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Startseite@mediasresWie China Hashtags kapert09.12.2019

Pekings MedienstrategieWie China Hashtags kapert

Facebook und Twitter sind in China gesperrt. Im Ausland bespielen die Medien der Staatspartei die Plattformen umso intensiver - mit niedlichen Panda-Videos, aber auch politischen Botschaften, wie die Sinologin Mareike Ohlberg beobachtet.

Mareike Ohlberg im Gespräch mit Michael Borgers

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Die Flagge der Volksrepublik China neben dem Logo von Twitter auf einem Smartphone (www.imago-images.de)
Obwohl Twitter in China selbst gesperrt ist, nutzt es die Regierung für ihre Auslandskommunikation (www.imago-images.de)
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In China greifen Socal-Media-Nutzerinnen und -nutzer in der Regel auf chinesische Dienste zurück, wenn sie Webseiten durchsuchen, Videos teilen oder chatten wollen. US-Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube sind dort nicht nutzbar. Kurz nachdem die sozialen Medien der US-Konzerne in China 2009 geblockt worden seien, hätten Medien der Staatspartei aber angefangen, dort eine eigene Präsenz aufzubauen, wie Mareike Ohlberg vom Mercator Institute for China Studies im Dlf berichtet.

Fotos zeigen Landschaften statt Lager

Die Kanäle verbreiteten "Fluff", also zum Beispiel niedliche Panda-Videos, aber auch "politische Inhalte, die ganz klar den Standpunkt der Partei transportieren sollen". Dazu gehörten Meinungsbeiträge, aber auch harte Nachrichten zu Statements vom Außenministerium, sagte die Wissenschaftlerin.

Mareike Ohlberg (Mercator Institute for China Studies/Marco Urban)Die Sinologin Mareike Ohlberg (Mercator Institute for China Studies/Marco Urban)

Auch Themen wie die im Westen zuletzt scharf verturteilte Unterdrückung der Uiguren kämen vor. Gleichzeitig nutze die Staatspartei weiche Inhalte, um das Bild von China zu ändern. Unter dem Hashtag Xinjiang poste man beispielsweise Fotos von Landschaften oder tanzenden Menschen – während westliche Medien die Region mit der Inhaftierung von bis zu einer Millionen Menschen in Verbindung bringen.

Unmittelbare Fehlinformation sieht Ohlberg nicht, wohl aber irreführende Darstellungen: "Zum Beispiel bei den Hongkonger Protesten haben wir das gesehen, dass dann die ‚China Daily‘ Nachrichten geschickt hat, wo es so aussah, als würden 800.000 Leute für die Regierung demonstrieren, direkt nach einer großen Anti-Regierungsdemo."

Zwei Soldaten der Volksbefreiungsarmee mit Geschützen auf der Oberfläche eines Panzers 1989 in Peking. (picture alliance / Sadayuki Mikami) (picture alliance / Sadayuki Mikami)"Das Thema findet in China einfach nicht statt"
Zum 30. Jahrestag des Tiananmen-Massakers herrscht in chinesischen Medien lautes Schweigen – denn "die Zensur funktioniert inzwischen so gut wie noch nie", so China-Korrespondent Steffen Wurzel im Dlf. Auch ausländische Journalisten haben es schwer.

Die Wissenschaftlerin warnte davor, diese Darstellungen auf die leichte Schulter zu nehmen: "Nur weil man selber der Meinung ist, das wäre alles Quatsch und jeder sieht doch sofort, dass das Unsinn ist – da wäre ich vorsichtig." Sie glaube, "dass teilweise auch Botschaften gesendet werden, die potenziell gut ankommen, auch in Deutschland. Wir sollten uns da nicht zurücklehnen und sagen, das ist sowieso alles Quatsch und das kommt überhaupt nicht an."

Unteraccounts in diversen Sprachen

Mit ihren Inhalten richteten sich die Kanäle an eine sehr große Zielgruppe. "Ursprünglich war ein starker Fokus auf englischsprachige Inhalte und chinesischsprachige Inhalte", sagte Ohlberg in @mediasres. Inzwischen gebe es aber Unteraccounts in diversen Sprachen, zum Beispiel Deutsch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Rumänisch, Türkisch, Arabisch und Russisch.

Blick in den Sitzungssaal beim "China Africa Media Forum". (imago/ Lix Baishun) (imago/ Lix Baishun)Pekings Stimme in Afrika
China will seinen Einfluss weltweit ausdehnen und investiert deshalb Milliarden in seine Auslandsmedien. Kritiker warnen bereits, dass kritische Stimmen mundtot gemacht werden könnten – und erwarten eine neue Medien-Weltordnung.

China erreiche damit zwar eine hohe Zahl von Klicks und Followern erreiche, diese könnten aber auch künstlich hochgeschraubt sein, zum Beispiel durch Bot-Accounts. "Das ist in dem Fall relativ wahrscheinlich."

In den letzten Monaten beobachtet die Sinologin außerdem, dass immer mehr chinesische Botschafter sich einen Twitter-Account zulegen. Auch das chinesische Außenministerium sei inzwischen auf der Plattform aktiv: "Vom Stil her ahmen die Donald Trump ein bisschen nach", sagte die Wissenschaftlerin. Man halte das wohl für eine gute Art zu kommunizieren.

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