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StartseiteSport AktuellMedaillen "sehen aus wie Wurfgeschosse"25.02.2019

Para-WM-Königin Clara KlugMedaillen "sehen aus wie Wurfgeschosse"

Clara Klug hat bei der Para-Ski-WM in Kanada fünf Medaillen gewonnen - im Biathlon machte sie sogar das Gold-Hattrick perfekt. Dass so viel Edelmetall auch Tücken hat, erfuhr sie am Flughafen. Dem Sicherheitspersonal seien die Medaillen suspekt gewesen, verriet die sehbehinderte Sportlerin im Dlf.

Clara Klug im Gespräch mit Tobias Oelmaier

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Das Foto zeigt die blinde Parabiathletin Clara Klug und ihren Begleitläufer Martin Härtl (deutschlandradio / Henning Hübert)
Erfolgreichste deutsche WM-Athletin in Kanada: Clara Klug sicherte sich mit ihrem Guide Martin Härtl drei WM-Titel und zweimal Bronze (Archivbild) (deutschlandradio / Henning Hübert)
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Tobias Oelmaier: In Seefeld läuft die WM noch bis Sonntag, seit Sonntag vorüber ist die nordische Para-Ski-WM in Kanada. Da hat der Deutsche Behindertensportverband kräftig abgeräumt. Neun Athletinnen und Athleten waren dabei in Prince George und die bringen 15 Medaillen mit nach Hause. Die erfolgreichste war Clara Klug. Sie blinde Münchenerin hat dreimal Gold im Biathlon und zweimal Bronze im Skilanglauf gewonnen. Ich habe sie heute Abend am Flughafen von Vancouver erwischt und wollte von ihr wissen, wie denn die Sicherheitskontrolle vonstattengegangen ist mit so viel Edelmetall im Gepäck: Gab es bei fünf Medaillen Probleme bei der Sicherheitskontrolle?

Clara Klug: Ja, es war tatsächlich ganz witzig, weil wir in Prince George bei der ersten Sicherheitskontrolle gleich mal gefragt wurden, was denn da in der Tasche ist und ich natürlich meinte, das sind einfach fünf Medaillen. Ich musste sie trotzdem rausholen. Sie sehen tatsächlich ein wenig aus wie kleine Wurfgeschosse auf deren Monitor. Dementsprechend war es ihnen ein bisschen suspekt. Sie habe sich dann umso mehr gefreut, die Medaillen einmal in der Hand halten zu dürfen.

"Viel gearbeitete im Sommer"

Oehlmaier: Welche der Medaillen ist für Sie persönlich die wertvollste?

Klug: Ich glaube tatsächlich die dritte Goldmedaille, bei der ich mich einfach durchgekämpft habe und jeder Schritt nur noch weh getan hat, weil ich doch auch schon ziemlich krank war, ist schon sehr viel wert. Die erste ist nunmal die erste WM-Medaille und die zweite war genial, weil es im Sprint war und wir im letzten Jahr den Sprint ein bisschen vermasselt haben. Sie sind alle drei wahnsinnig viel Wert - ich würde da keinen Unterschied machen.

Oelmaier: In Pyeongchang bei den Paralympics da waren Sie "nur zweimal Dritte". Sind Sie besser geworden oder ist die Konkurrenz schlechter geworden?

Klug: Im Vergleich würde ich sagen, dass ich auf jeden Fall einen ordentlichen Schritt besser geworden bin, was die Laufleistung angeht. Warum auch immer habe ich das Schießen hier so ein wenig vermasselt, was ich dann durch die Laufleistung doch wettmachen konnten. Ich habe viel gearbeitet im Sommer und ich merke schon, dass da mehr geht. Und ich glaube, dass gerade die Ukrainerin nicht abgebaut hat seit letztem Jahr.

"Ich dachte wir werden mehr frieren"

Oelmaier: Minus 20 Grad waren teilweise jetzt in Kanada. Wie sind sie da mit der Kälte zurechtgekommen?

Kluge: Wir haben uns ganz gut darauf vorbereitet. Wenn man da ist, schneidet es einem erst einmal ins Gesicht und das ist extrem ungewohnt. Ich habe mich mit vielen Wärmepads und dergleichen vorbereitet und fand es dann am Ende tatsächlich gar nicht so schlimm wie erwartet. Ich dachte wir werden mehr frieren. Es ist dann tagsüber doch auch immer zumindest auf Minus 15 hochgeklettert. Zu unseren Rennen war es eigentlich dann immer ganz okay.

Oelmaier: Vor zwei Jahren waren Sie bei der WM im Bayerischen Wald in Finsterau und 2018 bei den Paralympics in Südkorea, wie war denn im Vergleich die Orga jetzt?

Kluge: Ich fand die Orga insgesamt ganz gut. Was leider nicht so toll funktioniert hat, waren die Shuttles. Wobei das für uns, dadurch, dass wir immer recht spät erst die Rennen hatten, eigentlich gar kein Problem war. Wir können uns doch gut drauf einstellen. Aber das war glaube ich, der Haupt-Knackpunkt, wo es auch schnell mal zu Problemen geführt hat. Ansonsten hat sich die gesamte Community von Prince Georg und der Skiclub vor Ort extrem reingehängt. Es waren definitiv mehrfach so viele Volunteers wie Athleten. Die Volunteers waren super drauf, haben immer geholfen, waren verflucht nett und ich fand es 'ne super gut organisierte Veranstaltung alles in allem.

"Das Medieninteresse war recht gut"

Oelmaier: Und das Zuschauer Interesse und das Medieninteresse?

Kluge: Das Medieninteresse Vorort von den lokalen Sendern war auch recht gut. Wir haben vorhin am Flughafen auch eine Zeitung gefunden, wo auch drüber berichtet wurde, wo auch wir namentlich drin standen und die so rund um über alle Nationen berichtet haben. Von den Zuschauern war es ein bisschen durchwachsener, wobei ich sagen muss, dass ich persönlich das gar nicht so mitbekomme, weil ich die Zuschauer nicht sehe und mich dementsprechend auf der Strecke vor allem auf meinen Guide konzentriere. Ich könnte jetzt nicht sagen, ob das besser oder schlechter war als 2017 in Finsterau.

Oelmaier: Sie wissen schon, dass sie die Medaillen dann zu Hause in München am Flughafen verzollen müssen.

Kluge (lacht): Ich weiß nicht, ob die de facto so einen materiellen Wert haben.

Oelmaier: Darüber könen Sie jetzt auf dem Rückflug nachgrübeln. Guten Heimflug wünsche ich und vielen Dank für das Gespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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