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StartseiteForschung aktuellPlaneten mit Planeten07.06.2006

Planeten mit Planeten

Neue Beobachtungen von massearmen Objekten im All verwirren die Astronomen

Astronomie. - Früher war alles ganz einfach: Sterne leuchten selbst, Planeten nicht, und die Planeten umkreisen die Sterne. Ein Team von Astronomen der Universität von Toronto hat jetzt aber lichtschwache und massearme Objekte untersucht, bei denen die Grenzen zwischen Stern und Planet immer mehr verwischen. Ihre Beobachtungen haben die Forscher auf der die Sommertagung der American Astronomical Society in Calgary vorgestellt.

Von Dirk Lorenzen

Die Entstehung von Sternen und Planeten war schon immer eine harte Nuss für die Astronomen. (NASA/IPL/DLR/RPIF)
Die Entstehung von Sternen und Planeten war schon immer eine harte Nuss für die Astronomen. (NASA/IPL/DLR/RPIF)

Planeten entstehen als Begleiter von Sternen, so die gängige Vorstellung der Astronomen. Nur als Begleiter von Sternen? Nein! Denn Ray Jayawardhana hat nun Planeten mit Planeten entdeckt! Das Team um den Astronomen von der Universität von Toronto hat ein großes Sternentstehungsgebiet beobachtet. Dort hatten texanische Kollegen einige sehr lichtschwache Objekte identifiziert, die sich jetzt bei genauem Hinsehen als äußerst erstaunlich entpuppen:

" Wir haben die Temperatur dieser Objekte bestimmt und können so die Massen abschätzen. Zwei von ihnen sind etwa fünf- bis zehnmal massereicher als Jupiter, zwei andere etwa zehn- bis fünfzehnmal. Mit den Teleskopen der Europäischen Südsternwarte in Chile sehen wir jetzt, dass es in der Tat Objekte sehr geringer Masse sind, die von Materiescheiben umgeben werden."

Sterne wie unsere Sonne entstehen, wenn sich große Gaswolken zusammenziehen, abplatten und im Zentrum schließlich das Sternfeuer zündet. Die dabei übrig gebliebene Materie umgibt den jungen Stern in einer Scheibe. Aus ihr klumpen sich dann die Planeten zusammen - als kosmische Zugabe.

Wie die Astronomen jetzt beobachten, gibt es Materiescheiben sogar bei Objekten, die nur etwa ein Hundertstel so viel Masse wie die Sonne haben - und damit viel zu klein sind, um jemals als Stern zu leuchten. Doch selbst diese massearmen Objekte haben den Rohstoff für kleinere Begleiter, staunt Ray Jayawardhana:

" Die Grenzen zwischen Stern und Planet verwischen immer mehr. Früher war alles ganz klar: Sterne leuchten selbst, Planeten nicht - und Planeten umkreisen Sterne. Doch jetzt gibt es viele Diskussionen. Einerseits entstehen diese Objekte wie Sterne. Zudem driften sie allein durch das All und umkreisen keinen Stern. Andererseits sind ihre Massen eher mit denen von großen Planeten vergleichbar."

Die Entstehung von Sternen und Planeten - schon immer eine harte Nuss für die Astronomen - erweist sich nun als noch facettenreicher als bisher angenommen. Nach gängiger Theorie beginnt es damit, dass eine riesige Gas- und Staubwolke anfängt in sich zusammenzufallen. Dabei bilden sich Sterne ganz unterschiedlicher Größe: Es gibt einige sehr massereiche Exemplare, viele normale wie unsere Sonne - und dazu noch viel mehr sehr kleine Sterne oder Objekte, die zu kurz kommen und gar nicht genug Masse haben, um wirklich als Stern aufzuleuchten

" Bis zu welcher Masse kann ein Objekt so entstehen wie ein Stern? Wir wissen nicht, was die Untergrenze der Masse dafür ist. Nach den Modellen geht das bis hinunter zu ein bis drei Jupitermassen. Mit unseren Beobachtungen haben wir die kleinsten dieser Objekte vermutlich noch lange nicht entdeckt. Somit wissen wir noch nicht, wie verbreitet diese Objekte sind. Es wird sehr spannend sein, in den kommenden Jahren mit den weltweit größten Teleskopen bestimmte Sternentstehungsgebiete gezielt nach solchen Objekten abzusuchen."

Womöglich ist das Weltall voll von Objekten, die kaum mehr Masse als unser Jupiter haben und selber von vielen kleinen Begleitern umgeben sind - sozusagen Planetensystemen im Miniaturformat. Doch diese Objekte leuchten nur in den ersten Millionen Jahren, wenn sie die Hitze ihrer Entstehung abstrahlen. Danach sind sie finster und selbst in den besten Teleskopen nicht auszumachen - auf immer verschwunden im Dunkel des Kosmos.

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