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StartseiteCorsoÜber die Sehnsucht, auszubrechen22.07.2017

"Out In The Storm" der US-Band WaxahatcheeÜber die Sehnsucht, auszubrechen

Ihre ersten musikalischen Schritte hat die US-amerikanische Musikerin Katie Crutchfield mit ihrer Zwillingsschwester Allison unter dem Punk-Bandnamen P.S. Eliot gemacht. Heute heißt die Band Waxahatchee - und nicht nur ihr Name, auch ihre Musik hat sich verändert.

Von Diviam Hoffmann

Die Schwestern Katie und Allison Crutchfield auf dem Vulture Festival in New York Cityam 21. Mai 2017. (imago / ZUMA Press)
Die Schwestern Katie (l) und Allison Crutchfield (r). (imago / ZUMA Press)
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"Das ist das Magische am Songschreiben. Bei mir kommt immer alles aus bestimmten, total persönlichen Erfahrungen. Aber mein Verhältnis zu den Songs verändert sich über die Zeit und sie bekommen neue Bedeutungen. Sie passen eigentlich zu vielen Situationen in meinem Leben."

Die US-amerikanische Musikerin Katie Crutchfield alias Waxahatchee schreibt seit 15 Jahren Songs. Erst mit der Band P.S. Eliot, seit sieben Jahren solo. Die 27-Jährige besingt auf ihrem neuesten Album das Ende einer Beziehung: Die Welt dreht sich weiter, während man sich fühlt, als würde sich alles in Luft auflösen. "Out in the Storm" heißt ihre neue, vierte Platte.

Waxahatchees Texte sind fast schon schmerzhaft offenherzig. Die Musik dazu ist mal introvertiert und intim, mal laut und schreiend. Auf "Out in the Storm" geht es um die Sehnsucht auszubrechen, die Sehnsucht danach, man selbst zu sein.

Emotional und musikalisch eng verbunden

Man selbst zu sein – das heißt, zu wissen, wer man ist. Themen, die hier eine Frau Ende 20 beschäftigen – und nicht etwa eine Heranwachsende. Eine Musikerin, die diese Themen bereits in drei offenen und kraftvollen Alben behandelt hat. Waxahatchee besingt den Moment, in dem man sich die Frage, wer man sein möchte, noch einmal stellt. In ihrem Fall nach einer fiesen Trennung.

"A lot of the songs are about that same relationship and that relationship ending. I didn't like myself very much in that way with that screen."

So wie sie sich während der Trennung gesehen hat, mochte sie sich nicht unbedingt, sagt Katie Crutchfield. Um sich selbst wieder richtig wahrzunehmen, brauchte sie die Perspektive ihrer Schwester. "I see myself through my sister's eyes" ist eine Zeile auf ihrem Album. Waxahatchee sieht: Ein glücklicheres und unbeschwertes Selbst. 

"In dieser Zeile geht es darum, seine Perspektive zu verändern und sich selbst anders wahrzunehmen. Ich habe viel Zeit mit meiner Schwester verbracht, wir haben viel gelacht und alles war gut. Ich habe mich dann selbst als diese fröhliche, gute Person gesehen. Sie hat mir geholfen, meinen Blick auf mich selbst etwas zu verändern."

Katie und Allison Crutchfield sind Zwillinge. Nicht nur äußerlich sieht Waxahatchee ihrer Schwester zum Verwechseln ähnlich. Auch emotional hat Katie Crutchfield in ihr einen Spiegel. Und nicht zuletzt ist auch ein großer Teil ihres musikalischen Lebens eng mit ihr verwoben. 

"She's on the new record, she's in my band. We have the best creative relationship of my whole life."

Kombination aus Punk und Pop

In den frühen 2000ern entdeckten Katie und Allison Crutchfield zusammen Punk-Musik: The Slits, X-Ray Spex, die Riot-Grrrl-Bewegung. Mit 14 gründen sie ihre erste eigene Band, ein Jahr später sind sie aus der Punk-Szene ihrer Heimatstadt Birmingham in Alabama nicht mehr wegzudenken. Aber: 

"It was like there was a lot of boys, there weren't like many women playing music. I first was very excited about it and inspired and then over the years we started to feel more and more alienated by that."

Fremd fühlte sich Waxahatchee in der Jungs-dominierten Musik-Szene in der 200.000-Einwohner-Stadt Birmingham. Auf Touren durch die USA lernte sie andere Musikerinnen kennen, fing an, sich in feministischen Kreisen zu bewegen. Als die gemeinsamen Bandprojekte mit ihrer Schwester endeten, machte Katie Crutchfield weiter Musik. Das Solo-Projekt "Waxahatchee" klingt poppiger als ihre Punk-Band zuvor.

In der Kombination von Punk und Pop entsteht ein Sound, der stark an 90er-Jahre-US-Indie erinnert. Mitverantwortlich dafür ist Ko-Gitarristin Katie Harkin, die zuletzt mit Sleater-Kinney auf Tour war. Und Produzent John Agnello, der Waxahatchee überzeugt hat, das Album live mit Band im Studio aufzunehmen. Das Helle ihrer Stimme bildet den Kontrast zur Kratzbürstigkeit der Gitarren. Und zur Bitterkeit ihrer Texte.

"I've always been into writing super poppy music that have really dark lyrics. That kind of contradiction has always appealed to me."

Ich habe immer super poppige Musik mit richtig dunklen Texten geschrieben, sagt Waxahatchee. Dieser Widerspruch reizt sie. Auch "Out in the Storm" baut genau diese Brücke. Harte und weiche Momente wechseln sich ab, musikalisch und textlich. Waxahatchee singt davon, sich zu verlieren und am Ende einer harten Zeit wieder aufzuleben. Denn: der Sturm, in dem sie sich auf ihrem neuen Album befindet, wird irgendwann auch wieder vorbei sein. 

"Referencing to a storm sort of implies that it's chaotic, but there's an ending to it. So there's almost something hopeful about it: The storm will end and every thing will be good again."

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