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StartseiteSport am Wochenende"Die Alternative zu diesem Dialog ist weitaus schlimmer"10.02.2018

Olympia 2018"Die Alternative zu diesem Dialog ist weitaus schlimmer"

Die Staatschefs der zerstrittenen Koreas sähen im Rahmen der der Olympischen Spiele in Pyeongchang eine zartes Pflänzchen der innerkoreanischen Annäherung. Im Dlf-Interview sagt Korea-Experte Eric J. Ballbach, dass er dahinter zwar in erster Linie politische Strategie erkenne, aber dass er dennoch vorsichtig optimistisch sei.

Eric J. Ballbach im Gespräch mit Astrid Rawohl

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HANDOUT - Eric J. Ballbach, Nordkorea-Forscher an der Freien Universität Berlin (undatiertes Handout). Foto: Privat dpa (Nur zur redaktionellen Verwendung) (zu dpa-Interview « Nordkorea-Forscher: Kims Drohungen sollen Zusammenhalt stärken» vom 08.04.2013) | Verwendung weltweit (dpa)
Korea-Experte Eric J. Ballbach (dpa)
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"Das ist natürlich eine sehr symbolträchtige Geste. Gerade im Kontext der olympischen Spiele", weil das Motto der Spiele auf Völkerverständigung ausgelegt sei, sagt Koreaexperte Eric Ballbach im Dlf-Interview. Er bewertet die innerkoreanischen Annäherungen als mehr als nur reine Symbolpolitik. Es stünden handfeste Strategien dahinter, die erklären, warum es die Annäherung genau jetzt nach zweijähriger dialogischer Pause gibt.

Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Einbindung Nord-Koreas in solch sportliche Großveranstaltungen in Süd-Korea eben dazu geführt hat, dass es keine Provokationen in dieser Zeit gab, ordnet Ballbach ein. "Wohingegen im umgekehrten Fall, d.h. wenn Nord-Korea nicht teilgenommen hat, es wiederholt zu solchen Provokationen gekommen ist." Aber Moon Jae-in, der koreanische Präsident, verfolge auch eine langfristige Strategie der Einbindung Nord-Koreas. Und er ginge dabei von der Zielsetzung aus, dass letztendlich nur der innerkoreanische Dialog militärische Zwischenfälle auch vermeiden kann.

Dialog muss aufrecht erhalten werden 

Nord-Koreas Handeln bewertet Ballbach als Charmeoffensive gegen das negative Image Nordkoreas. Weiterhin stellt er aber fest, dass Moon Jae-in gar nicht direkt darauf reagiert habe, sondern bereits im Vorfeld der Spiele die sprichwörtliche Hand ausgestreckt und gesagt habe, dass die Olympiade einen möglichen Punkt darstelle, um diesen innerkoreanischen Dialog in Gang zu bringen. "Die große Herausforderung für Moon Jae-in wird es jetzt sein, diesen vorsichtig begonnen innerkoreanischen Dialog eben auch über die Olympiade hinaus im Kontext der ja noch immer schwelenden Nuklearkrise aufrecht zu erhalten."

Erster Schritt zur Entspannung

Die Situation sei vor wenigen Wochen noch sehr angespannt gewesen, dass man sogar mit einem Militärschlag rechnen musste. Diese Gefahr sei sicherlich nicht gebannt, aber der Dialog sei ein erster Schritt zur Entspannung der Lage auf der koreanischen Halbinsel.

Aber es sei dennoch nicht falsch, skeptisch zu bleiben, denn Nord-Korea sei ein autoritäres, totalitäres System. Man dürfe die Sachlage der Menschenrechte und Nuklearfrage nicht in den Hintergrund stellen. Ballbach ist "vorsichtig optimistisch, denn die Alternative zu diesem Dialog ist weitaus schlimmer."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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