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StartseiteCampus & KarriereBaden-Württemberg diskutiert über Corona-Tests für Lehrende06.07.2020

Pandemie-PräventionBaden-Württemberg diskutiert über Corona-Tests für Lehrende

Nach den Sommerferien soll an Schulen der Regelbetrieb wieder aufgenommen werden - ohne Abstands- und ohne Maskenpflicht. Das versetzt vor allem viele Lehrkräfte in große Sorge. Sie fordern regelmäßige Corona-Tests für Lehrerinnen und Lehrer. In Baden-Württemberg ist darüber nun eine Debatte entbrannt.

Von Thomas Wagner

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Ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) macht in Schutzkleidung auf dem Messegelände an einem Drive-in für Corona-Tests mit einem Abstrichstäbchen einen Abstrich bei einer Alltagsbegleiterin. (picture alliance | Sebastian Kahnert | dpa-Zentralbild/dpa)
Im Herbst könne man nicht klar sagen, wer nur eine Erkältung oder COVID-19 habe, argumentieren Lehrende und fordern regelmäßige Corona-Tests (picture alliance | Sebastian Kahnert | dpa-Zentralbild/dpa)
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Karin Broszat leitet die Realschule Überlingen und ist Vorsitzende des baden-württembergischen Realschul-Lehrerverbandes. Während der großen Pause erinnert sie sich an ein Telefonat mit der Mutter einer ihrer Schüler.

"Wir haben uns unterhalten über die Möglichkeiten, an Schulen zu testen. Da hat sie zu mir gesagt: Die Vereine zahlen im Moment Geld dafür, um ihre Spieler monatlich zu testen, also die Fußball-Vereine. Und das muss dann an den Schulen doch auch möglich sein."

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Ist es aber nicht – zumindest nicht so regelmäßig, wie es der deutsche Lehrerverband gefordert hat. Beispiel Baden-Württemberg: Da gibt es in der grün-schwarzen Landesregierung einen regelrechten Streit darüber, wie oft Lehrerinnen und Lehrer auf das Coronavirus getestet werden sollen: Während CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann solche Testes in diversen Zeitungsinterviews immer wieder befürwortet, zeigen sich der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann und sein grüner Sozialminister Manfred Lucha eher skeptisch, können sich allenfalls für Stichproben erwärmen: Regelmäßige Tests ohne vorheriges Auftreten von Symptomen seien zu ineffizient und vor allem zu teuer: Mit 13 Millionen Euro schlagen solche Tests nach Berechnungen des Sozialministeriums pro Woche alleine in Baden-Württemberg zu Buche. Enttäuschung beim Lehrpersonal:

"Also regelmäßige Tests für Lehrer – die hätte ich mir sehr gewünscht, weil wir uns schon einem hohen Risiko hier an der Schule aussetzen."

So Realschullehrer Roland Ruf aus Überlingen. Auch Rektorin Karin Broszat sieht das so:

"Ich finde, im Moment ist das eine Möglichkeit, Sicherheit zu schaffen bei der ganzen Schulgemeinschaft, bei den Eltern, bei den Kindern, bei den Lehrerinnen und Lehrern, die ja jetzt ohne Abstandsregeln nach den Sommerferien. Und da herrscht natürlich eine Unsicherheit."

Rückkehr zum Regelbetrieb ohne Maskenpflicht im neuen Schuljahr

Genau das ist der springende Punkt: Nach den Sommerferien kehren die Schulen, so ein Beschluss der Kultusministerkonferenz, zum Regelbetrieb zurück – ohne Abstandsregeln und Maskenpflicht. Da wären, so die Haltung aller Lehrerverbände, regelmäßige Tests eigentlich notwendig – und zwar, ergänzt der Überlinger Realschullehrer Sascha Ziegelbauer, nicht nur bei Lehreinnen und Lehrern, sondern auch bei den Schülern:

"Im Herbst haben wir zusätzliche weitere Infektionskrankheiten, die ganz üblich sind: Da schnupft jeder rum, da hustet jeder rum. Und wenn wir dann eben unterscheiden können: Die Kinder haben eben eine normale Erkältung oder sie haben das Coronavirus – dann kann man ganz gezielt operieren und muss nicht gleich die ganze Schule schließen."

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Keine einheitlichen Regelungen und Hygieneauflagen

Lehrer, möglicherweise Schüler regelmäßig testen oder nicht – hier zeichnet sich in der bundesweiten Betrachtung ein uneinheitlicher Flickenteppich an unterschiedlichen Regelungen ab: Während in Baden-Württemberg noch über stichprobenartige oder regelmäßige Tests gestritten wird, sollen in Brandenburg für zunächst zwei Monate Lehrkräfte alle zwei Wochen getestet werden. Schleswig-Holstein will spezielle Einsatzteams bereitstellen, die im Infektionsfall an Schulen rasch alle Kontaktpersonen testen sollen. Auch die baden-württembergische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Doro Moritz, befürwortet regelmäßige Tests bei Lehrern und zeigt sich enttäuscht über die zögerliche Haltung des grünen Ministerpräsidenten Kretschmann. Zudem will ihr nicht in den Kopf, dass im Regelbetrieb der Grundschulen seit über eine Woche keine Abstandsregeln gelten sollen:

"Das ist pädagogisch falsch. Und das ist auch genau der Aspekt, der Angst macht. Wir haben Schnupfen- und Hustenkinder in der Schule, wo Eltern sagen: Mein Kind kann in die Schule gehen. Und wenn in solchen Fällen Lehrerinnen und Lehrer sagen: Ich möchte jetzt einen Test machen, um für mich sicher zu sein, dann sollte das möglich sein."

Im Übrigen seien regelmäßige Tests vor allem deshalb notwendig, weil es an verbindlichen Hygieneauflagen für die Schulen fehle, so Doro Morit:

"Die Angst, dass gar kein Schutz da ist – das macht Sorgen. Empfohlen wird mehrfach täglich die Reinigung von Kontaktflächen. Da gibt es nichts an den Schulen. Es wird für die Öffentlichkeit empfohlen, dass Masken getragen werden, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Das wäre auch für die engen Gänge in den Schulen und für die Pausenzeiten sinnvoll. Und ich möchte, dass diejenigen, die mit Vorerkrankungen in die Schulen kommen, eine Schutzmaske, also eine FFP-2-Maske bekommen, vielleicht auch eine Plexiglas-Scheibe an den Lehrerpulten. Aber es gibt eben gar nichts – und dann wäre halt immer noch die Hoffnung da, nach einem Test zu wissen: im Moment habe ich nichts!"

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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