Olympische Sommerspiele in Tokio"Die Spiele in Tokio werden zunehmend greifbarer"

"Wir stellen uns darauf ein, dass es Spiele der besonderen Art werden", sagte der Chef de Mission für Tokio, Dirk Schimmelpfennig, im Dlf. Man habe Vertrauen in das System. Für eine mögliche Absage der Spiele angesichts der angespannten Coronalage in Japan gebe es keine Deadline.

Dirk Schimmelpfennig im Gespräch mit Matthias Friebe | 24.05.2021

Dirk Schimmelpfennig, Chef de Mission vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) lächelt
Dirk Schimmelpfennig, Chef de Mission vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) (picture alliance / Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler)
Zwei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele hält das Coronavirus Gastgeber Japan immer mehr in Atem. Die Corona-Situation in Japan ist extrem angespannt. Erst rund drei Prozent der 125 Millionen Japaner haben überhaupt erst ihre Erstimpfung erhalten, die Kampagne war viel zu spät gestartet. Zudem sind die Krankenhäuser überfüllt. Die Anzahl der Tests ist verschwindend gering, Aussagen über tatsächliche Fallzahlen sind unmöglich. Aufgrunddessen spricht sich die Bevölkerung mittlerweile großteils für eine Verschiebung oder komplett gegen Olympia in Tokio aus.
"Es wird eine große Herausforderung für alle Beteiligten, sich darauf einzustellen", erklärte der Chef de Mission für Tokio, Dirk Schimmelpfennig, im Dlf. "Die Spiele in Tokio werden zunehmend greifbarer." Man befinde sich in engem Austausch mit den Organisatoren vor Ort. Auch das IOC und die WHO hätten einen Blick auf die Rahmenbedingungen in Tokio. Deshalb sei man zuversichtlich und tue alles, um die Spiele für die Athleten vor Ort so sicher wie möglich zu machen.
"Wir haben Experten vor Ort, wir setzen auf Erfahrungen aus internationalen Testevents, die keine Superspreader-Fälle hatten." Man habe die Lehren aus den anderen Fällen, die nicht so gut gelaufen sind, gezogen. Das IOC habe zudem erklärt, dass man davon ausgeht, dass im Olympischen Dorf mehr als 80 Prozent der Bewohner geimpft seien. "Von daher haben wir schon in dieses System in dieser schwierigen Situation Vertrauen."

Maximale Sicherheit an Schnittstellen mit Athleten

Man könne nachvollziehen, dass es für die Japaner angesichts der angespannten Corona-Lage momentan eine Ausnahmesituation sei, sagte Schimmelpfennig, doch "die Spiele sind so organisiert, dass man Rahmenbedingungen schaffen will, mit denen diese Spiele mit gutem Verantwortungsbewusstsein durchgezogen werden können."
Eine Impfpflicht für Athleten und Trainer gebe es weiterhin nicht. Doch zum Beispiel das sportmedizinische Personal müsse geimpft sein, bestätigte Schimmelpfennig. "Diejenigen, die sehr eng und sehr kontinuierlich mit den Athleten zu tun haben und die über das gesamte Event, also über mehrere Wochen an diesen Schnittstellen fungieren, sollen die Athleten und Trainer nicht in Gefahr bringen. Daher ist es sehr wichtig, dass hier geimpfte Teilnehmer agieren."