Donnerstag, 01. Dezember 2022

Archiv

Pic Saint-Loup in Südfrankreich
Steiniger Grund und Meeresbrisen für einen edlen Tropfen

Die Region am Mittelmeer erstreckt sich von der französisch-spanischen Grenze bei Collioure am Fuße der Pyrenäen bis hin zur Rhône-Mündung bei Nîmes. Es gibt dort keine riesigen Weingüter. Einer der edelsten Tropfen dieser Region wird auf dem Pic Saint Loup angebaut - ein Besuch bei der Winzerfamilie Rambier.

Von Martina Zimmermann | 18.09.2016

    Zur Begrüßung kommt die Winzerin während einer der drei Pfauen durchdringend schreit und ein sehr dekoratives Rad schlägt. Diese ungewöhnlichen Haustiere passen gut zu dem Weingut aus mehreren renovierten Steingebäuden aus dem 19. Jahrhundert die sich um einen gepflegten Rasen erheben, auf dem Tische unter Bäumen zum Picknick einladen.
    "Ich bin Mireille Rambier", stellt sich die Winzertochter vor. Sie sei Winzerin in der fünften Generation. Die Familie Jean-Pierre Rambier lebe seit 1848 in Saint Jean de Cuculles. Der Bürgermeister des Ortes, der 20 Kilometer im Norden von Montpellier zwischen Mittelmeer und Cevennen liegt, baute Ende des 19. Jahrhunderts Wein an, aber auch Lavendel oder Getreide. Zwei seiner Töchter, Celina und Mathilde, sind für die Familie Rambier von Bedeutung:
    "Mathilde hat nicht geheiratet, Celina hat Gabriel Valladier geheiratet. Und sie hatten eine Tochter: meine Großmutter Irene. Irene kannte ihren Vater nicht, er starb im Krieg. Es gibt von ihm nur ein Foto in Uniform. Es sind also drei Frauen, Celina, Mathilde und Irene, die den Hof weitergeführt haben. Irene heiratete Henri Rambier. Und mein Vater war dann der einzige Mann der Familie und entwickelte das Weingut beträchtlich."
    Mireille stellt die Mitarbeiter vor: Caroline, Camille, Cesar, Alexandre, Valere und Vincent. Kellermeisterin Marie fehlt an diesem Tag. Und auch Claire, die für den Empfang zuständig ist.
    Vater Rambier hat das Weingut ausgebaut. Haut-Lirou zählt heute eine Anbaufläche von 95 Hektar. Mireille Rambier und ihr Bruder arbeiten in der fünften Generation in diesem Weingut, dessen edelster Tropfen auf dem Berg Pic Saint-Loup wächst, in 658 Meter Höhe.
    Weinanbau in 250 Meter Höhe
    "Auf dem Pic Saint Loup ist der Boden kalk- und lehmhaltig", erklärt Mireille. "Manchmal auch nur aus Kalkstein. Wir haben 20 Hektar auf dem Berg in 250 Meter Höhe. Wir mussten dort riesige Kalkfelsen zerquetschen, um Syrah-Reben pflanzen zu können."
    Um dorthin zu gelangen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Zu Fuß – und das dauert lange und ist anstrengend auf dem extrem steilen Weg. Oder im Geländewagen, die etwas komfortablere Lösung. Fahrer Cesar deutet auf Gitter zwischen zwei Büschen.
    "Die sind für die Wildschweine, die das Heideland lieben. Die Gitter werden aufgestellt, damit die Wildschweine nicht durchkommen bis zu den Rebstöcken."
    Es holpert und ruckelt auf dem Weg nach oben: Logisch, dass hier kein Traktor hinauf kommt. Vater Rambier hatte einen Unternehmer gefunden, der die Rallye Paris Dakar mitgemacht hatte. Nur er war in der Lage, die Wege zu schaffen und die Kalkfelsen zu zertrümmern. Im Jahr pflanzte er 2000 der Rebstöcke, die hier von Hand geerntet werden. César fährt vorbei an Kräuterbüschen, es riecht nach wilder Pfefferminze und Rosmarin.
    "Man muss ein bisschen verrückt sein, um hier Wein zu pflanzen", meint der Chauffeur.
    Der Pic Saint Loup ist ein Kalksteinberg in Form eines in West-Ost-Richtung verlaufenden Kammes mit einer vergleichsweise flachen Südflanke und einer steilen felsigen Nordwand. Der Name rührt von einer Legende, die Vincent erzählt, als wir oben im Weinberg angekommen sind:
    "Es gab drei junge Gutsherren, die hier wohnten, namens Clerc, Loup und Guiral. Sie waren alle drei verliebt in dieselbe junge Frau, die sehr schön war und Irene hieß. Sie versprach, den Mutigsten zu heiraten. Das war zur Zeit der Kreuzzüge. Sie zogen alle in den Krieg. Und sie sagte, wenn ihr zurückkommt, werde ich den Mutigsten von euch heiraten. Sie haben alle drei überlebt und waren alle drei mutig gewesen, aber in der Zwischenzeit war die schöne Irene an einer Krankheit gestorben. Da haben alle drei beschlossen, von nun an als Eremiten auf den Bergen der Region zu leben. Clerc lebte auf dem Berg, der nunmehr Mont St. Clerc heißt – er ist über der Stadt Sète. Guiral ging auf einen Berg, der nun Mont Guiral heißt. Und Loup auf dem Berg, der nun Pic Saint Loup heißt. Jeder lebte auf seinem Berg und sie zündeten jede Nacht ein Feuer an in Gedenken an die schöne Irene. Mit der Zeit erlosch das Feuer auf den Bergen, sie starben nacheinander, aber die Namen blieben."
    Tolle Panoramaaussicht zur Weinprobe
    Auf einem Holzfass im Weinberg mit einer wunderschönen Panoramaaussicht schenken César und Vincent Wein ein. Zur ersten Kostprobe eines Weiß- oder eines Roséweines – je nach Jahreszeit, im Sommer gibt es Rosé – bewundern wir den Pic Saint Loup und die anderen umliegenden Bergketten. Wir prosten mit dem Rebensaft der Trauben, die hier nur mit Mühe wachsen und entsprechend köstlich und kostbar sind.
    "Hier leiden die Trauben enorm", erklärt César. Sie bekommen ganz kleine Syrah-Trauben. Die seien konzentrierter und das sei wichtig bei der Weinbereitung:
    "Im letzten Sommer hatten wir zwischen Anfang Juni und Mitte August keinen Regen. Die Rebe leidet unter der Hitze, die die Steine am Boden speichern und weitergeben. Darüber weht aber eine Brise vom Meer, die ein bisschen Frische und Wasser bringt und die Pflanzen ernährt. Der Unterschied zwischen der Hitze vom Boden und der Meeresbrise bewirkt, dass die Traubenhaut dichter wird, um sich zu schützen. Das ist für uns interessant, denn das ergibt einen konzentrierten und gerbsäurehaltigen Saft."
    Der lagert im Weinkeller, der nach dem Ausflug auf den Berg besichtigt wird: Hier lagern 60 bis 80 Weine für die Zusammenstellung einer Cuvée.
    Die Auswahl reicht vom frischen, weißen Landwein, der nur aus der Viognier-Rebsorte besteht, bis hin zum erlesenen Tropfen, vom roten Merlot-Landwein bis zur Cuvée "Constance", deren Reben aus den besten Parzellen stammen.
    "Constance sei die sechste Generation, die Tochter von Mireille", erklärt Valère stolz. "Sie kümmert sich um den Vertrieb."
    "Wir haben eine Cuvée Constance als Weißwein 2014 und eine andere als Roséwein 2015. Marie, unsere Kellermeisterin hat einen Teil im Holzfass reifen lassen. Diese Weine sind für die Gastronomie, für die besten Tafeln der Region und für wenige Weinhändler. Der wird Ihnen gefallen. Vom feinen Rosé gibt es ganz genau 1848 Flaschen und vom Weißen nur 925. Unter der Bezeichnung Pic Saint-Loup gibt es aber auch andere Weine -für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel."