Mertens: Der Tarifabschluss ist noch nicht getätigt, das ist erst mal ein Vorschlag und es ist auch nicht adventliche Milde, sondern Real- und Sachpolitik. Wir wollen mit dem Vorschlag der vier Berliner Orchester, also der drei Opernorchester und des Berliner Symphonieorchesters, die Abwicklung von 52 Musikern der Berliner Symphoniker verhindern. Und wir sind der Meinung, dass hierzu, ich will nicht sagen, jedes Mittel Recht, aber doch viele Mittel Recht sind, denn dieses Orchester, die Berliner Symphoniker, setzen sich intensiv seit 30 Jahren für Kinder- und Jugend- und Schularbeit ein als Orchester und machen damit das, was jetzt die Orchester bundesweit gerade erst entdecken. Von daher sind wir der Meinung, hier muss wirklich was getan werden und deswegen diese große Solidarität unter den vier Berliner Orchestern.
Schossig: Herr Mertens, gut, die Solidaritätsadresse ist das eine, das andere ist die öffentliche Kritik, die Ihnen auch entgegengetreten ist. Die öffentlichen Kommunen haben kein Geld, die Kulturhaushalte sind klamm, in Berlin zumal. Es hat Verärgerung gegeben über eine Kritik der Kulturstaatsministerin, die von Verwöhnlandschaften unter den Berliner Opern gesprochen hat. Lenken Sie mit diesem Abschluss, den Sie anstreben, auf diese Kritik ein?
Mertens: Nein, weil das, was Frau Weiß gesagt hat und auch veröffentlicht hat, ist aus meiner Sicht, ich kann das nur wiederholen, Populismus. Denn, wenn Sie gerade die Berliner Situation sehen, hier sind ja seit 1990 ein Drittel aller Stellen für Berufsmusiker abgebaut worden. Wir sind jetzt gerade bei 924 Stellen, die wir hier noch haben für Berufsmusiker, wir hatten ursprünglich einmal etwa 1300. Das ist vor diesem Hintergrund, wo Orchester abgebaut werden, wo Orchester verkleinert werden, wo auch Verzicht auch andernorts geleistet wird, zu sagen, es gibt eine weltfremde Verwöhnlandschaft, das finde ich einfach daneben. Wir versuchen wirklich Arbeitsplätze und Orchesterstrukturen vor Ort zu erhalten, eben auch teilweise Verzichte hinnehmend und natürlich auch die sehr problematische Situation der öffentlichen Haushalte sehend, völlig klar.
Schossig: Aber, Privilegien müssen auch abgebaut werden in Zeiten, wo Sparen überall angesagt ist. Im öffentlichen Raum wird über Lockerung des Kündigungsschutzes gesprochen, solche Dinge. Ist das, noch mal gefragt, ein Einlenken, um sozusagen die Zahl der Beschäftigten zu halten und dann zu sagen, o.k., wir gehen jetzt mal rauf mit unseren Stunden? Denn das weiß ja inzwischen jeder, dass das schwer überprüfbar ist und teilweise nur sehr wenige Dienste abgeleistet wurden.
Mertens: Das ist sehr schwierig, jetzt in Kürze darzustellen. Ich sage einmal, Privilegien sind ja im Prinzip einseitige Begünstigungen und alles das, worüber hier gesprochen wird, sind Rechte und Pflichten in Tarifverträgen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben, das darf man nie vergessen. Hier hat ja nicht eine Gewerkschaft sich einseitig irgendetwas herausverhandelt, was jetzt völlig jenseits von Gut und Böse ist. Natürlich, die Zeiten werden schlechter und wir versuchen, durch Flexibilisierung, da werden wir uns demnächst auch wieder mit dem Deutschen Bühnenverein an einem Tisch setzten, diesen geänderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. Das hätten wir aber auch ohne die Sottisen der Staatsministerin gemacht, weil das einfach die Zeichen der Zeit sind. Wir sind uns durchaus der Situation und der schwierigen Situation bewusst und werden auch versuchen, dort das zu machen, in den Orchestern, in den Opernhäusern, diese spielfähig zu erhalten. Und das Eine oder Andere, was da vielleicht noch klemmt, dann auch noch zu beseitigen.
Schossig: Sie sehen das als einen ersten großen Rettungsschritt an. Was denken Sie, welche weiteren werden dem wohl folgen?
Mertens: Im Moment ist das natürlich eine Abwehrsituation, dass man sagt, wir wollen hier ganz konkret 52 Arbeitsplätze erhalten und vollziehen ja mit den anderen Orchestern das nach in Berlin, was hier der Öffentliche Dienst, sprich verdi vorgemacht hat, nur wenn Sie den verdi-Abschluss im Land Berlin umsetzen würden, dann hieße das, dass die Opernhäuser einen ganzen Monat dichtmachen müssen. Und das wollen wir eben nicht, sondern wir wollen die spielen lassen, das heißt wir wollen einen moderaten, einen modifizierten Abschluss, der dann auch eine Einsparung bringt und genau die Einsparung soll den Symphonikern helfen. Und bundesweit kann man diese Diskussion so pauschal gar nicht führen, weil wir die Kulturhoheit der Länder haben. Da sieht die Situation in Bayern, wo beispielsweise Nürnberg gerade zum Staatstheater gemacht wurde oder die Bamberger zur Staatsphilharmonie erhoben wurden, wo es also immer noch nach vorne geht im Vergleich zu anderen Ländern, beispielsweise Thüringen, wo es sehr große Einschnitte gegeben hat und auch nach wie vor noch geben wird, das muss man unterscheiden und da versuchen wir dann passgerecht in den einzelnen Ländern auch zu reagieren.
Schossig: Diese zwölf Prozent, die da im Raum stehen, die klingen sehr gut, zumal sie zweistellig sind. Erklären Sie uns kurz, wo draus sich das zusammensetzt.
Mertens: Diese zwölf Prozent sind eine definitive Vergütungsabsenkung, das heißt es wird der Tarifabschluss des Öffentlichen Dienstes, der ja in diesem Jahr mit 2,4 Prozent ausgefallen ist, draufgesattelt, dann sind sie sozusagen bei 102,4 Prozent. Und von diesen 102,4 Prozent werden dann definitiv zwölf Prozent abgezogen und wenn sie das bei vier Orchestern machen, dann kommt da eine Einspaarsumme von 3,1 Millionen raus.
Schossig: Herr Mertens, gut, die Solidaritätsadresse ist das eine, das andere ist die öffentliche Kritik, die Ihnen auch entgegengetreten ist. Die öffentlichen Kommunen haben kein Geld, die Kulturhaushalte sind klamm, in Berlin zumal. Es hat Verärgerung gegeben über eine Kritik der Kulturstaatsministerin, die von Verwöhnlandschaften unter den Berliner Opern gesprochen hat. Lenken Sie mit diesem Abschluss, den Sie anstreben, auf diese Kritik ein?
Mertens: Nein, weil das, was Frau Weiß gesagt hat und auch veröffentlicht hat, ist aus meiner Sicht, ich kann das nur wiederholen, Populismus. Denn, wenn Sie gerade die Berliner Situation sehen, hier sind ja seit 1990 ein Drittel aller Stellen für Berufsmusiker abgebaut worden. Wir sind jetzt gerade bei 924 Stellen, die wir hier noch haben für Berufsmusiker, wir hatten ursprünglich einmal etwa 1300. Das ist vor diesem Hintergrund, wo Orchester abgebaut werden, wo Orchester verkleinert werden, wo auch Verzicht auch andernorts geleistet wird, zu sagen, es gibt eine weltfremde Verwöhnlandschaft, das finde ich einfach daneben. Wir versuchen wirklich Arbeitsplätze und Orchesterstrukturen vor Ort zu erhalten, eben auch teilweise Verzichte hinnehmend und natürlich auch die sehr problematische Situation der öffentlichen Haushalte sehend, völlig klar.
Schossig: Aber, Privilegien müssen auch abgebaut werden in Zeiten, wo Sparen überall angesagt ist. Im öffentlichen Raum wird über Lockerung des Kündigungsschutzes gesprochen, solche Dinge. Ist das, noch mal gefragt, ein Einlenken, um sozusagen die Zahl der Beschäftigten zu halten und dann zu sagen, o.k., wir gehen jetzt mal rauf mit unseren Stunden? Denn das weiß ja inzwischen jeder, dass das schwer überprüfbar ist und teilweise nur sehr wenige Dienste abgeleistet wurden.
Mertens: Das ist sehr schwierig, jetzt in Kürze darzustellen. Ich sage einmal, Privilegien sind ja im Prinzip einseitige Begünstigungen und alles das, worüber hier gesprochen wird, sind Rechte und Pflichten in Tarifverträgen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben, das darf man nie vergessen. Hier hat ja nicht eine Gewerkschaft sich einseitig irgendetwas herausverhandelt, was jetzt völlig jenseits von Gut und Böse ist. Natürlich, die Zeiten werden schlechter und wir versuchen, durch Flexibilisierung, da werden wir uns demnächst auch wieder mit dem Deutschen Bühnenverein an einem Tisch setzten, diesen geänderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. Das hätten wir aber auch ohne die Sottisen der Staatsministerin gemacht, weil das einfach die Zeichen der Zeit sind. Wir sind uns durchaus der Situation und der schwierigen Situation bewusst und werden auch versuchen, dort das zu machen, in den Orchestern, in den Opernhäusern, diese spielfähig zu erhalten. Und das Eine oder Andere, was da vielleicht noch klemmt, dann auch noch zu beseitigen.
Schossig: Sie sehen das als einen ersten großen Rettungsschritt an. Was denken Sie, welche weiteren werden dem wohl folgen?
Mertens: Im Moment ist das natürlich eine Abwehrsituation, dass man sagt, wir wollen hier ganz konkret 52 Arbeitsplätze erhalten und vollziehen ja mit den anderen Orchestern das nach in Berlin, was hier der Öffentliche Dienst, sprich verdi vorgemacht hat, nur wenn Sie den verdi-Abschluss im Land Berlin umsetzen würden, dann hieße das, dass die Opernhäuser einen ganzen Monat dichtmachen müssen. Und das wollen wir eben nicht, sondern wir wollen die spielen lassen, das heißt wir wollen einen moderaten, einen modifizierten Abschluss, der dann auch eine Einsparung bringt und genau die Einsparung soll den Symphonikern helfen. Und bundesweit kann man diese Diskussion so pauschal gar nicht führen, weil wir die Kulturhoheit der Länder haben. Da sieht die Situation in Bayern, wo beispielsweise Nürnberg gerade zum Staatstheater gemacht wurde oder die Bamberger zur Staatsphilharmonie erhoben wurden, wo es also immer noch nach vorne geht im Vergleich zu anderen Ländern, beispielsweise Thüringen, wo es sehr große Einschnitte gegeben hat und auch nach wie vor noch geben wird, das muss man unterscheiden und da versuchen wir dann passgerecht in den einzelnen Ländern auch zu reagieren.
Schossig: Diese zwölf Prozent, die da im Raum stehen, die klingen sehr gut, zumal sie zweistellig sind. Erklären Sie uns kurz, wo draus sich das zusammensetzt.
Mertens: Diese zwölf Prozent sind eine definitive Vergütungsabsenkung, das heißt es wird der Tarifabschluss des Öffentlichen Dienstes, der ja in diesem Jahr mit 2,4 Prozent ausgefallen ist, draufgesattelt, dann sind sie sozusagen bei 102,4 Prozent. Und von diesen 102,4 Prozent werden dann definitiv zwölf Prozent abgezogen und wenn sie das bei vier Orchestern machen, dann kommt da eine Einspaarsumme von 3,1 Millionen raus.