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Popstars gegen den Hunger in Afrika

Vor 20 Jahren, am 13. Juli 1985, hatte der Musiker Bob Geldof Stars der internationalen Musikszene zusammengeholt, um die Not hungernder Menschen in Afrika zu lindern. Damals appellierte der irische Künstler an die Spendenbereitschaft der Menschen. Beim Live-Aid-Konzert in England und in den USA wurden Millionen gespendet.

Von Michael Kleff | 13.07.2005

    " It's 12 noon in London. 7am in Philadelphia. And around the world it's time for Live Aid. Wembley welcomes the Royal Highnesses. The Prince and the Princess of Wales."

    Mit Prinzessin Diana und Prinz Charles als Ehrengäste begann in London am 13. Juli 1985, um 12 Uhr mittags englischer Zeit, eins der größten Spektakel der Popgeschichte: Live Aid. In einem Doppel-Konzert im Londoner Wembley Stadion und im John-F.-Kennedy-Stadion in Philadelphia spielten 60 Musiker und Gruppen 16 Stunden lang. Das Konzert wurde in mehr als 100 Länder übertragen, weltweit sahen es anderthalb Milliarden Zuschauer, die dabei über 140 Millionen Dollar für die Hungernden in Afrika spendeten. Initiator der Großveranstaltung war der irische Rockstar Bob Geldof.

    Nachdem Geldof eine BBC-Dokumentation über die Hungersnot in Äthiopien gesehen hatte, schrieb er den Song "Do They Know It's Christmas", der mit vielen Stars Ende 1984 als Benefiz-Single veröffentlicht wurde. Danach kam dem Musiker die Idee für Live Aid. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen hatte Geldof schon früh Armut kennen gelernt - und bereits als Jugendlicher etwas dagegen getan.

    " Ich war abends immer mit der Simon Community unterwegs. Ihre Mitglieder sammelten Brot und Gemüse bei den Lebensmittelhändlern und Bäckereien in Dublin. Sie kochten Suppe und teilten sie an die Obdachlosen und Prostituierten aus. Ich fand das toll."

    Neben Geldof spielten bei Live Aid Künstler wie Queen, Status Quo, die Who und Bob Dylan. Phil Collins schaffte es aufgrund der Zeitverzögerung und per Überschallflugzeug, zuerst in London und dann in Philadelphia aufzutreten. Und auch Mick Jagger und Tina Turner bewiesen im Duett, dass Rock'n'roll eben doch mehr als nur Musik sein kann.

    Mit Live Aid ging es Bob Geldof in erster Linie darum, Geld für die Welthungerhilfe zu sammeln. Während des Konzerts forderte er die Zuschauer auf, zum Telefonhörer zu greifen und zu spenden.

    " Gehen Sie heute nicht in den Pub. Bitte bleiben Sie zu Hause und spenden Sie. Es sterben Menschen in diesem Moment. Spenden Sie etwas Geld."

    Von den Einnahmen wurden Schiffe und Lastwagen gemietet sowie Lebensmittel gekauft. Voller Idealismus versprach Bob Geldof der Weltöffentlichkeit, den Hunger in Afrika wirksam bekämpfen zu wollen.

    " Wenn du stirbst, wird irgendwo in Afrika jemand leben, weil du die Benefizplatte gekauft oder diese Show gesehen hast."

    Doch es war nicht nur der Hunger, dem sich Geldof und seine Band Aid Stiftung stellen mussten. Korruption und ein katastrophales Verkehrssystem erwiesen sich in Äthiopien und im Sudan als schier unüberwindliche Probleme. Manche Hilfsorganisationen kritisierten Geldofs Projekt als naiv und sprachen von "Blind Aid".

    Aus den Erfahrungen hat der Künstler, im vergangenen Jahr von Großbritanniens Ministerpräsident Tony Blair in dessen Afrika-Komitee berufen, gelernt, sagt sein Freund, der Drehbuchautor Richard Curtis.

    " Bob meinte, dass er begriffen habe, beim Tee mit Mitterand mehr Geld bekommen zu haben als mit Band Aid und Live Aid zusammen. Die moralische Verantwortung liegt bei den Politikern. Das ist eine Erkenntnis, der wir folgen sollten."

    20 Jahre nach Live Aid organisierte Bob Geldof erneut eine globale Rock-Veranstaltung. Mit der am 2. Juli in mehreren Städten der Welt durchgeführten Konzertserie "Live 8" wurde wenige Tage vor dem G-8-Treffen der weltweit führenden Industrienationen in Schottland konkretes Handeln von den Politikern eingefordert. Auf der Bühne im Londoner Hyde Park standen da nicht nur Stars wie Paul McCartney und U2, sondern auch ein Mädchen, das vor 20 Jahren in einer Filmsequenz um die Welt gegangen war: damals war es ausgemergelt und vom Todeskampf gezeichnet. Dank Live Aid überlebte es. Für Bob Geldof der Beweis, dass seine Aktion Sinn mache.