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Plutos kleiner Bruder

Astronomie. - Langsam bekommen die Objekte des so genannten Kuiper-Gürtels Gestalt. Sie bewegen sich in einer Zone noch außerhalb der Bahn von Pluto um die Sonne. Jetzt hat ein Astronomenteam aus den USA ein Objekt dieses Gürtels genauer charakterisiert: es ist knapp halb so groß wie der äußerste Planet des Sonnensystems. In der aktuellen "Nature" berichten die Wissenschaftler über ihren Fund.

    Varuna, nach dem Schöpfer des Kosmos in der altindischen Mythologie, heißt der eiskalte "Bruder" von Pluto. Die Astronomen schätzen ihn auf rund 900 Kilometer Durchmesser, damit wäre er knapp halb so groß wie der äußerste Planet unseres Systems, der es auf 2300 Kilometer bringt. "Damit haben wir zum ersten Mal den Durchmesser und das Reflektionsvermögen eines Objektes im Kuiper-Gürtel gemessen", erklärt David Jewitt, Astronom an der Universität Hawaii. Dabei ist die Größenbestimmung eines solchen Objektes alles andere als einfach. Die Helligkeit sagt nur wenig über die Größe aus, ein kleiner Körper mit heller Oberfläche strahlt viel mehr Licht ab, als ein größerer aber dafür dunkel gefärbter. Daher messen die Forscher die Wärmeabstrahlung des Objektes, um festzustellen, wie hoch der Anteil von Licht und Wärme an der gesamten abgestrahlten Energie ist.

    Und bei diesen Messungen zeigte sich, dass Varuna recht groß und ziemlich dunkel ist. "Er ist etwa so dunkel wie ein Stück Kohle, seine Oberfläche kann somit nicht eis- oder schneebedeckt sein", so Jewitt. Pluto etwa ist viel heller, weil sich aus seiner dünnen Atmosphäre immer wieder Eis auf der Oberfläche niederschlägt. Varuna dagegen, so vermutet Jewitt, hat zu wenig Schwerkraft, um eine Atmosphäre zu halten und kann sich daher keine helle Oberfläche zulegen. Mehr als der jetzt vorgestellte Schnappschuss von Varuna ist allerdings derzeit technisch nicht drin. Erst im kommenden Jahr soll der Infrarotsatellit SIRF starten, der rund 100 Objekte des Kuiper-Gürtels vermessen soll.

    [Quelle: Dirk Lorenzen]