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Präsidiale Stammzellen

Stammzellforschung. - Die scheidende US-Regierung steht in Sachen Stammzellforschung hart auf der Bremse. Bundesgelder gibt es nur für Forschung mit inzwischen fast acht Jahre alten Zelllinien. Die US-Forscher wussten sich zu helfen und unterscheiden penibel zwischen präsidialer, geförderter, und nicht-präsidialer Stammzellforschung. Daneben hoffen sie auf Änderungen in Washington.

Von Michael Lange | 31.10.2008

Die Stammzellenforscher in den USA sind nach wie vor Weltspitze. Aber nicht wegen der guten Arbeitsbedingungen sondern trotz schlechter Voraussetzungen. Vor allem die Unterteilung zwischen förderungswürdigen "Präsidialen” Stammzellen und nicht förderungswürdigen Zellen, stößt bei den Forschern auf Kritik. Alle Zellen, die nach dem 1. August 2001 gezüchtet wurden, sind "nicht-präsidiale Zellen:" Der neue US-Präsident muss da einiges in Ordnung bringen, meint Larry Goldstein von der Universität von Kalifornien in San Diego.

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Stellen Sie sich vor, wieviel besser wir da stünden, wenn die Regierung uns nicht dauernd Knüppel zwischen die Beine werfen würde. Weil sie nur bestimmte Zellen zulässt, brauchen wir alles doppelt. Jede Laborbank, jede Nährlösung, jede Pipette. Das alles behindert unsere Arbeit und rettet keinen Embryo. Das ist das Dumme dabei."

Die Regierung konnte nicht verhindern, dass neue bessere Stammzellen in US-Labors gezüchtet wurden und werden. Die Wissenschaftler müssen nur darauf achten, dass kein staatliches Geld in die Forschung mit diesen Zellen fließt. Um die Trennung zu erleichtern, hat die Universität in San Diego eine Art Schattenreich für die Forschung mit nicht-präsidialen Zellen eingerichtet.

Karl Willert organisiert dieses Labor. Er ist als Student von Deutschland nach Kalifornien gekommen. Selbstverständlich spricht er noch deutsch, aber sobald es um Wissenschaft geht, bevorzugt er das Englische.

"Dieses Labor dient als sicherer Hafen. Hier können Wissenschaftler der Universität und aus den umliegenden Forschungs-Instituten ihre Forschung betreiben, ohne in Konflikt mit der Regierung zu geraten. Denn fast jeder hier hat für sein eigenes Labor staatliches Geld erhalten. Geräte, Impfbänke, Brutschränke, Mikroskope. All das dürfen wir nicht einsetzen, wenn wir mit neuen, embryonalen Stammzellen arbeiten. Deshalb haben wir zusätzlich dieses privat finanzierte Speziallabor, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen."

Wer in das Labor hinein will, muss einen weißen Laborkittel anziehen und blaue Gummi-Überzüge über die Schuhe stülpen. Booties – Stiefelchen – heißen sie hier. Das ist gar nicht so leicht. Willert:

"Das ist der Reinraumbereich, in dem die Zellen gezüchtet werden. Das Labor ist durch doppelte Türen und eine spezielle Belüftung geschützt. Hier gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Wenn nur einer der Forscher oder ein Besucher Pilze oder Bakterien einschleppt, sind alle Zellen in diesem Labor in Gefahr. Jahrelange Forschungsarbeit könnte durch eine Unachtsamkeit vernichtet werden. Das müssen wir unbedingt verhindern."

Die Laborräume im sicheren Hafen sind klein, aber mit modernsten Geräten ausgestattet. Bezahlt hat sie die Universität mit privaten Stiftungsgeldern. In Kürze soll das Labor renoviert und ausgebaut werden. Das Geld dazu kommt vom Staat Kalifornien. Gouverneur Arnold Schwarzenegger fördert viele der Projekte, für die Bundesregierung kein Geld ausgibt. Und das wird auch so bleiben – egal wer demnächst in Washington Präsident wird.