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StartseiteUmwelt und VerbraucherLockangebote mit hohen Renditen19.06.2018

Online-GeldgeschäfteLockangebote mit hohen Renditen

Im Internet locken Anbieter mit Geldanlagen, die Renditen bis zu 30 Prozent in Aussicht stellen. Doch viele dieser Firmen sind unseriös. Interessenten sollten Online-Angebote daher genau prüfen. Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale Hessen erklärte im Dlf, woran man Lockangebote erkennen kann.

Wolf Brandes im Gespräch mit Britta Fecke

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Überlappende beleuchtete Linien-und Balkendiagramme als Symbolbild für Geschäfte mit Wertpapieren, die eine hohe Rendite in Aussicht stellen., (imago / Saul Gravy)
Potenzielle Kunden werden mit Mails oder in Sozialen Netzwerken gezielt angelockt - mit verlockenden, aber oft gefährlichen Geldanlagen (imago / Saul Gravy)
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Britta Fecke: Trotz der andauernden Niedrigzins-Politik der EZB hoffen immer noch einige Verbraucher auf hohe Renditen und lassen sich dabei auch von unseriösen Anbietern im Internet einfangen. Nun warnen die Verbraucherzentralen vor den dubiosen Geldanlagen. Aus elf Bundesländern liegen Beschwerden vor zu unterschiedlichen Anbietern.

Ich bin jetzt verbunden mit Wolf Brandes, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale in Hessen. Herr Brandes, wie sehen denn diese Angebote aus, beziehungsweise wie kommen die Anbieter auf den potenziellen Kunden zu?

Wolf Brandes: Auf den Kunden kommen sie oft zu, indem die Kunden Mails erhalten, oder in sozialen Netzwerken angelockt werden, indem sie beispielsweise bei Facebook unterwegs sind und was Interessantes finden, dann einen Like machen, und dann bekommen sie relativ direkt Kontakt zu den Anbietern. Und das sind ganz unterschiedliche Sachen. Da gibt es Anbieterseiten, die versprechen, mit Hochfrequenz-Handel Renditen von bis zu 30 Prozent erzielen zu können, und das ist natürlich verlockend, aber auch gefährlich.

Lockseiten "technisch gut gemacht"

Fecke: Wie sehen denn diese unseriösen Anbieter aus? Erkennt man es an der Anzeige, dass es sich um kein gutes Angebot handelt?

Brandes: Auf den ersten Blick ist das gar nicht so einfach zu erkennen, weil in manchen Fällen wird eine gute Idee präsentiert. Das klingt erst mal ganz plausibel. Die Seiten sind technisch auch oft sehr gut gemacht. Da sitzen wirklich Leute dahinter, die sich mit dem Internet auskennen. Aber man sollte sich von dem ersten Eindruck natürlich nicht täuschen lassen, sondern sollte wirklich überlegen, ob dieses Geschäft auch funktionieren kann.

Ganz wichtig: Impressum prüfen

Fecke: Nehmen wir mal an, dass der Kunde gutgläubig ist und von der Idee, die präsentiert wird, überzeugt ist. Kann er irgendwie im Impressum oder sonst wo feststellen, dass der Anbieter nicht seriös ist?

Brandes: Impressum ist ein gutes Stichwort. Wir haben ja in unserer Untersuchung herausgefunden, dass von den 50 Anbietern mehr als die Hälfte kein ordentliches Impressum haben. Und was heißt Impressum? Im Impressum muss natürlich schon mal die Rechtsform genannt sein. Da müssen die Verantwortlichen genannt sein. Da muss auch eine richtige Kontaktadresse genannt sein, und das ist in vielen Fällen gar nicht zu finden. Und wo findet man das Impressum? Meistens findet man das ziemlich weit unten auf der Seite. Man muss runterscrollen und gucken, ob da irgendwo Impressum steht oder so was in die Richtung. Wenn so etwas nicht vorhanden ist, dann sollte man ganz vorsichtig sein, eigentlich die Finger weg.

Wo ist die Seite registriert - in Panama?

Fecke: Selbst wenn da ein Impressum steht, muss das stimmen? Das überprüft ja auch keiner.

Brandes: Sicher! Aber der zweite Punkt, worauf man achten sollte: Wo ist die Seite registriert? Das ist die sogenannte Domain-Abfrage. Die kann man, wenn man bei Google sucht, relativ schnell herausfinden, wie man so eine Domain-Abfrage macht, indem man einfach die Domain, die Internetseite eingibt, und dann bekommt man schon mal den Hinweis, in welchem Land das registriert ist. In unseren Fällen gab es etliche Anbieter, die sind in Panama registriert, alle bei der gleichen Briefkastenadresse, und das ist natürlich auch nicht seriös.

Fecke: Nehmen wir an, jemand war leichtgläubig, hat schon Geld in Richtung Panama geschickt. Besteht irgendeine Chance, das wiederzubekommen?

Brandes: Man muss sagen, wir kriegen viele Hinweise, wo den Verbrauchern das komisch vorkommt, und die wollen uns darauf hinweisen, dass das etwas Unseriöses ist. Aber es gibt auch einige, die investieren, und das fängt auch mit kleineren Beträgen an. Manche haben vielleicht 1.000, 2.000 Euro investiert. Es wird ja in der Regel eine Vorauszahlung verlangt. Und wenn man das Geld erst mal überwiesen hat und versucht, es wiederzubekommen, oder die versprochenen Gewinne treten nicht ein, dann wird es ganz schwierig, denn im Ausland und erst recht im außereuropäischen Ausland seine Rechte einzufordern, das ist extrem kompliziert.

Fecke: … sagt Wolf Brandes. Er ist Marktwächter bei der Verbraucherzentrale in Hessen und warnt vor dubiosen Geldgeschäften im Internet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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