Montag, 04. Juli 2022


Polartagebuch - Montag, 26. Februar 2007

Montagmorgen in Ny-Ålesund: Ich komme nur schwer aus dem Bett, denn im Gegensatz zum Wochenende gibt es statt um zehn schon um halb acht Frühstück. Aber ich bin ja schließlich hier, um an meiner Diplomarbeit zu arbeiten. Mein Name ist Anne Hoffmann und ich bin seit drei Wochen in der nördlichsten, ganzjährig bewohnten Siedlung der Welt, auf Spitzbergen.

Von Anne Hoffmann | 26.02.2007

Ny-Ålesund ist eine Forschersiedlung mit Wissenschaftlern aus aller Welt, zur Zeit aus Norwegen, Deutschland, Frankreich und China. Zwei Mal pro Woche kommt ein kleines Flugzeug aus Longyearbyen, der Hauptstadt von Spitzbergen, dann gibt es Post und neue Gesichter.

Nach dem gemeinsamen Frühstück in der Messe geht es zu meinem Arbeitsplatz ins Observatorium. Das Observatorium gehört zur deutsch-französischen Arktis-Forschungsbasis AWIPEV, die vom deutschen Alfred-Wegener-Institut für Polar-und Meeresforschung (AWI) und dem französischen Institut Polaire Paul Emil Victor (IPEV) betrieben wird.

Ich arbeite mit einem so genannten LIDAR, das steht für 'Light Detection and Ranging' und ist ein Verfahren, bei dem die Atmosphäre mit Hilfe eines gepulsten Laserstrahls auf ihre Inhaltsstoffe untersucht wird. Der Laserstrahl wird teilweise von der Luft zurück reflektiert und dieses Signal wird dann von uns aufgefangen und gemessen. Gibt es irgendwo eine Schicht mit Schwebeteilchen (Aerosolen), dann wird der Laserstrahl von dort stärker zurück reflektiert und wir messen ein stärkeres Signal. Aerosole beeinflussen die Strahlung, die von der Sonne auf die Erde scheint. Um zu verstehen, wie die Atmosphäre funktioniert und damit Wetter- und Klimavorhersagen zu verbessern, ist das Verständnis dieses Austausches sehr wichtig.

Heute können wir leider gar nicht messen, da die Wolken so tief hängen, dass das Signal uns die Instrumente kaputt machen würde, weil es so stark ist.

Am Wochenende war der Himmel richtig schön klar. Und zwar so klar, dass wir in unseren Messungen so gut wie gar keine Aerosole gesehen haben. Da sieht man mal, wie rein die Luft hier oben ist. Heute ist also mehr schrauben und basteln angesagt, in der Hoffnung dass das LIDAR am nächsten Messtag immer noch funktioniert.

Heute Abend werde ich dann noch zum Innebandy in die Turnhalle gehen. In Deutschland heißt das Unihockey und ist eine Art Hockey mit Plastikschlägern. Hier wird das zum sportlichen Ausgleich gleich dreimal pro Woche gespielt und unter den zur Zeit gut 30 Bewohnern von Ny-Ålesund findet sich auch immer jemand, der Zeit und Lust hat. Vielleicht schieße ich ja sogar ein Tor...
Anne Hoffmann vom Alfred-Wegener-Institut schreibt für den Deutschlandfunk aus dem Schnee auf Spitzbergen.
Anne Hoffmann vom Alfred-Wegener-Institut schreibt für den Deutschlandfunk aus dem Schnee auf Spitzbergen. (AWI/Terje Tellefsen)