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Startseite@mediasresMedienkritik von Jugendlichen für Jugendliche13.03.2019

Onlinemagazin "Spinxx.de" Medienkritik von Jugendlichen für Jugendliche

Schreibpraxis bekommen und Medienkompetenz erlangen - beim Onlinemagazin "Spinxx.de" verfassen Jugendliche Beiträge zu Medienthemen. In zwölf Redaktionen texten die Nachwuchsautorinnen und -autoren eigenständig News, Buchrezensionen und Filmkritiken. Unterstützt werden sie von einer Medienpädagogin.

Von Isabelle Bach

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Zwei Schüler schreiben auf ihrem Notitzblock. Vor ihnen steht ein aufgeklappter Laptop. (imago stock&people / pressmaster / Panthermedia)
Beim Onlinemagazin "Spinxx.de" bekommen die jugendlichen Autorinnen und Autoren Schreibpraxis und können einen eigenen Schreibstil entwickeln (imago stock&people / pressmaster / Panthermedia)
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Es ist Freitagnachmittag und die Kölner Spinxx Redaktion trifft sich zur wöchentlichen Sitzung. Das Besondere: Die Redakteure von Spinxx sind Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren, die gerne schreiben und ihre Texte im Netz veröffentlichen. Einmal in der Woche treffen sie sich für zwei Stunden, um Themen zu besprechen, Texte zu verfassen oder eine Videokritik zu produzieren.

Geleitet wird die Redaktion von Mara Theobald. Sie ist angehende Grundschullehrerin und macht gerade ihr Referendariat. Jeden Freitagnachmittag unterstützt sie die Jugendlichen bei ihrer Arbeit.

"Wir waren eine Zeit lang zu zwölft, da war immer super viel los. Aber alle, die bei Spinxx sind, sind irgendwie total nette Leute, ganz viele Nerds, die super leidenschaftlich in irgendeine Richtung sind. Es macht einfach Spaß, mit denen zu arbeiten, finde ich. Es ist immer eine gute Atmosphäre."

Worüber geschrieben wird, bestimmt jeder selbst – der Fantasie sind dabei fast keine Grenzen gesetzt, solange es um mediale Inhalte geht.

Medienpädagogische Arbeit im Vordergrund

Dieses Konzept lässt den Jugendlichen zwar viel Freiraum, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass die Inhalte des Magazins sehr beliebig und nicht aktuell sind. So thematisiert die neuste Filmkritik das zwölf Jahre alte Drama "Leroy", die neuste Buchkritik den Fantasyroman "Rubinrot" von 2009.

Zudem werden nur in sehr unregelmäßigen Abständen neue Texte veröffentlicht. Spinxx habe keinen Anspruch auf Aktualität und Vollständigkeit, vielmehr stehe die medienpädagogische Arbeit im Vordergrund, sagt Projektleiter Tom Jantschik.

"Das Ziel ist, dass Jugendliche Medienkompetenz erlernen und dass sie kritisch mit Medieninhalten umgehen können und sich auch äußern können."

Der Informationsgehalt und die Qualität der Texte hängen stark davon ab, wie viel Schreiberfahrung die Autoren mitbringen.

Einen eigenen Schreibstil entwickeln

Die 20-jährige Stefanie Hecker ist eine der ältesten Redaktionsmitglieder und schreibt schon seit sechs Jahren für Spinxx. Sie habe hier vor allem gelernt, präzise zu formulieren, sagt sie.

"Vor allem im Schreibstil hat man sich natürlich sehr stark gewandelt, weil man auf verschiedene Aspekte achtet und manche Fehler vermeidet."

Der vierzehnjährige Jakob Mangold ist erst seit einem Jahr dabei. Für ihn ist die Arbeit in der Redaktion die perfekte Ergänzung zum Schulalltag.

"Man lernt auf jeden Fall, ausführlicher und auch besser zu schreiben, weil man da einfach mehr Praxis hat. Und man lernt auch viele Dinge wie Videos bearbeiten. Das sind einfach Sachen, die man in der Schule einfach häufig nicht lernt."

Redaktion immer wieder aufs Neue motivieren

Alle Kritiken werden von Redaktionsleiterin Mara Theobald korrigiert – sie gibt Formulierungshilfen, verbessert Rechtschreibfehler und macht auf Unstimmigkeiten im Text aufmerksam. Für die Inhalte seien die Jugendlichen aber selbst verantwortlich. Einigen falle das Schreiben am Anfang schwer, die meisten machten aber schon nach kurzer Zeit Fortschritte, sagt die Redaktionsleiterin.

"Das ist schon ziemlich krass, wie die sich weiterentwickeln. Am Anfang musste ich bei den Kritiken immer sehr sehr viel korrigieren, mit denen noch mal überarbeiten. Und die nehmen dann eben doch viel auf. Und manchmal besprechen wir auch mal bestimmte Themen alle zusammen. Sowas wie: Wie kann man 'der Film' oder 'das Buch' im Text ersetzen. Von den Texten her werden die auf jeden Fall besser."

Als Pädagogin ist es auch Theobalds Aufgabe, die Redaktion immer wieder aufs Neue zu motivieren.

"Ich weiß, ich lasse sehr stark die Grundschullehrerin raushängen, aber ich fand's trotzdem ganz gut. Für jede Kritik, die online geht hier aus der Redaktion, wird es ein Sternchen geben. Und ich hab jetzt erst mal gedacht: Nach 30 Sternchen lade ich euch ins Kino ein."

Zwölf Redaktionen in Deutschland

Das Projekt "Spinxx" gibt es seit 15 Jahren, gefördert wird es vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile existieren zwölf Redaktionen in unterschiedlichen Städten. Einmal im Jahr kommen alle Teilnehmer zu einem Kritikergipfel zusammen.

In den wöchentlichen Sitzungen werden neben den Texten der Jugendlichen hin und wieder auch Themen wie Netzsicherheit und Cybermobbing besprochen.

Projektleiter Tom Jantschik: "Ich denke, dass gerade heutzutage in Zeiten der Fake News und vieler audiovisueller Informationen gerade im Fernsehen oder im Internet Jugendliche und Kinder lernen müssen, das zu filtern. Also zu verstehen, wie das funktioniert, damit sie kritisch die Medien konsumieren können."

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