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Olympische Winterspiele
Umweltzerstörung hat Tradition

Die Winterspiele in Sotschi stehen wegen der Umweltsünden in der Kritik. Felsen werden weggesprengt, Wälder gerodet, Menschen umgesiedelt. Im Falle der Stadt am Schwarzen Meer hat dies eine besondere Qualität. Aber auch bei früheren Winterspielen wurden massive Umweltsünden begangen.

Von Heinz Peter Kreuzer | 20.01.2014

Bau von Sportstätten in Sotschi
Sotschi setzt die Tradition des Umweltkillers Winterspiele fort. (dpa / picture alliance / Nina Zotina)
Umweltsünden haben bei Olympischen Winterspielen Tradition. Beispiel Grenoble 1968: 300 000 Kubikmeter Fels sprengten die Veranstalter für den Bau der neuen Skipisten weg. Nach den Winterspielen verfiel die neue 90-Meter-Großschanze mangels weiterer Nutzung. Jean Jacques Hadey, früherer französischer Kultur Attaché sagte 1992 im Deutschlandfunk zu Olympia in Grenoble:
"Alle Einrichtungen, die da gemacht wurden, wurden auf Kosten der Natur gemacht. Heute zerfällt alles, wird alles zur Ruine. Welcher Franzose interessiert sich überhaupt für Skispringen oder Bobrennen. Das interessiert die Leute nicht. Das wird gebaut. Da machen Leute Geschäfte damit, und dann ist aus. Und das ganze Bild der Gegend ist verstellt."
Kein einmaliger Sündenfall: Auch vier Jahre später in Sapporo gab es Proteste. Die Abfahrtspisten zerstörten Naturschutz-Gebiete am Eniwa-Vulkan. Das Mahnmal für Umweltzerstörung ist jedoch Albertville. Für den Bau der Abfahrtsstrecke der Herren in Val d’Isère waren massive Sprengungen im Fels notwendig, den Sprungschanzen in Courchevel fielen 5500 Bäume zum Opfer. Und tausende Kubikmeter Beton stabilisieren die Hänge. Skipisten und Bobbahn gelten als größte Umweltübel wie 1998 in Nagano. Für die Bobbahn fällte man 5000 Bäume.
Die Spiele 2006 in Turin bringen noch heute Umweltaktivisten in Rage. Für den Bau der Sprungschanzen leiteten die Organisatoren einen Flusslauf um und versiegelten 14000 Quadratmeter Boden. Für den Bau der Bobbahn mussten 28 Hektar Lärchenwald gefällt werden. Das Biathlon-Stadion liegt in einem einst ruhigen Hochtal. Umweltzerstörung für zwei Wochen, von Nachhaltigkeit keine Spur, so der italienische Umweltschützer Fabio Porcari vom WWF:
"All die Sportanlagen wurden immer weniger benutzt, bis dahin, dass die Skisprunganlage von Lawinen verschüttet war und geschlossen wurde."
Nicht der einzige Naturfrevel: Die olympischen Austragungsorte der Turiner Spiele liegen in zwei Tälern, die an Naturschutzgebiete grenzen. Durch die olympischen Ausbauten wurde der Wildwechsel empfindlich gestört, Fabio Porcari:
"Jede Menge Tiere und Pflanzen, die in diesen Tälern heimisch sind, sind von den Strukturen, die für diese Spiele geschaffen worden sind, beeinträchtigt worden. In diesen Regionalparks gibt es zum Beispiel Wölfe, und bis heute findet man alle zwei Monate einen überfahrenen Wolf am Straßenrand."
Gelernt haben daraus weder das Internationale Olympische Komitee noch die Ausrichter. Kommerzialisierung ist wichtiger als Ökologie: Sotschi setzt also die Tradition des Umweltkillers Winterspiele fort. Und Besserung ist nicht in Sicht.