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Olympische DopingkontrollenWADA beklagt große Pannen in Rio

Bei den Olympischen Spielen in Rio wurden zwar einige Sportler des Dopings überführt, aber die Schlupflöcher waren immer noch groß genug, um nicht erwischt zu werden. Zu diesem Schluss kommt eine Expertenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur.

Von Sebastian Krause | 28.10.2016

Doping-Kontrollstation bei den Olympischen Spielen in Rio
Eine Doping-Kontrollstation in Rio: viele Tests fanden nicht statt (picture alliance / dpa, Michael Kappeler)
Die großen Probleme bei den Dopingtests in Rio hatten sich schon während der Spiele herumgesprochen. Die deutsche Ruder-Olympiasiegerin Lisa Schmidla hatte schon damals im ARD-Hörfunk darauf hingewiesen, wie ungeschult, unprofessionell und chaotisch das Dopingkontroll-Personal sei.
"Das sind dann halt die Volunteers, die laufen dann mit einem Zettel rum, suchen den Athleten an und sprechen dann so ungefähr jeden deutschen Athleten an", sagte Schmidla. "Wenn man was machen möchte, könnte man auch zu dem Sportler hingehen und sagen: Wenn Du was gemacht hast, dann geh mal schnell weg, oder schau, dass Dein Urin sauber wird in den nächsten fünf Minuten. Das ist schon ein bisschen komisch, dass das eben hier die Volunteers machen, Menschen, die davon eigentlich keine Ahnung haben."
Ein unabhängiges Expertenteam der WADA beobachtete die Durchführung der Kontrollen in Rio und legte jetzt seine Bewertung vor. Und die fällt verheerend aus: Schlecht vorbereitete Dopingtests, zu wenig geschultes Personal, Sportler, die getestet werden sollten, konnten zum Teil gar nicht gefunden werden - an manchen Tagen sei sogar bis zur Hälfte der geplanten Tests nicht möglich gewesen. Verantwortlich für die Dopingtests war das Internationale Olympische Komitee IOC.
Das IOC räumt zwar Schwächen im System von Rio ein, will sich aber keinen Vorwurf machen lassen. Man habe die Herausforderungen wie etwa den Mangel an Ressourcen und geschultem Personal überwinden und trotzdem ein erfolgreiches Anti-Doping-Programm stemmen können, so das IOC, das darauf verweist, dass das auch so in dem WADA-Bericht gewürdigt worden sei. Fakt bleibt aber: Wer in Rio dopen wollte, ohne erwischt zu werden, der konnte es - ihm taten sich überraschende Lücken auf.