion ins Ausland, meist nach Rumänien. Das gehört seit Beginn dieses Jahres zur EU, dazwischen liegt also eine EU-Außengrenze. Und trotzdem wird hier bestochen. Beträge wie 20 Lei zahlt Ion aus eigener Tasche. Es ist nicht viel Geld, umgerechnet ein paar Euro, aber es läppert sich. Weil er an fast jeder Grenze etwas bezahlt. Wirklich weh tun ihm die 400 Euro, die er den Ungarn geben musste.
"Die ungarischen Zöllner haben meine Papiere durchgeguckt und gesagt, der Fahrtenschreiber würde den Maßen auf dem Papier nicht entsprechen. Ich bin aber mit denselben Papieren auch schon auf dem Hinweg über die Grenze gefahren. Und damals haben sie alles abgestempelt.
Auf dem Hinweg habe ich allerdings 50 Euro Schmiergeld bezahlt. Und auf dem Rückweg wollten sie nun wieder 50 Euro. Ich habe gesagt: "Es gibt kein Problem, bei mir ist alles in Ordnung." - "Nein, Problem, Problem." Ich habe ihnen 20 Euro angeboten - die waren aber zu dritt. Sie wollten 50. Dann sind sie weggegangen. Nach zwei Stunden kamen sie wieder, haben mich das Protokoll unterschreiben lassen, und ich musste 400 Euro bezahlen. "
Ion schlägt sich verärgert auf den Oberschenkel. Immerhin hat er für die 400 Euro einen Beleg bekommen. Vorsichtig zieht er das Papier hinter der Sichtblende hervor. Ungarn ist zwar 2004 der EU beigetreten. An der Situation an den Grenzen hat das jedoch nichts geändert, sagt Ion.
"Die Ungarn lassen mich zum Beispiel auch nicht mit vollem Tank einreisen. Aber wo steht, dass man nach Ungarn nicht mit 500 Litern Diesel einreisen darf? Mein Chef schickt mich von zuhause mit einem vollen Tank los. Damit komme ich bis Tschechien. Die Ungarn gucken den Tank an, und wenn der voll ist, verlangen sie eine Strafe. 400 Euro. Dann kommt einer dazu und sagt: Gib ihm 50 Euro. Wenn ich das mache, darf ich fahren. Auch mit vollem Tank.
Und das ist die Europäische Union. Warum kontrolliert niemand diese Behörden? Da müssten mal Leute kommen und die Situation überprüfen."
Genau das geschehe bereits, heißt es aus dem Büro des Kommissars für Justiz und Sicherheit in Brüssel. Die EU-Kommission habe Korruption an den Grenzen ständig im Blick. Und vor dem Wegfall der Binnengrenzen Anfang 2008 arbeiteten die neuen Mitgliedsstaaten auf Hochtouren, um EU-Standards zu erreichen. Im Dezember werde man wissen, ob noch Handlungsbedarf bestehe. Für Ion ist die Antwort klar.
"Warum zum Beispiel prüfen die ungarischen Zöllner nicht die Ladung? Ich könnte Drogen oder andere verbotene Stoffe transportieren. Aber danach fragen sie nicht mal. Und kontrollieren tun sie die Ladung erst recht nicht. An der tschechisch - slowakischen Grenze ist das anders. Da fragen sie: Woher kommst du? - Aus Tschechien. Dann verlangen sie die Papiere, überprüfen die und kontrollieren auch die Plombe. Die Ungarn aber überprüfen gar nichts. Die kontrollieren meinen Pass - das ist alles."
Ion ist Fernfahrer, er arbeitet für eine moldauische Spedition. Unterwegs ist die Fahrerkabine sein Hotel. Der Fußboden ist mit Linoleum ausgeschlagen. Er fährt barfuss in Sandalen. Schuhe mit Socken stehen fein säuberlich am Rand. Sein Nachtlager ist hinter den Sitzen, eine schmale Pritsche mit einer Wolldecke darauf. Es riecht muffig. Etwa drei Mal im Monat fährt Ion ins Ausland, meist nach Rumänien. Das gehört seit Beginn dieses Jahres zur EU, dazwischen liegt also eine EU-Außengrenze. Und trotzdem wird hier bestochen. Beträge wie 20 Lei zahlt Ion aus eigener Tasche. Es ist nicht viel Geld, umgerechnet ein paar Euro, aber es läppert sich. Weil er an fast jeder Grenze etwas bezahlt. Wirklich weh tun ihm die 400 Euro, die er den Ungarn geben musste.
"Die ungarischen Zöllner haben meine Papiere durchgeguckt und gesagt, der Fahrtenschreiber würde den Maßen auf dem Papier nicht entsprechen. Ich bin aber mit denselben Papieren auch schon auf dem Hinweg über die Grenze gefahren. Und damals haben sie alles abgestempelt.
Auf dem Hinweg habe ich allerdings 50 Euro Schmiergeld bezahlt. Und auf dem Rückweg wollten sie nun wieder 50 Euro. Ich habe gesagt: "Es gibt kein Problem, bei mir ist alles in Ordnung." - "Nein, Problem, Problem." Ich habe ihnen 20 Euro angeboten - die waren aber zu dritt. Sie wollten 50. Dann sind sie weggegangen. Nach zwei Stunden kamen sie wieder, haben mich das Protokoll unterschreiben lassen, und ich musste 400 Euro bezahlen. "
Ion schlägt sich verärgert auf den Oberschenkel. Immerhin hat er für die 400 Euro einen Beleg bekommen. Vorsichtig zieht er das Papier hinter der Sichtblende hervor. Ungarn ist zwar 2004 der EU beigetreten. An der Situation an den Grenzen hat das jedoch nichts geändert, sagt Ion.
"Die Ungarn lassen mich zum Beispiel auch nicht mit vollem Tank einreisen. Aber wo steht, dass man nach Ungarn nicht mit 500 Litern Diesel einreisen darf? Mein Chef schickt mich von zuhause mit einem vollen Tank los. Damit komme ich bis Tschechien. Die Ungarn gucken den Tank an, und wenn der voll ist, verlangen sie eine Strafe. 400 Euro. Dann kommt einer dazu und sagt: Gib ihm 50 Euro. Wenn ich das mache, darf ich fahren. Auch mit vollem Tank.
Und das ist die Europäische Union. Warum kontrolliert niemand diese Behörden? Da müssten mal Leute kommen und die Situation überprüfen."
Genau das geschehe bereits, heißt es aus dem Büro des Kommissars für Justiz und Sicherheit in Brüssel. Die EU-Kommission habe Korruption an den Grenzen ständig im Blick. Und vor dem Wegfall der Binnengrenzen Anfang 2008 arbeiteten die neuen Mitgliedsstaaten auf Hochtouren, um EU-Standards zu erreichen. Im Dezember werde man wissen, ob noch Handlungsbedarf bestehe. Für Ion ist die Antwort klar.
"Warum zum Beispiel prüfen die ungarischen Zöllner nicht die Ladung? Ich könnte Drogen oder andere verbotene Stoffe transportieren. Aber danach fragen sie nicht mal. Und kontrollieren tun sie die Ladung erst recht nicht. An der tschechisch - slowakischen Grenze ist das anders. Da fragen sie: Woher kommst du? - Aus Tschechien. Dann verlangen sie die Papiere, überprüfen die und kontrollieren auch die Plombe. Die Ungarn aber überprüfen gar nichts. Die kontrollieren meinen Pass - das ist alles."