Sinti und Roma
Polizeiskandal in Österreich: Zentralrat "schockiert und fassungslos" über Boykottaufruf in Neusiedl am See

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich "schockiert und fassungslos" zu einem Boykottaufruf von Polizeibehörden in Österreich geäußert.

    Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma, spricht ein Grußwort am 17.02.2016 im Bundesgerichtshof in Karlsruhe (Baden-Württemberg) bei der Eröffnung des Symposiums zur weiteren Aufarbeitung des an Sinti und Roma begangenen Unrechts. Foto: Christoph Schmidt/dpa |
    Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma. (Archivbild) (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)
    Der Vorsitzende Rose wies auf die Nationalsozialisten hin, die 1933 die Bevölkerung aufgefordert hatten, nicht bei Juden zu kaufen, und Polizei und SS vor jüdischen Geschäften aufmarschieren ließen. Rose appellierte an Innenminister Karner von der ÖVP, disziplinarische Maßnahmen gegen die Verantwortlichen bei der Polizei einzuleiten. Er betonte, in Österreich sei das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten des Europarates 1998 in Kraft getreten. Es verpflichte den Staat, jeder Form von Antiziganismus entgegenzuwirken. Der Zentralrat führte aus, der europaweite Vormarsch nationalistischer Kräfte, die ihr politisches Programm oftmals auf Rassismus und Hetze bauten und in Österreich inzwischen zur stärksten politischen Kraft geworden seien, sei besorgniserregend.
    Die Polizei Neusiedl am See hatte in einer inzwischen gelöschten Mitteilung die Bevölkerung aufgefordert, keine Waren vom "fahrenden Volk" zu kaufen und keine Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Zudem rieten sie dazu, die Haustüren geschlossen zu halten und sich "wenn möglich eventuelle Fahrzeugkennzeichen und Personenbeschreibungen" zu notieren.
    Diese Nachricht wurde am 08.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.