Untersuchung
Organisationen warnen vor Pestiziden in konventionellem Kaffee

Konventioneller Kaffee in Deutschland ist einer Untersuchung zufolge in vielen Fällen mit verbotenen Pestiziden belastet. Mehrere Nichtregierungsorganisationen warnen vor Folgen für Mensch und Natur.

    Ein Arbeiter sortiert Kaffeebohnen auf einer grossen Plastikplane auf dem Boden in Vietnam
    Untersuchung: "Verbotene Pestizide in jeder fünften Tasse Kaffee" (picture alliance / Photoshot / Xinhua / Xuan Long)
    In dem Bericht der Deutschen Umwelthilfe, Coffee Watch, dem Inkota-Netzwerk und dem Pesticide Action Network UK heißt es, insgesamt 159 Pestizidwirkstoffe würden in der Kaffeeproduktion eingesetzt, 59 Prozent davon seien in der Europäischen Union verboten.
    Die Substanzen kommen demnach vor allem in Anbauländern zum Einsatz und gefährden dort Mensch und Natur. Über globale Lieferketten gelangten sie schließlich auch nach Deutschland. So enthalte im Schnitt etwa jede fünfte Tasse Kaffee giftige Pestizidrückstände. Die eingesetzten Mittel stünden nachweislich im Zusammenhang mit Gesundheitsschäden wie Krebs oder Fortpflanzungsproblemen.

    Pestizideinsatz in Vietnam mehr als verdreifacht

    Die Autoren des Berichts haben eigenen Angaben zufolge wissenschaftliche Literatur, öffentliche Daten und Feldforschung aus Brasilien, Vietnam, Kenia, Kolumbien und weiteren Anbaugebieten zusammengefasst. Allein in Brasilien wurden demnach im Jahr 2015 rund 19,8 Millionen Liter Pestizide im Kaffeeanbau eingesetzt und damit mehr als beim Anbau von Mais oder Soja. In Vietnam habe sich der Pestizideinsatz in 25 Jahren mehr als verdreifacht und in Kenia entfielen 27 Prozent des gesamten Pestizideinsatzes auf Kaffee, obwohl dieser weniger als 1 Prozent der Anbaufläche im Land einnehme.
    Die Deutsche Umwelthilfe, als einer der Herausgeber des Berichts, fordert, den Export von in Deutschland verbotenen Pestiziden schnellstmöglich zu stoppen. Außerdem sollten deutsche Unternehmen Landwirte in den Anbaugebieten beim pestizidfreien und nachhaltigen Umbau ihrer Plantagen unterstützen.
    Diese Nachricht wurde am 25.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.