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Post-Streik
Konkurrenten der gelben Post

Bei der Post wird gestreikt - unbefristet. Wer auf einen Zustellerdienst in diesen Tagen nicht verzichten kann, könnte auf Konkurrenten der Post zurückgreifen. Doch auf welche? Denn die gelbe Briefpost hat auch mehr als sieben Jahre nach Auslaufen des sogenannten Postmonopols noch immer eine marktbeherrschende Stellung.

Von Michael Braun | 09.06.2015
    Briefe liegen in einer Postbox.
    Die Gewerkschaft Verdi hat die Post-Mitarbeiter zu unbefristeten Streiks aufgerufen. (picture alliance / dpa/ Malte Christians)
    Zwei Schriftstücke lagen dieser Tage im Briefkasten: Von der Post eine Marktstudie über die Briefpreise in Europa. Mit 62 Cent je Inlandsbrief liege die Post im Mittelfeld, weit abgeschlagen von den 1,34 Euro, die in Dänemark genommen werden.
    Das andere Schriftstück: Eine Klage des Bundesverbandes Paket, Express, Logistik, in dem sich die Konkurrenten der Post zusammengeschlossen haben. Die Bundesregierung, noch mit rund 20 Prozent an der Post beteiligt, habe die "Post-Entgeltregulierungsverordnung" verabschiedet. Die ermögliche es der Post, das Briefporto weiter heraufzusetzen.
    Die erste Botschaft: Die Post sei nicht zu teuer. Die zweite: Aber sie verhindere mit staatlicher Hilfe Wettbewerb. Das bringt den Geschäftsführer des Logistikverbandes zum Schäumen. Marten Bosselmann:
    "Der Wettbewerb ist sehr hart. Die Post nutzt alle Mittel und Wege, dem Wettbewerb zu schaden. Da spielt natürlich eine Rolle die Beteiligung des Bundes an der Post."
    Bosselmann vertritt die großen Paketdienstleister: DPD, GO, Hermes, TNT und UPS. Sie sagen, der Platzhirsch Deutsche Post DHL besetze 50 Prozent des Paketmarktes. Andere wollen von 43 Prozent wissen. Auch das bedeutet Marktführerschaft. Dennoch werde sie bedrängt, sagt ihr Vorstandsvorsitzender Frank Appel, "weil wir erhebliche Wettbewerbsnachteile haben bei unseren Lohnkosten."
    Niedriger Lohn, mehr Service
    Die Wettbewerber der Post versuchen, nicht nur mit niedrigeren Lohntarifen, sondern auch mit mehr Service zu punkten: vier Zustellversuche, wählbare Zustellzeit zum Beispiel. Der Preiswettbewerb verläuft in engen Grenzen: Ein Päckchen kostet bei Hermes 3,89 Euro, in der Postfiliale 3,95 Euro. Ohne diesen Wettbewerb, so Marten Bosselmann vom Logistikverband, wären die Postpreise sicher höher:
    "Als die Post allein auf dem Paketmarkt existierte, hat ein Paket von der Abgabe zur Zustellung drei, vier, eher fünf Tage gebraucht. Mittlerweile reden wir beim Standardpaket von eine Regellaufzeit von 24 Stunden."
    Im Briefgeschäft hat die Post ihre Monopolsituation nahezu vollständig behalten. Als vor Jahren Konkurrenten wie die PIN Group auftauchten, hatte sich die Post für Mindestlöhne in der Branche eingesetzt. Sie konnte sie zahlen, die Mitbewerber sagten, sie nicht. So kam es etwa bei der PIN Group zu Massenentlassungen und Schließungen. Im Briefgeschäft gibt es folglich für die Post nur wenig Konkurrenz, die Citipost in Hannover etwa, die ihre Briefmarken in Pennymärkten verkauft. Oder die Pin Mail AG in Berlin oder die Main-Postlogistik in Unterfranken. Die Deutsche Post beherrscht aber immer noch gut 90 Prozent des Briefmarktes. Der schrumpft zwar wegen der elektronischen Konkurrenz, gilt aber als hochprofitabel. Ihre Profitabilität wolle die Post auch im Paketgeschäft verbessern, weiß Zafer Rüzgar von Independent Research. Die Frage, warum die Kosten runtermüssten, beantwortet er so:
    "Ein wesentlicher Grund sind die genannten Ergebnisziele für das Jahr 2020. Man möchte durchschnittlich um acht Prozent beim operativen Ergebnis zulegen."