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StartseiteKalenderblattPionier auf den Podien20.05.2010

Pionier auf den Podien

Vor zehn Jahren starb der Flötist Jean-Pierre Rampal

Jean-Pierre Rampal war der erste Flötist, der sein Instrument auf den Solorang von Violine und Klavier hob. Mit seiner Querflöte wurde er ein Star auf den internationalen Konzertpodien, Komponisten wie André Jolivet, Francis Poulenc und Krzysztof Penderecki schrieben für ihn Konzerte und Sonaten. Doch den größten Erfolg feierte der vor zehn Jahren gestorbene Musiker mit Werken des Barock.

Von Sabine Fringes

Meist bleiben Flötisten Teil des Orchesters. (David Ausserhofer)
Meist bleiben Flötisten Teil des Orchesters. (David Ausserhofer)

"Der Flötist muss einen muntern und feurigen Geist (besitzen), der mit einer zärtlichen Empfindung der Seele verknüpft ist; (...) einen vollkommen gesunden Körper; eine offene starke Brust; einen langen Athem; gleiche Zähne, die weder zu lang noch zu kurz sind; nicht aufgeworfene und dicke, sondern dünne, glatte und feine Lippen, die weder zu viel noch zu wenig Fleisch haben...; eine geläufige und geschickte Zunge; wohlgestaltete Finger, die weder zu lang, noch zu kurz, noch zu dickfleischig, noch zu spitzig, sondern mit starken Nerven versehen sind; und eine offene Nase, um den Athem sowohl leicht zu schöpfen, als von sich zu geben", "

so der Virtuose Johann Joachim Quantz im Jahr 1752 in seiner Abhandlung über die Flöte. Seine Beschreibung eines idealen Querflötisten ist bis heute gültig. Am 7. Januar 1922 wurde eine solche Ausnahmeerscheinung in Marseille geboren: Jean-Pierre Rampal. Sein Vater ist Joseph Rampal, ein bedeutender Flötist und Musikpädagoge, der ihn auf seine ebenso strenge wie begeisternde Art unterrichtet. Das Talent des Jungen ist offensichtlich. Mit 13 gewinnt er bereits den ersten Preis am Marseiller Conservatoire. Doch die Mutter hat andere Pläne mit ihm:

" "Ich brauche keinen zweiten Musiker in der Familie. Ich will einen Arzt!"

Der Sohn fügt sich und beginnt ein Medizinstudium in seiner Heimatstadt. Doch dann entscheidet der Krieg über sein weiteres Schicksal: Um dem bevorstehenden Militärdienst zu entgehen, bewirbt Rampal sich 1943 am Pariser Conservatoire. Der 21-Jährige spielt vor - und besteht. Schon ein Jahr später verlässt er Frankreichs berühmteste Musikausbildungsstätte mit dem ersten Preis.

"Mein Ziel musste es sein, die Flöte zu einem der Geige und dem Klavier gleichrangigen Soloinstrument zu entwickeln, davon war ich felsenfest überzeugt. (...) Das Schwierigste dabei war es, auch das Publikum davon zu überzeugen. Niemand gab damals Solokonzerte für Flöte", "

so Rampal in seinen Memoiren über die schwierigen Anfangsjahre. Als Solist war er quasi ein Pionier auf den Podien, denn bis dato gab es niemanden, der allein mit der Flöte - ähnlich etwa wie ein namhafter Pianist oder Geiger - einen Konzertabend bestritt. Rampal forschte nach Repertoire für sein Instrument, regte Komponisten zu neuen Werken an und begründete zwei erfolgreiche Kammermusikformationen: das "Quintette à vent français" und das "Ensemble Baroque de Paris". Sein sicheres Stilempfinden, die Eleganz seiner Virtuosität und der charakteristische warm-leuchtende Klang der Goldflöte von Louis Lot machten ihn bald weltberühmt. 1966 kündigte die australische Presse seine Ankunft mit den Worten an:

" "Er ist für die Flöte, was Rubinstein fürs Klavier oder Ojstrach für die Geige ist."

Die Poesie seines Spiels blieb ebenso markant im Gedächtnis des Publikums wie die Erscheinung des hochgewachsenen, schwergewichtigen Mannes mit dem fein gespitzten Mund. Rampal war gleichermaßen Genussmensch wie Ästhet. "Wenn ich spiele", sagte er einmal, "dann erzähle ich meine Musik, wie ich einem Freund eine Geschichte erzähle." - Am 20. Mai 2000 starb er im Alter von 78 Jahren in Paris nach einer Herzattacke. Über 300 Aufnahmen sind von seinen "Musikerzählungen" erhalten.

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