Die israelische Öffentlichkeit tut sich schwer damit, an den militanten Siedlern offen Kritik zu üben. Das Siedlungsnetz ist kaum noch Thema für die Medien im Land und wird eigentlich nur noch von Menschenrechtsorganisationen überwacht. Auch die Geschichte der Siedlerbewegung und ihres Erfolgs ist bislang kaum systematisch beleuchtet worden. Doch nun haben die israelische Geschichtsprofessorin Idit Zartal und der "Haaretz"-Journalist Akiva Eldar eine neue Studie zum Thema Siedlerbewegung vorgelegt, die die israelische Öffentlichkeit spaltet. Allein schon der Titel "Die Herren des Landes. Die Siedler und der israelische Staat 1967-2004" birgt Zündstoff.
Im Grunde hatte alles ganz harmlos angefangen, nämlich damit, dass ein kleiner Kreis von militanten Nationalreligiösen sich im Frühjahr 1968 in die gerade besetzte Stadt Hebron aufmachte und die israelische Militärbesatzung um Erlaubnis bat, dort das jüdische Pessach-Fest zu feiern. Der Oberbefehlshaber vor Ort willigte ein: Welcher jüdische General wollte in der damaligen euphorischen Stimmung Juden schon so etwas verbieten? Diese unterschwellige Akzeptanz nutzten die Siedler sogleich aus und verkündeten nach der Feier schlichtweg, dass sie bleiben würden. Die damals regierenden Sozialdemokraten hatten ebenfalls Scheu davor, mit Gewalt Juden aus Hebron zu evakuieren und ließen die militanten Frommen dort in einer Militärkaserne wohnen. Vollendete Tatsachen zu schaffen, die die unentschlossenen Politiker schließlich akzeptierten, war von nun an die Devise der Siedler. Sie verstanden es von Anfang an, in den oberen Chargen des Militärs und der israelischen Politik einzelne Personen gegeneinander auszuspielen und so Sympathisanten zu gewinnen, die hier eine Sondergenehmigung erteilten oder da palästinensischen Boden für angeblich militärische Zwecke konfiszieren ließen. Zu den Unterstützern der Besiedlung gehörte etwa auch Shimon Peres, der heute als Friedenskämpfer gilt. Er war es, der 1975 die erste Siedlung nördlich von Ramallah ermöglichte, indem er Siedler als Bausubunternehmer an Bauarbeiten des Militärs beteiligte – so wurde aus einer Baustelle schon bald die Siedlung Ofra.
Die These der Autoren illustriert in gewisser Weise ein bei der militanten Linken Israels inzwischen geflügeltes Wort, das besagt, die Siedler hätten die israelische Gesellschaft mittlerweile zur Geisel gemacht. Die These der Autoren dürfte nur schwer widerlegbar sein: Die Siedlerbewegung hat es seit 1967 mit viel politischem Geschick tatsächlich vermocht, die israelische Politik nachhaltig zu beeinflussen. Sie hat sukzessive an Macht gewonnen und bildet mittlerweile eine Art Staat im Staat – nicht nur auf Kosten der Palästinenser, denen immer mehr Boden geraubt wird, sondern auch zu Lasten der restlichen israelischen Gesellschaft: Sie muss die enormen Kosten tragen, die die Siedlungen verursachen.
Die Buchautoren Zartal und Eldar liefern eine plausible Erklärung dafür, weshalb schon im ersten Stadium die Politik vor den Siedlern kapitulierte. Die alternden Politiker der Arbeitspartei waren von den jungen und idealistischen Eiferern nicht zuletzt deshalb fasziniert, weil sie sich in ihnen wiedererkannten, waren die alten Herren doch einst selbst vom zionistischen Ideal der Besiedlung des ganzen Heiligen Landes beseelt gewesen. Hier waren also nicht nur die hartnäckige Lobbyarbeit und die geschickte Medienmanipulation der Siedler am Werk, sondern auch die geteilte Seele Israels: In der Brust eines jeden Israeli, egal ob rechts oder links, so ist dem Buch zu entnehmen, pocht ein Siedlerherz.
Dies offenbart sich nicht zuletzt auch in dem Streit um das Buch. Die Autoren werden von Siedlerkreisen als linke Nestbeschmutzer verunglimpft, das ultranationale Blatt "Makor Rishon" nannte das Buch eine "Hetzschrift". Von böswilliger Manipulation ist hier die Rede und davon, dass sich die linken Autoren selbst als die eigentlichen "Herren des Landes" vorkämen und auf die angeblich von einem messianischen Wahn befallenenen Siedler herabschauten. Doch auch in gemäßigten Kreisen, wo das Buch auch Lob erntet, nimmt man die Siedlerbewegung in Schutz: Mehrere israelische Kommentatoren werfen den Buchautoren vor, die Siedler pauschal zu verteufeln; ein Vorwurf, den das gründlich recherchierte Buch keineswegs rechtfertigt.
Im Grunde hatte alles ganz harmlos angefangen, nämlich damit, dass ein kleiner Kreis von militanten Nationalreligiösen sich im Frühjahr 1968 in die gerade besetzte Stadt Hebron aufmachte und die israelische Militärbesatzung um Erlaubnis bat, dort das jüdische Pessach-Fest zu feiern. Der Oberbefehlshaber vor Ort willigte ein: Welcher jüdische General wollte in der damaligen euphorischen Stimmung Juden schon so etwas verbieten? Diese unterschwellige Akzeptanz nutzten die Siedler sogleich aus und verkündeten nach der Feier schlichtweg, dass sie bleiben würden. Die damals regierenden Sozialdemokraten hatten ebenfalls Scheu davor, mit Gewalt Juden aus Hebron zu evakuieren und ließen die militanten Frommen dort in einer Militärkaserne wohnen. Vollendete Tatsachen zu schaffen, die die unentschlossenen Politiker schließlich akzeptierten, war von nun an die Devise der Siedler. Sie verstanden es von Anfang an, in den oberen Chargen des Militärs und der israelischen Politik einzelne Personen gegeneinander auszuspielen und so Sympathisanten zu gewinnen, die hier eine Sondergenehmigung erteilten oder da palästinensischen Boden für angeblich militärische Zwecke konfiszieren ließen. Zu den Unterstützern der Besiedlung gehörte etwa auch Shimon Peres, der heute als Friedenskämpfer gilt. Er war es, der 1975 die erste Siedlung nördlich von Ramallah ermöglichte, indem er Siedler als Bausubunternehmer an Bauarbeiten des Militärs beteiligte – so wurde aus einer Baustelle schon bald die Siedlung Ofra.
Die These der Autoren illustriert in gewisser Weise ein bei der militanten Linken Israels inzwischen geflügeltes Wort, das besagt, die Siedler hätten die israelische Gesellschaft mittlerweile zur Geisel gemacht. Die These der Autoren dürfte nur schwer widerlegbar sein: Die Siedlerbewegung hat es seit 1967 mit viel politischem Geschick tatsächlich vermocht, die israelische Politik nachhaltig zu beeinflussen. Sie hat sukzessive an Macht gewonnen und bildet mittlerweile eine Art Staat im Staat – nicht nur auf Kosten der Palästinenser, denen immer mehr Boden geraubt wird, sondern auch zu Lasten der restlichen israelischen Gesellschaft: Sie muss die enormen Kosten tragen, die die Siedlungen verursachen.
Die Buchautoren Zartal und Eldar liefern eine plausible Erklärung dafür, weshalb schon im ersten Stadium die Politik vor den Siedlern kapitulierte. Die alternden Politiker der Arbeitspartei waren von den jungen und idealistischen Eiferern nicht zuletzt deshalb fasziniert, weil sie sich in ihnen wiedererkannten, waren die alten Herren doch einst selbst vom zionistischen Ideal der Besiedlung des ganzen Heiligen Landes beseelt gewesen. Hier waren also nicht nur die hartnäckige Lobbyarbeit und die geschickte Medienmanipulation der Siedler am Werk, sondern auch die geteilte Seele Israels: In der Brust eines jeden Israeli, egal ob rechts oder links, so ist dem Buch zu entnehmen, pocht ein Siedlerherz.
Dies offenbart sich nicht zuletzt auch in dem Streit um das Buch. Die Autoren werden von Siedlerkreisen als linke Nestbeschmutzer verunglimpft, das ultranationale Blatt "Makor Rishon" nannte das Buch eine "Hetzschrift". Von böswilliger Manipulation ist hier die Rede und davon, dass sich die linken Autoren selbst als die eigentlichen "Herren des Landes" vorkämen und auf die angeblich von einem messianischen Wahn befallenenen Siedler herabschauten. Doch auch in gemäßigten Kreisen, wo das Buch auch Lob erntet, nimmt man die Siedlerbewegung in Schutz: Mehrere israelische Kommentatoren werfen den Buchautoren vor, die Siedler pauschal zu verteufeln; ein Vorwurf, den das gründlich recherchierte Buch keineswegs rechtfertigt.