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StartseiteCorsoGesang und Gezapftes 13.11.2015

Opera on TapGesang und Gezapftes

Ein Opernabend in einer Kneipe, ohne drei Stunden stillzusitzen, in lockerer Kleidung und mit einem frisch gezapften Bier – das ist "Opera on Tap". In Berlin gibt es das zweimal im Monat. Die Idee aber stammt aus den USA. Und dabei geht es um mehr, als nur seichte Unterhaltung.

Von Gesine Kühne

Eine Bedienung trägt am 29.10.2013 in Erfurt (Thüringen) in einem Lokal ein Tablett mit Bier. Der Mindestlohn gilt auch im Hotel- und Gaststättengewerbe. (dpa / Marc Tirl)
Ein Bier und dazu etwas Opern-Gesang? (dpa / Marc Tirl)

Ein Raum so geräumig wie eine Turnhalle, hohe Decken, große Fenster. Das ist das Café Prachtwerk mitten in Neukölln. An den Wänden hängen abstrakte Bilder, eine kleine Bühne gibt es auch. Alle Stühle, die aussehen, als stammen sie von unterschiedlichsten Flohmärkten, sind an diesem Dienstagabend besetzt. Die Blicke der Gäste sind auf die bunt beleuchtete Bühne gerichtet. Zwei junge Frauen betreten das gemütliche Set. Sarah Ring und Anne Byrne. Zwei Amerikanerinnen in Berlin, genauer gesagt, zwei amerikanische Opernsängerinnen in Berlin.

"Viel Spaß bei Opera on Tap."

"Opera on Tap" - so heißt die etwas andere Open-Mic-Veranstaltung. Und sie bietet genau das, was ihr Name verspricht: Oper vom Fass - Arien-Häppchen garniert mit frisch Gezapftem. "Es waren viele, junge Sänger, die sagen, wir haben nicht genug Gelegenheit und wie können wir mehr Oper singen?!" Die 28-jährige Anne Byrne erzählt von den Anfängen der Veranstaltung. "Opera on Tap" kommt aus den Staaten. Schon vor zehn Jahren stellen sich junge Künstler auf eine kleine Bühne in einer New Yorker Bar, um einfach das zu präsentieren, was sie können und lieben: Singen.

Schnell feierte das Konzept in den USA Erfolge. 15 weitere sogenannte "Chapter" - Ortsverbände - kommen hinzu. Die Macherinnen des Berliner Ablegers traten schon in Boston und Detroit auf. Seit Anfang des Jahres nun auch in Berlin. Und geben mit "Opera on Tap" anderen Sängern die Chance, ihre Stimmstärke außerhalb der drei Berliner Opernhäuser zu präsentieren.

Brendan Sliger ist Tenor. Er singt an diesem Abend zum ersten Mal bei "Opera on Tap". Etwas von Jaques Offenbach. Eine Freundin hatte ihn zur letzten Veranstaltung mitgenommen, so lernte er die Macherinnen kennen. Und genau so funktioniert die Sängerverpflichtung: Kein Vorsingen, keine großen Gagen, Mund-zu-Mund-Propaganda und letztlich lockt der Spaß, der beim Arienvortragen in lockeren Klamotten aufkommt.

"Oper ist sehr intensiv und wir müssen üben und perfekt sein. Und wir haben so viele Vorsingen und alle sagen 'nein'. Es ist sehr leicht zu vergessen, wie viel Spaß wir haben können, wenn wir singen."

Jeder Gesangsbeitrag ist an diesem Abend zwischen vier und sieben Minuten lang. Es wird kurzweilig moderiert, es gibt kleine Geschichten rund um die Oper, aus der vorgesungen wird. Eine perfekte Unterhaltungsshow. Irgendwie passend zur schnelllebigen Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne so lang ist wie ein Popsong im Radio.

Zuschauer Christoph Alms hofft, dass das schnelle Format nicht die klassische Oper ablöst. "Eine super Möglichkeit, einen Zugang zu finden. Coole Idee, super Beiträge vom Gesanglichen her, aber auch das Ungezwungene. In einem ungezwungenen Rahmen, ohne hochgeknöpft zu sein, einfach mal Oper und Kunst noch Leuten näher zu bringen und das auch noch auf einer humoristischen Ebene, das fand ich ziemlich gelungen."

"Opera on Tap" soll tatsächlich nicht nur Spaß für die Sänger sein, sondern ein Anreiz für den Zuschauer, vielleicht doch mal in eine Oper zu gehen. Die Arien-Häppchen sind also durchaus auch Hochkultur-Appetithäppchen. Davon gibt es an diesem Abend zehn Stück. Nicht mal zwei Stunden dauert es insgesamt. Inklusive Pause und Applaus.

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