Freitag, 01. Juli 2022

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Photokina 2016
Smartphones vs. Kompaktkameras

Smartphone-Besitzer nutzen oft keinen Fotoapparat mehr, weil sie mit ihrem Handy viel schneller reagieren und ein Foto schießen können. Für das klassische Fotogewerbe ist das ein Problem, der Absatz von Digitalkameras sinkt von Jahr zu Jahr. Wie die Hersteller darauf reagieren, zeigt die Fotomesse Photokina seit heute in Köln.

Von Paul Vorreiter | 20.09.2016

Das Vorsatzobjektiv ExoLens von Zeiss steckt auf einem Iphone.
Hersteller setzen auf Objektive, die auf das Smartphone aufgesteckt werden können. (dpa / picture-alliance / Oliver Berg)
Sie sieht aus wie ein fliegender Beamer mit Füßen: die Fotodrohne, die auf einer Bühne mit einem Gitternetz drumherum langsam auf- und absteigt. Ein blonder Mann mit süddeutschem Akzent bewegt mit seinem Daumen einen Joystick. Der wiederum ist an ein Tablet angeschlossen. Auf dem sieht er das Video, das die Drohne aufzeichnet. Digitale Welt und Kameratechnik zu verbinden, das ist die große Herausforderung für die Hersteller auf der Photokina.
Absatz von Digitalkameras sinkt
Das Umfeld für die Branche ist schwierig. Laut einer Prognose des Photoindustrie-Verbandes wird der Absatz von Digitalkameras in Deutschland weiter zurückgehen. Dieses Jahr wohl um 13 Prozent. Insgesamt werden dann wohl nur noch 3,5 Millionen Stück von ihnen verkauft worden sein. Besonders stark trifft es günstige Kompaktkameras, die sich gegen I-Phone und Co. nicht durchzusetzen scheinen. Deswegen setzen manche Hersteller darauf, Smartphonebilder besser zu machen. Oliver Schindelbeck, Entwickler bei Carl Zeiss:
"Das sind die Vorsatzobjektive, die wir für das Iphone 6 und 6s entwickelt haben. Das sind Objektive, mit dem wir den Bildwinkel der Kamera verändern können. Es gibt hier einen gefrästem Aluminumhalter, der auf das Iphone aufgeschoben wird. An diesem Halter integriert ist ein Zubehörhalter, an dem man z. B. ein Mikrofon oder Videolicht ansetzen kann."
Die Objektive, die das Smartphone-Bild optimieren sollen, kosten zwischen 150 Euro und 250 Euro. Wem das noch nicht raffiniert genug ist, der könnte sich eher von einem anderen Gerätetyp angezogen fühlen, der zu den Highlights auf der Photokina gehört: Action-Cams.
Das sind Kameras, die ein 360-Grad-Video aufnehmen und deren Bilder eine Datenbrille wiedergeben kann. Jens Gutzeit von Nikon:
"Man kann sich das sinnbildlich so vorstellen, dass wir mit zwei Objektiven jeweils als Fischauge eine Halbschale aufnehmen dessen, was uns umgibt, und die Kamera diese beiden Halbschalen von beiden Kameraseiten in der Mitte verbindet und dann haben Sie eine Kugel. Das ist ein räumliches, sphärisches Video, was abläuft und der Betrachter, der nachher dieses Video sieht, kann sich innerhalb dieser Kugel umdrehen, in jede Richtung schauen, also die komplette Erlebniswelt dessen mitnehmen, was aufgezeichnet wurde."
Branche setzt auf Action-Cams
Solche Cams kosten etwa 500 Euro, eine qualitativ hochwertige Datenbrille nicht wesentlich weniger. Es wird erwartet, dass robuste Action-Cams 2016 ein Absatzplus von 17 Prozent verzeichnen werden - auf rund 670.000 Stück. Eine Entwicklung, von der manche Digitalkamerahersteller nur träumen können. Rainer Führes, Vorstandsvorsitzender des Photoindustrie-Verbandes und Geschäftsführer von Canon Deutschland, hält naturgemäß nichts davon, die Digitalkamera für tot zu erklären:
"Ich glaube, diese Diskussion Showdown zwischen Smartphone und Kamera ist ein bisschen verfehlt. Wir stellen ganz eindeutig fest, dass es eine Koexistenz gibt zwischen diesen beiden Technologien. Es gibt beim Smartphone eine gewisse Limitierung, das ist der schnelle Schnappschuss. Um mit dem zu kommunizieren und die Kamera macht ein Bild, das für die Dauer ausgelegt ist."
Mehr als 180.000 Besucher werden auf der Photokina erwartet. Sie können sich selbst ein Bild davon machen, welche Technologie für die Dauer ausgelegt ist.