Samstag, 20.07.2019
 
Seit 09:10 Uhr Das Wochenendjournal
StartseiteSport am Wochenende"Das kann ein massives Problem werden"30.03.2019

Onlinesucht bei Leistungssportlern"Das kann ein massives Problem werden"

Bis zu 16 Stunden täglich, abgeschaltetes WLAN im Teamhotel: Exzessives Gaming scheint für einige Profisportler Normalität zu sein. "Es kann sein, dass Sportler im Onlinespiel mehr Belohnung erfahren als im realen Sport", sagte der Psychologe Christoph Möller im Dlf. Dies verstärke die Suchtgefahr.

Christoph Möller im Gespräch mit Jessica Sturmberg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Mann spielt im Dunkeln ein Computerspiel. (Unsplash / Alexander Andrews)
Wenn sich die Person ständig mit dem Onlinespiel beschäftigt, dann kann es in Richtung Sucht gehen (Unsplash / Alexander Andrews)
Mehr zum Thema

Internetsucht Diagnose erwünscht

Medien und Meinungen Netzneutralität, Online-Sucht und Klammern

Onlinesucht Cold Turkey - 24 Stunden offline

Smartphone-Sucht "Stärker als Kokain"

Zum Ende der Woche ließen zwei Medienberichte aufhorchen. Zu erst teilte der ehemalige Trainer von RB Leizig, Ralph Hassenhüttl mit, dass er bei seinem jetztigen Klub, dem englischen Premier-League-Verein FC Southhampton, im Teamhotel das WLAN abschalte. Der 51-Jährige erklärte er wolle seine Spieler so vor abhängig machenden Videospielen schützen. "Ich war in meinem letzten Klub dagegen. Die Spieler spielten bis drei Uhr morgens in der Nacht vor einem Spiel. Du musst aktiv sein und sie schützen", sagte Hasenhüttl. "Es ist kein kleines Problem. Wenn du ehrlich bist, ist es dasselbe wie Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit."

Des Weiteren hatte ein anonymer englischer Fußballprofi in einem "Sun"-Bericht erzählt, dass Videospiele seine Karriere gefährdet hätten. Demnach soll er bis zu 16 Stunden pro Tag "Fortnite" gespielt haben. Und so wie ihm gehe es vielen Spielern. Das Spiel gehört aktuell zu den beliebtesten Videospielen weltweit. Zahlreiche Profis wie Harry Kane oder Dele Alli zeigten sich schon in sozialen Netzwerken oder auf Streaming-Plattformen, wie sie "Fortnite" spielten.

Das Zeitkriterium ist nicht entscheidend

Psychologe Christoph Möller sagte dazu im Dlf, dass das Entscheidende für eine Computerspielsucht dabei nicht das Zeitkriterium sei, "sondern wenn andere Aktivitäten zugunsten des Onlinespiels oder des Computerspiels verdrängt werden. Zum Beispiel Hobbys, Schule, Arbeit. Und wenn sich die Person ständig mit dem Onlinespiel beschäftigt, eventuell auch Beziehungen vernachlässigt, dann muss man sich Sorgen machen, dann kann es in Richtung Sucht gehen."

Bei Suchtpatienten käme es zusätzlich zu einer Tag-Nacht-Umkehr. Nachts würde dann gespielt und tagsüber wären die Betroffenen dann ermüdet.

Darüber hatte auch der anoyme englische Profi berichtet, so habe er auch schon am Tag vor einem Spiel 16 Stunden am Stück vor der Konsole gesessen. Manchmal verpasse er wegen der langen Stunden vor dem Bildschirm sogar das Training. Wenn er von dort nach Hause komme, sei der Startknopf seiner Konsole das Erste, was er betätige.

Ein Gamer spielt "Fortnite" (AFP / Getty / Ethan Miller)"Fortnite" ist eines der beliebtesten Videospiele (AFP / Getty / Ethan Miller)

Im Leistungssport besonders kritisch

Gerade bei Leistungssportlern sei bei exzessivem Gaming die Leistungsfähigkeit am Tage extrem eingeschränkt. Möller zählte weitere Gefahren der virtuellen Spielsucht auf: "Das andere ist, wenn sie sich ständig mit einer anderen Sache beschäftigen, kann das auch die Leistungsfähigkeit einschränken. Und es kann sein, dass sie im Onlinespiel mehr Belohnung erfahren als im normalen Leben oder im realen Sport." Auch das könne zu einem massiven Problem werden, ergänzte Möller.

Die Dosis macht das Gift

Man solle das Computerspiel aber nicht per se verteufeln, weil "Sport im Leistungsbereich mit extremen Anforderungen verbunden ist und einen extremen Druck ausübt. Und da kann es für manche ein Ventil sein, sich andere Bereiche zu suchen, wo sie eine schnelle Belohnung bekommen."

"Fortnite" ist ein Multiplayer-Spiel, bei dem die Spieler auf einer Insel abgesetzt werden und in kleinen Teams gegeneinander kämpfen - das letzte überlebende Team gewinnt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk