Gazastreifen
Pentagon: "Bau von provisorischem Hafen für Seekorridor wird mehrere Wochen dauern"

Die USA wollen per Seekorridor die Menschen im Gazastreifen mit dringend benötigten Hilfsgütern versorgen. Dafür soll ein provisorischer Hafen gebaut werden. Das wird nach Angaben des Pentagon mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Präsident Biden erklärte, Israel wolle für die Sicherheit sorgen.

11.03.2024
    Im Gazastreifen stehen Kinder um Essen an, sie halten Behälter in den Händen. In der Mitte des Fotos steht ein Topf, daraus verteilt eine Person Suppe.
    Im Gazastreifen kommen zu wenig Hilfslieferungen an. Das soll sich mit dem geplanten Seekorridor ändern. Kinder stehen in Rafah, im Süden des Gazastreifens um Essen an (Archivbild). (IMAGO I UPI Photo I Ismael Mohamad)
    Ein Sprecher des Pentagon sagte, die Vereinigten Staaten wollten zwei Millionen Mahlzeiten pro Tag für die Menschen bereitstellen. An dem Prozess könnten 1.000 US-Kräfte beteiligt sein, Truppen würden aber nicht vor Ort sein. Washington sei dabei, die Einzelheiten mit den Partnerländern im Nahen Osten sowie mit Hilfsorganisationen zu besprechen.
    US-Präsident Biden betonte, Israel werde für die Sicherheit des provisorischen Hafens sorgen. Er hatte die Pläne für den Bau in seiner Rede zur Lage der Nation angesprochen. Gebaut werden soll ein temporärer Pier, an dem große Schiffe andocken können. Bislang gibt es im gesamten Gazastreifen keinen Tiefwasserhafen. Israel erklärte sich nach Angaben der israelischen Zeitung "Haaretz" mit Hilfslieferungen über den Seeweg einverstanden.

    Scholz bestätigt Beteiligung Deutschlands an Seekorridor

    Die Bundeswehr will sich am geplanten Seekorridor für Hilfslieferungen in den Gazastreifen beteiligen. Bundeskanzler Scholz schrieb auf X, gemeinsam mit den USA, Katar und weiteren Staaten wolle man dafür sorgen, dass mehr Hilfe nach Gaza gelange. Der Start der Hilfen könnte schon am Wochenende erfolgen.
    Das Magazin "Spiegel" meldet, derzeit laufe die Abstimmung mit den internationalen Partnern. Geprüft werde unter anderem eine Beteiligung der Deutschen Marine, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf das Auswärtige Amt. Denkbar sei auch der Einsatz deutscher Pioniere beim Bau eines provisorischen Hafens vor dem Palästinensergebiet, der von den USA erwogen wird.

    Von der Leyen hofft auf Start am Wochenende

    EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen geht davon aus, dass die Hilfslieferungen in Kürze starten. Sie hoffe auf eine Eröffnung des Korridors noch an diesem Wochenende, sagte sie nach einem Treffen mit dem zyprischen Präsidenten Christodoulidis im Hafen von Larnaka. Von dort aus sollen Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente vor die Küste des Palästinensergebietes gebracht und dann in kleineren Booten an Land geschafft werden. Vertreter der Vereinten Nationen hatten zuletzt im Weltsicherheitsrat vor dem Hungertod tausender Zivilisten im Gazastreifen gewarnt.
    Diese Nachricht wurde am 08.03.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.