Dienstag, 29. November 2022

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Pierre-Cardin-Ausstellung
"Er hat den Overall alltagstauglich gemacht"

Die Ausstellung "Pierre Cardin. Fashion Futurist" im Düsseldorfer Kunstpalast würdigt das radikale Werk des Pariser Modeschöpfers. Dessen zukunftsgerichtete Mode habe in den 60er-Jahren ganz neue Maßstäbe gesetzt, sagte Co-Kuratorin Barbara Til im Deutschlandfunk.

Barbara Til im Corsogespräch mit Fabian Elsäßer | 19.09.2019

Zwei Schaufensterpuppen in Kleidern von Cardin und mit Masken vor den Gesichtern.
Fast schon furchteinflößend - Mode von Pierre Cardin in der Ausstellung "Pierre Cardin. Fashion Futurist" (TIMOTHY A. CLARY / AFP PHOTO / AFP)
Haute Couture sei vor Cardin sehr weiblich gewesen, sagte Barbara Til, die mit Maria Zinser für die Ausstellung "Pierre Cardin. Fashion Futurist" verantwortlich zeichnet, in "Corso - Kunst & Pop". Cardin hingegen habe sehr jugendliche, kurze Kleidungsstücke sowohl für Männer als auch für Frauen entworfen: "Für ihn war von vornherein klar, dass er dem Mann ein neues Styling, eine neue Erscheinung geben wollte".
Fast wie auf der "Enterprise"
Auch die Euphorie der 50er- und 60er-Jahre für die Raumfahrt hat Cardin beeinflusst - zum Beispiel bei seiner "Space Age Collection" aus dem Jahr 1966. "Das war fast schon eine Mischung aus 'Raumschiff Enterprise' und Skianzug", so Til.
Cardin habe den Overall alltagstauglich gemacht, ebenso wie den Rollkragenpullover als Alternative zu Hemd und Krawatte für den Mann. Bei seinen Entwürfen für Modeschauen sei es ihm übrigens ziemlich egal gewesen, ob er damit Erfolg gehabt habe oder nicht.
Wir haben noch länger mit Barbara Til gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs 
Geld verdient habe er allerdings trotzdem - durch Hunderte von Lizenzen, vor allem in den 90er-Jahren. "Pierre Cardin ist wirklich einer der ersten gewesen, die dieses, was heute völlig normal ist, sogenannte Branding eingeführt haben". Das heißt: Der Modemacher gibt seinen Namen, um Produkten den gewissen Glamour zu verleihen. Cardin, der im Juli 2019 seinen 97. Geburtstag feierte, ist übrigens immer noch aktiv. Und er gehört zu den wenigen großen Modeschöpfern, die ihr Unternehmen nie verkauften.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.