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StartseiteCorsoVerwirrende Reise in der Limo durch LA02.11.2015

Oper "Hopscotch"Verwirrende Reise in der Limo durch LA

In 24 Limousinen, die durch Los Angeles fahren, spielt sich hinter verdunkelten Scheiben eine Oper ab - eine mobile Oper: "Hopscotch". Das amerikanische Wort für das Hüpfspiel "Himmel und Hölle". In der Inszenierung vom Liebling der Opern-Avantgarde der Stadt, Yuval Sharon, geht es um Unterwelt und Träume, um Liebe und Verlust. Es ist ein Opern-Experiment.

Von Kerstin Zilm

Limosinen prägen das Stadtbild von Hairatan (Jürgen Webermann)
Insgesamt gibt es drei unterschiedliche Operntouren durch die Stadt Los Angeles. (Jürgen Webermann)
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"Hopscotch" in L.A. Die fahrende Oper

Am Treffpunkt mitten in Downtown Los Angeles erklärt eine Assistentin noch die "Hopscotch"-Regeln, da geht die mobile Oper auch schon los.

"Welcome to the lab. Two on one side, one on the other please."

Vier Zuschauer sinken in die Ledersitze der schwarzen Limousine am Straßenrand. Lila Licht, verdunkelte Scheibe, ein Smartphone filmt Publikum und Sänger, der plötzlich einsteigt.

"Doctor Jameson, they are ready for you."

Zum Anfassen nah sitzt er im weißen Kittel neben den Opernbesuchern.

Baustellen, Straßencafés und der blaue Himmel zwischen Wolkenkratzern werden zur Kulisse. Die Karosse dämpft die Großstadtgeräusche von der Straße. Die Limousine hält vor einem alten Theater. Ein schwarz gekleideter Mann mit weißen Handschuhen weist auf den Seiteneingang. Er drückt einem Zuschauer eine Kamera in die Hand.

"Watch your step. Chapter 31."

Eine Sängerin in gelbem Sommerkleid geht die Stufen hinauf zur Empore. Der Blick fällt hinab zum Sänger in goldenem Gewand auf der Bühne.

Die weißen Handschuhe leiten zum Ausgang - eine Feuertreppe.

Das sind zwei von acht Kapiteln einer Strecke von Hopscotch. Insgesamt gibt es drei unterschiedliche Operntouren durch die Stadt. Alle führen durch Downtown und den Ostteil von Los Angeles. Zuschauer erleben eine moderne Version des Mythos von Orpheus und Eurydike, eine Geschichte von Liebe und Verlust, von Alltag und Unterwelt. Sie kennen weder das Ziel noch den Weg. Perfekt, sagt "Hopscotch"-Regisseur Yuval Sharon:

"So viele Unsicherheiten wie möglich ist eigentlich das Ziel. Sobald man unsicher ist, beobachtet man alles mit ganz anderen Augen und mit ganz anderen Ohren. Und dann sieht man die Stadt hoffentlich wie man die Stadt nie vorher gesehen hat."

Auf Trapezkunst zwischen Nebelschwaden folgen ein Dialog auf menschenleerer Straße, Oper, Jazz und Folklore im ausgetrockneten Flussbett und auf Parkhausdächern.

Dazwischen vorbeirasende Projektionen auf eine Tunnelwand und intime Limousinen-Szenen: Arien schmetternde Sopranistinnen, Melodien trällernde Sänger, Trommelsolo, Akkordeon, eine E-Gitarre.

Die Zuschauer ständig in Bewegung, begeistert und verwirrt.

Wer Tickets für alle drei Strecken bekommt, erlebt Los Angeles aus vielen ungewohnten Perspektiven – und trotzdem nicht die gesamte Geschichte. Manche Kapitel gibt es nur als Zeichentrick auf der "Hopscotch"-Website. Staus und Straßensperren, Wetter und Laufgeschwindigkeit verändern jede dieser ungewöhnlichen Opernvorstellungen.

Smartphone-Kameras übertragen das Geschehen in eine Zentrale, eine luftige Holzkonstruktion mit 24 Bildschirmen. Eintritt hier ist kostenlos. Inklusive Finale.

Zwischen Sängern, Tänzern und Zuschauern, die aus ihren Limousinen aussteigenden, steht Regisseur Yuval Sharon. Er hat genau das unberechenbare Abenteuer geschaffen, das für ihn der Reiz an Oper ist.

Leicht benommen setzen die Zuschauer im Geist die Geschichte zusammen. Im Moment wirkt alles noch wie ein Traum.

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