Orgelkonzert mit Iveta ApkalnaAlle Emotionsregister ziehen

Iveta Apkalna ist derzeit wohl Europas bekannteste Organistin. Mit ihren Konzerten schafft sie besondere Erlebnisse, indem sie alte Musik neben neue stellt. Beim Rheingau Musikfestival schreitet sie mit Bach, Liszt und Vasks durch emotionale Tiefen und Höhen.

Am Mikrofon: Niklas Rudolph | 14.11.2021

Die Hände von Iveta Apkalna spielen auf verschiedenen Tabulaturen, den übereinander liegenden Tastaturen der Orgel.
Das Klavier, das Iveta Apkalna zuerst erlernte, besitzt nur eine Klaviatur im Gegensatz zur Orgel, die auch noch Fußpedale zum Spielen bietet. (Ko-Cheng Lin)
Iveta Apkalna ist deutschlandweit bekannt. Ihr kam die Ehre zu, die große Orgel in der Elbphilharmonie einzuweihen. Sie ist dort die Titularorganistin, also die Hausorganistin, das heißt sie kennt dieses Instrument so gut wie kein anderer Organist. Und doch ist sie in ganz Deutschland unterwegs für Konzerte, wie Anfang September in der Ringkirche von Wiesbaden.
Die Orgel vor Ort ist ein echter Glücksfall, denn sie ist mittlerweile wieder so hergerichtet, wie sie vor mehr als hundert Jahren in der Kirche aufgestellt worden war.
Rückbau zum Original
Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich das sinfonische Klangideal geändert: sollten die Orgeln zuvor satt und romantisch volltönend sein, wollte man bei den Orgeln wieder einen schlankeren, transparenteren und schlichteren Klang. So schreckte man auch nicht davor zurück, reihenweise historische Register auszutauschen. Dieser sogenannten Orgelbewegung fielen zahlreiche historische Instrumente zum Opfer.
Erst in den letzten zwanzig Jahren hat man viele dieser Bausünden mit viel Geld wieder beheben können. Seit etwa einem Jahr ist die Walcker-Orgel der Ringkirche wieder mit ihrem warmen-sinfonischen Klang zu hören.
Iveta Apkalna steht in einem weißen Kleid auf einer Empore vor großen Orgelpfeifen. 
Iveta Apkalna stammt aus einer lettischen Organistenfamilie. (imago / Xinhua)
Iveta Apkalna lässt diesen Klang strahlen unter anderem mit Franz Liszts "Nun danket alle Gott", aber auch mit den Kompositionen von Pēteris Vaks, der immer wieder für die Königin der Instrumente komponiert.

Ein Klanggemälde unserer Welt

Der Grundgedanke bei "Musica seria" ist, wie bei fast allen seinen Kompositionen, die menschliche Auseinandersetzung mit der Schöpfung: da prallt die Schönheit der Natur auf ihre Zerstörung durch den Menschen.
Dieses Werk kostet wie viele seiner Kompositionen die Klangvielfalt einer jeden Orgel aus. Mal zeigt Vaks die intim zurückgenommene Seite des Instrumentes, mal entlässt er gewaltige Akkorde in den Raum.
Aufnahme vom 1. September 2021 aus der Ringkirche in Wiesbaden
Aivars Kalejs
Toccata über "Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr"
Johann Sebastian Bach
Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564
Pēteris Vasks
Musica seria
Johann Sebastian Bach
Ricercar à 6 c-moll aus: "Musikalisches Oper" BWV 1079
Franz Liszt
Choral "Nun danket alle Gott"
Pēteris Vasks
Hymnus (Iveta Apkalna gewidmet)
Iveta Apkalna, Walcker-Orgel