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Palliativmedizin
Leben vor dem Tod

"Wir können nichts mehr für Sie tun" - ein gefürchteter Satz, den Ärzte benutzen, wenn sie vor einer tödlichen Krankheit kapitulieren. Dabei stimmt er genau genommen gar nicht. Selbst wenn eine Heilung nicht mehr zu erwarten ist, kann die Medizin noch eine ganze Menge tun.

Von Lydia Heller | 06.04.2014
Die Palliativmedizin hat in der öffentlichen Wahrnehmung einen großen Aufschwung erlebt. Im Gegensatz zur kurativen Medizin hat sie nicht die Verlängerung des Lebens im Blick, sondern die Behandlung von Symptomen, die Linderung unangenehmer Nebenwirkungen und die Aufrechterhaltung der Lebensqualität. Nur – auf welchen Grundlagen, nach welchen Kriterien wird entschieden, wann das Ziel einer Behandlung nicht mehr die Heilung ist? Ist es gut, mit palliativen Maßnahmen schon früh zu beginnen, wie es etwa für die Begleitung psychischer Probleme bei schweren Krankheiten häufig empfohlen wird? Oder wäre dies gleichbedeutend mit "Aufgeben"?
Sollte man also lieber spät einsetzen - und damit riskieren, dass ein Patient mehr leidet, als nötig gewesen wäre? Kann sich eine begleitende palliativmedizinische Behandlung, wie jüngere Studien nahelegen, auch positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken? Wie wird die Balance zwischen kurativer und palliativer Versorgung hergestellt, wie werden Kosten und Nutzen abgewogen und wer sollte in Entscheidungen einbezogen werden?
Je stärker die Palliativmedizin an Bedeutung gewinnt, je höher die Anforderungen an eine breite und qualitativ hochwertige Versorgung werden, desto dringender müssen diese Fragen beantwortet werden. Tatsächlich beobachtet Lydia Heller einen Wandel, der sich derzeit in der Palliativversorgung vollzieht: von einer Kunst - in eine Wissenschaft.
Manuskript zur Sendung
Leben vor dem Tod