Mittwoch, 01. Februar 2023

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Panafrikanische Universität
Wissenschaftliche Exzellenz als Entwicklungshilfe

Afrikanische Wissenschaft, Technologie und Hochschulbildung ausbauen und wettbewerbsfähiger machen - das ist das Ziel der Panafrikanischen Universität, einer Exzellenzinitiative der Afrikanischen Union. Zum Programm gehört der Austausch mit Hochschulen in aller Welt, jetzt war eine Studentengruppe zu Gast in Köln.

Von Helena Kaschel | 31.07.2015

    Gruppenfoto des ersten Studienjahrgangs des Instituts für Wasser- und Energiewissenschaften der Panafrikanischen Universität
    Gruppenfoto des ersten Studienjahrgangs des Instituts für Wasser- und Energiewissenschaften der Panafrikanischen Universität (Costa Belibasakis/FH Köln)
    Ein nagelneues Labor der Fachhochschule Köln. Überall stehen Bildschirme und horizontale Platten, in denen jede Menge Kabel stecken. Hier wird an Windkraftanalgen, Pumpspeicherwerken und intelligenten Stromnetzen gearbeitet. Mittendrin: Dozent Sergej Baum. Um ihn herum: ein Pulk von Studierenden. Sie alle kommen aus Afrika.
    Zwei Wochen sind sie hier an der Fachhochschule zu Besuch, die Studierenden des Instituts für Wasser und Energie der Panafrikanischen Universität, kurz PAUWES. Die jungen Afrikaner besuchen Workshops, sammeln praktische Laborerfahrung, nehmen an einer Summerschool und an Exkursionen im Rheinland teil.
    Einer von ihnen ist Paul Nduhuura aus Uganda. Er hat seinen Bachelor in industrieller Chemie absolviert. Jetzt studiert er Energiewissenschaft, um seinem Land zu helfen:
    "In meinem Heimatland Uganda ist der Zugang zu Energiequellen schon lange sehr beschränkt. Die Elektrifizierungsrate zum Beispiel liegt nur bei 15 Prozent. Für junge Menschen ist das eine Gelegenheit, neue Ideen und Lösungen zu entwickeln. Es gibt einen Bedarf, Energie ist ja auch wichtig für die sozioökonomische Entwicklung. Deshalb sehe ich das als Möglichkeit, einen Beitrag für mein Land zu leisten."
    Besonders begabte Studierende fördern
    Die Panafrikanische Universität ist keine normale Hochschule. Sie ist als Netzwerkuniversität mit internationalen Partnern angelegt und ist eine Art Exzellenzinitiative der Afrikanischen Union. Das langfristige Ziel: afrikanische Wissenschaft, Technologie und Hochschulbildung ausbauen und wettbewerbsfähiger machen. Wichtig ist dabei die Konzentration auf Forschungsfelder, die für eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents wichtig sein könnten, wie eben Wasser und Energie, aber auch Regierungsführung, Gesundheit und Raumfahrt.
    Für Sven Tönsjost, dem Projektleiter bei PAUWES in Köln, ist es ein bestimmter Aspekt, der die Initiative einzigartig macht:
    "Dass der Sinn und Zweck einer Netzwerkuniversität natürlich darin besteht, das erworbene Wissen, das vorhandene Wissen zu teilen und nutzbar zu machen für alle Partner und in ganz Afrika. Und letztendlich ist das der zentrale Ansatz, dass man ein Netzwerk über Afrika spannt, um diesen Austausch von Wissen zu ermöglichen. "
    Wissenschaftliche Exzellenz ist die beste Entwicklungshilfe, so die Devise. Die Panafrikanische Universität will besonders begabte Studierende fördern. Das Auswahlverfahren sei sehr hart, sagt Paul Nduhuura. Dass die Studierenden zu einer neuen afrikanischen Bildungselite ausgebildet werden sollen, war laut Sven Tönsjost auch während des Austauschs zu spüren:
    "Aufgefallen ist mir, dass das Niveau einfach sehr hoch ist. Bei allen Exkursionen, die wir bis jetzt gemacht haben, war die Resonanz durchweg positiv und alle haben eine Rückmeldung gegeben, dass sie es noch nie erlebt hätten, dass eine Studiengruppe so viele Fragen, so viele Rückfragen stellt. Die sind jetzt zwei Wochen hier, sind hoch motiviert, haben wirklich ein sehr dichtes Programm, und die Leute saugen das alles in sich auf und sind besonders dankbar, überhaupt ihre praktische Erfahrung in den Laboren zu machen."
    Studenten sehen ihre Zukunft in Afrika
    Die Panafrikanische Universität soll auch einem Braindrain, also der Abwanderung von Fachkräften entgegenwirken. "Afrikanische Lösungen von Afrikanern, in Afrika, für Afrika" - das sei die Vision, so der Kommissar für Bildung der Afrikanischen Union De-Paul Ikounga. Paul Nduhuura und seine Kommilitonin Safiatou Nana aus Burkina Faso wollen in Afrika bleiben. Für die Zukunft haben sie große Pläne:
    "Gerade haben wir Vorlesungen darüber, wie man den Energiesektor modernisieren kann. Ich würde gerne später ein Unternehmen gründen, das die ländliche Bevölkerung in Afrika mit Energie versorgt."
    "Ich sehe meine Zukunft in Afrika: Ich möchte Lösungen für die ländliche Energieversorgung finden, das ist der Bereich, in dem ich gerade arbeite. Der Energiesektor bietet ja auch gute Chancen für Unternehmen. Ja, ich möchte in Afrika arbeiten, weil es dort so viele Möglichkeiten gibt."