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StartseiteForschung aktuellPläne für eine grüne Zukunft21.01.2008

Pläne für eine grüne Zukunft

Emissions- und abfallfreie Modellstadt vom Reißbrett

<strong>Umwelt. - Beim World Future Energy Summit in Abu Dhabi präsentieren Ingenieure und Stadtplaner eine Zukunftsstadt, die keine fossilen Energieträger benötigt, kein Kohlendioxid und selbst keinen Abfall mehr produziert. Rund 3000 Teilnehmer sind auf dem wissenschaftlich-technischen Fachkongress vertreten.</strong>

Von Volker Mrasek

Bereits 2016 soll das Umweltprojekt Masdar City bezugsfertig sein. (AP)
Bereits 2016 soll das Umweltprojekt Masdar City bezugsfertig sein. (AP)

In Masdar werden die hellsten Köpfe ihre Ideen einbringen. Ausschnitte aus einer Vorschau auf das ungewöhnliche Städtebauprojekt im Scheichtum Abu Dhabi. Sie stammt vom Londoner Stararchitekten Sir Norman Foster. Sein Büro hat die Pläne für die Modellstadt in der arabischen Wüste entworfen ...

"In Masdar City wird es keine Autos geben und auch keinen Kohlendioxid-Ausstoß oder Abfall."

Das sind keine leeren Versprechungen. Die Stadt werde konsequent nach diesen Maximen gebaut, versichert Khaled Awad, Direktor für Nachhaltige Entwicklung bei der Firma, die das Masdar-Projekt steuert:

"Wir statten alle Hausdächer mit Photovoltaik-Anlagen aus. Wir haben ein Areal, in dem verschiedene Solarkraftwerke das Sonnenlicht bündeln und Hitze erzeugen. Die wird dann in Kälte für die Klimatisierung umgewandelt und außerdem für die Entsalzung von Meerwasser genutzt. Daneben gibt es auch Pläne für einen geothermischen Brunnen in der Stadt, der heißes Wasser aus der Tiefe fördert."

40.000 Menschen sollen in Masdar City wohnen, 50.000 in der Stadt arbeiten. Fortbewegen werden sie sich in elektrischen Kabinenbahnen. Ihre Antriebsenergie erhalten sie entweder aus dem Solarstrom-Netz oder von Reststoff-Kraftwerken. Auch die soll es in Masdar geben ...

"Wir werden sämtlichen Müll, den wir produzieren, wiederverwerten oder kompostieren. Einen Teil werden wir zudem in Energie umwandeln - in Grundlast-Kraftwerken, die auch nachts Strom liefern, wenn die Sonne nicht scheint. Das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung der Reststoffe anfällt, fangen wir auf und leiten es als Pflanzendünger in Gewächshäuser. In Masdar gibt es keinen Abfall, der irgendwo deponiert werden müsste."

Windturbinen belüften die Stadt und vorstehende Dächer schatten die engen Straßen von Masdar ab. Tatsächlich spielt auch die Architektur eine wichtige Rolle im gesamten Energie-Management der Modellstadt. Noch einmal Bauingenieur Awad:

"Als wir beschlossen, eine Kohlendioxid-freie Stadt zu entwickeln, haben wir uns zuerst gefragt: Wie können wir den gewohnten Energieverbrauch reduzieren? Und es ist uns gelungen, ihn enorm abzusenken. Eine Stadt von der Größe Masdars hat heutzutage einen Energiebedarf im Bereich von 500 Megawatt. Wir kommen gerade mal auf etwa 160. Das schaffen wir durch eine intelligente Stadtarchitektur: die optimale Orientierung der Häuser für die Belüftung, enge Straßen, Abschattungen. Wichtig ist auch eine energieeffiziente Beleuchtung und Klimatisierung. Hier wollen wir die derzeit modernsten Technologien zur Praxisreife bringen."

Anfang Februar wird mit dem ambitionierten Projekt begonnen. Acht Jahre Bauzeit sind eingeplant, 2016 soll die Kohlendioxid-freie Stadt in der arabischen Wüste fertig gestellt sein. Abu Dhabi lädt nach wie vor Experten aus aller Welt ein, sich an der Initiative zu beteiligen. Die RWTH Aachen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sind schon heute in das Projekt eingebunden. Seine Initiatoren hoffen, dass es Maßstäbe im klimaverträglichen Städtebau setzt:

Eines Tages werden alle Städte so gebaut sein wie diese...

Masdar City

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