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Prassen bis es heiß wird

Der Umweltschutz wird im öffentlichen Meinungsbild der USA immer wichtiger. Viele Städte und US-Bundesstaaten fordern von der Industrie strengere Klimaschutzregeln. Unterstützt werden sie von Wirtschaft und Hochfinanz. Großkonzerne gehen mit gutem Beispiel voran und senken ihre Emmissionen. Bürgermeister unterzeichnen das Kyoto-Protokoll, um politischen Druck auszuüben.

Von Heike Wipperfürth |
    Die Schreckensbilder des Katastrophenfilms "The Day After Tomorrow" gehen Leslie Lowe nicht aus dem Kopf: Die nördliche Welthalbkugel versinkt in Sturm und Eis. Eine Flutwelle über Manhattan. Fliehende Menschen, die nicht wissen wohin. Diese Horrorszenen rauschen manchmal an ihr vorbei, wenn sie in ihrem Büro hoch über Manhattan sitzt und die Klimastrategien amerikanischer Firmen studiert.

    Die gelernte Rechtsanwältin ist Mitarbeiterin beim Interfaith Center on Corporate Responsibility in New York - kurz ICCR. Mit 110 Milliarden Dollar Kapital gehört ICCR zu den mächtigsten Anlegern an der Wall Street. Lowe überwacht die Energie- und Umweltstrategien jener Firmen, deren Aktien sich in ICCRs Portfolio befinden. Eine ganz besondere Klientel: ICCR verwaltet das Geld von 275 Kirchen und Glaubensgemeinschaften in ganz Amerika.

    "Wir sind langfristige Investoren. Institutionelle Investoren. Das Geld, das wir investieren, ist für Pfarrer und Priester und Nonnen und religiöse Menschen, die in zwanzig Jahren in den Ruhestand treten. Wir wollen, dass diese Firmen nicht nur in zwei, sondern auch in zwanzig Jahren noch Gewinne machen."

    Um die Anleger vor Verlusten zu schützen, verlangt Lowe von den Firmen, dass sie ihre Strategien für den Umgang mit der Erderwärmung offenlegen. Bedrohlich sind nicht nur Stürme und Fluten. CO2-Emittenten müssen auch mit politischen und rechtlichen Folgen rechnen. So wirft Lowe der US- Autobranche schwere Versäumnisse vor beim Kampf gegen die Erderwärmung.

    "Zurzeit räumen GM und Ford Käufern hohe Rabatte für den Kauf eines Wagens ein. Nur so können sie sich ihren Marktanteil erhalten und die Menschen zum Kauf anregen. Die Hybrid-Wagen verkaufen sich am schnellsten. Toyota hat Detroit wieder einmal geschlagen und darüber sind wir als Aktionäre ziemlich beunruhigt."

    Im Kampf gegen diese Versäumnisse hat sich ICCR mit anderen Großinvestoren verbündet. Zum Beispiel mit dem öffentlichen Pensionsfund von Connecticut: Er ist 20 Millarden Dollar schwer. Ceres, eine Gemeinschaft grüner Investmentfonds, gehört auch dazu. Und die umweltbewussten Anleger machen jetzt Druck: Die Ford Motor Company muss ihnen demnächst einen Bericht vorlegen über die Konkurrenzfähigkeit ihrer Werke und Automarken - verglichen mit ausländischen Anbietern, die umweltfreundlicher am Markt agieren. Zum Beispiel eben Toyota mit seinem modernen Angebot Namens Prius:

    "Wir erwarten eine Analyse der Märkte, in denen sie operieren. Sie verkaufen ihre Autos in Europa. In jedem Mitgliedsland müssen die Wagen die Ziele des Kyoto-Protokolls erfüllen. Sie funktionieren dort ganz anders als hier. Dann gibt es auch noch China. Es hat die strengsten Regeln. Alle drängen auf den Markt. Aber wie können amerikanische Autokonzerne mit Japan, mit Toyota konkurrieren, wenn der Prius solch ein Renner ist und eine sechsmonatige Warteliste hat? Detroit muss einen Rabatt von 15 Prozent geben? Wie werden sie der Herausforderung begegnen?"

    Lowe ist keine Einzelkämpferin. Immer mehr Städte und US -undesstaaten fordern umweltfreundlichere Strategien und strengere Klimaschutzregeln. Unterstützt werden sie von Wirtschaft und Hochfinanz, sagt Ted Roosevelt, Investment Banker bei Lehman Brothers in New York - und Republikaner!

    "Die Bundesstaaten und die Bürgermeister und die Wirtschaft werden eine Führungsrolle übernehmen. Auf nationaler Ebene müssen wir auf eine neue Regierung warten. Wir werden einen immer stärker werdenden politischen Aktivismus erleben, der nicht von den Umweltschützern, sondern den Politikern ausgeht."

    Schon kommt es im ganzen Land zu Protestaktionen. Das beste Beispiel: 164 amerikanische Bürgermeister, die sich zum Kyoto-Protokoll zur Verringerung der Treibhausgase verpflichtet haben. Initiator ist Greg Nickels, der Bürgermeister von Seattle. Beunruhigt von ungewöhnlich vielen warmen Wintertagen hat er im Februar, als das Protokoll in Kraft trat, an seine Kollegen appelliert, sich der Vereinbarung anzuschließen.

    "Die USA sind der größte Umweltverschmutzer der Welt. Auf nationaler Ebene fehlt uns die Führung. Es ist höchste Zeit für das Volk, die Politiker zu führen."

    Zugesagt haben auch Michael Bloomberg, der republikanische Bürgermeister von New York und Antonio Villaraigosa, der demokratische Bürgermeister von Los Angeles. Auch Ray Nagin, der Bürgermeister von New Orleans, hatte sich schon lange vor dem Hurrikan Katrina zum Kyoto-Protokoll bekannt. Er sorgte sich um die Südstaatenmetropole bei einem steigenden Meeresspiegel - diese Ängste wurden jetzt Realität.

    Doch mit der Verwandlung der Stadt in ein Massengrab für Tausende von Menschen hat niemand gerechnet. Noch steht Amerika unter Schock und trauert, Mitte der vergangenen Woche rollte die größte Hilfsaktion an, die die Vereinigten Staaten je erlebt haben.

    Mitten im Aufräumen bleibt keine Zeit für kritische Fragen nach den Ursachen. Greenpeace hat allerdings in ersten Statements seine Kampagne für saubere Energie in Washington sofort wieder ins Gespräch gebracht und sieht die Zeit kommen, in der auch in Amerika der Umweltschutz in den Mittelpunk rückt. Ein Vertreter der Organisation sagte dem Deutschlandfunk, die
    Argumente würden immer stärker für Initiativen wie die der Bürgermeister. Die Bewegung werde immer größer. Präsident Bush werde zunehmend isoliert, weil die Auswirkungen der Klimakatastrophe auch die USA immer härter treffen.

    Inzwischen haben sich die Rebellen übers ganze Land verteilt: Neun Bundesstaaten an der Ostküste planen ein Gesetz zur Reduzierung der Treibhausgase von 600 Kraftwerken. Der Kohlendioxid-Ausstoß von New York über Delaware bis Vermont entspricht dem von ganz Deutschland und soll bis zum Jahr 2020 um 10 Prozent verringert werden.

    Ausgerechnet Bushs Parteifreund und Gouverneur des Bundesstaates New York, George Pataki leitet das ehrgeizige Programm. Er wird sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat ins Gespräch gebracht.

    Doch zum größten Schlag holt Arnold Schwarzenegger aus, Bush-Parteifreund und Gouvernor von Kalifornien. Der Plan des grünen Terminators sieht vor, die Kohlendioydabgase der Autos im bevölkerungsreichsten Bundestaat Amerikas bis zum Jahr 2016 um 30 Prozent zu senken. Das gilt für PKWs, die ab 2009 gebaut werden.

    Mit einer Klage versucht die mächtige Autobranche, diesen Plan zu stoppen - darunter auch die deutschen Konzerne Daimler Chrysler, Volkswagen, BMW und Porsche. Ihr Argument: Solch eine Entscheidung dürfe nicht von Kalifornien allein getroffen werden, das müsste bundesweit entschieden werden. Schließlich würde sich der Preis eines Neuwagens um 3000 Dollar erhöhen! Und die Kunden hätten weniger Auswahl.

    Schwarzeneggers Plan birgt politischen Sprengstoff. Denn zehn andere US Bundesstaaten warten auf die Übernahme der Richtlinien, sagt Mark Brammer, der Forschungsdirektor von Innovest, eine Rating Firma in New York, die die Umweltstrategien von Unternehmen beurteilt.

    "Kalifornien ist der fünftgrößte Wirtschaftsraum der Welt. Aber wenn die nordöstlichen Bundesstaaten wie Pennsylvania und Maryland noch dazu kommen, dann machen sie 50 bis 60 Prozent der amerikanischen Wirtschaft aus. Das ist enorm. Das wird de facto zum nationalen Standard."

    Dem grünen Trend folgt auch der Mischkonzern General Electric. Schon seit Wochen flimmert ein Werbespot über den US Bildschirm, in dem ein kleiner Elefant zum Takt des Ohrwurms "Singing in the Rain" im Regen durch den Urwald tanzt. Mit dem Werbespot feiert der über 100 Jahre alte Konzern seine Verwandlung zum Öko-Trendsetter. Firmenchef Jeffrey Immelt erregte großes Aufsehen, als er das neue Image seiner Firma im Mai auf einer Pressekonferenz in Washington vorstellte.

    "Es is ganz einfach: Bis 2012 wollen wir jedes Jahr die Effizienz verbessern und die Treibhausgase zu reduzieren. Wir glauben, dass 70 Prozent dieser Investition in die Entwicklung unserer Technologien geht."

    General Electric als Freund von Greenpeace? War die Firma unter Immelts Vorgänger Jack Welsh unter Umweltschützern nicht eher verrufen als Vergifter des Hudson River mit polychlorierten Biphenylen?

    Das stimmt. Doch nun will der Konzern mit 320.000 Mitarbeitern jahrlich 1,25 Milliarden Dollar in die Entwicklung energiesparender Technologien stecken. Außerdem will er die Belastungen der Treibhausgase aus den eigenen Werken bis 2008 um ein Prozent senken - verglichen mit dem heutigen Stand. Immelt verweist darauf, dass das noch konservativ gerechnet sei, bei Zuwachsraten zwischen 30 und 40 Prozent würde sich der CO2 Ausstoß bei General Electric sogar um 30 Prozent reduzieren:

    Immelt macht das nicht, weil er ein guter Mensch ist. Sondern weil er eine lukrative Marktlücke entdeckt hat für umweltfreundliche Produkte. Zum Beispiel kann GE den großen US-Stromerzeugern helfen, weniger Schadstoffe in die Luft zu blasen. Damit können sie sich vor Klagen schützen. GE hofft, dass sich aus dem neuen Programm ein Geschäft mit einem Umsatz von einer Millarde Dollar entwickelt.

    Mit dem Verkauf von Windrädern hat General Electric im vergangenen Jahr zwei Milliarden Dollar verdient. Ein gutes Geschäft erhofft sich das Unternehmen auch mit der Reinigung von Wasser. Gerade baut es eine Anlage zur Entsalzung des Wassers in Algerien. GE kann die Technologie auch in anderen Ländern nutzen.

    Der erste grüne Konzern ist GE allerdings nicht. Der Mischkonzern 3 M hat den Ausstoß von Treibhausgasen zum Beispiel bereits 1995 um etwa 35 Prozent reduziert. Mehr Nachahmer werden folgen, sagt der Investment Banker Roosevelt. Er glaubt, dass die Wendung des Riesenkonzerns GE hin zu grünen Märkten Präsident Bush noch tiefer in die Isolation drängt.

    "Die Bush-Regierung muss doch langsam Angst bekommen, wenn eine Firma wie General Electric und Immelt sich zum Grünsein bekennen."

    Selbst die Wall Street wird neugierig auf erneuerbare Energien. Ted Roosevelt, der Banker von Lehman Brothers, er hilft beim Bau einer Off Shore Windfarm jedenfalls schon mal mit, an der Küste von Massachusetts am berühmten Cape Cod gegenüber den Inseln Nantucket und Martha’s Vineyard . Auf der Anlage, die mindestens 800 Millionen Dollar kostet, sollen 130 Wind-Turbinen Platz finden. Zurzeit wartet er auf die Baugenehmigung, doch die Gegend ist konservativ und da geht es amerikanischen Windanlagenbauern nicht anders als deutschen: überall Protestler, die von der modernen alternativen Energie nichts wissen wollen.

    "Das ist das erste Offshore Windprojekt, das in den USA erbaut wird. Es ist auch das größte Projekt dieser Art in den USA. Es wird etwa 75 Prozent des Stroms auf dem Cape und den beiden Inseln erzeugen."

    Auch in Washington bereitet sich eine Energie-Wende vor. Nur mit einer anderen Stoßrichtung. Es ist kein Geheimnis, dass die Bush-Regierung die kränkelnde Nuklearindustrie wieder beleben will. Beim Besuch eines Reaktoren pries Bush die Branche kürzlich als "sauber" weil sie unsere Atmosphäre von Schadstoffen verschont. Ein merkwürdiges Kompliment aus dem Mund des amerikanischen Präsidenten, der es auch weiterhin ablehnt, das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung der Treibhausgase zu unterzeichnen.

    Zu den Fans der umstrittenen Branche gehören aber neuerdings auch Umweltschützer wie Stewart Brand, der Gründer des Whole Earth Catalogue, eine Art Bibel für die Alternativkultur, und Patrick Moore, der Mitgründer von Greenpeace. In Vorträgen und Artikeln bitten sie Kollegen, die Nuklearbranche nicht einfach zu verteufeln. Denn es könne ja sein, dass Nuklearenergie die beste Waffe gegen die Erderwärmung sei, weil sie als nicht fossiler Energieträger kein CO2 erzeuge. Diese Meinung teilt auch Gus Speth, der Dekan der Forst- und Umweltschule an der Yale Universität.

    "Sollte die Kernenergie dazugehören? Es ist eine interessante Frage und ich bin dafür offen. Ich bin kein Fan der Kernenergie. Sie beunruhigt mich. Macht mir Angst. Aber die Angst vor dem Klimawechsel ist noch vie größer."

    Nach Tschernobyl und Three Mile Island hatten auch Amerikaner Probleme mit einem Nuklearmeiler in der Nachbarschaft. Hinzu kommt, dass sich die Atomkraftwerke als riesige Verlustobjekte enpuppten. Ihr Bau verzögerte sich, die Kosten stiegen. Gesetze änderten sich. Viele Meiler wurden jahrelang gebaut, plötzlich geschlossen und gingen nie in Betrieb. Caren Byrd, Investment Bankerin bei Morgan Stanley.

    "In den späten 70er und den 80er Jahren wurden Planungen für 100 Nuklearanlagen zurückgestellt. Für einige davon hatte man gerade ein Grundstück gefunden oder den Bau begonnen - aber in anderen steckten bereits viele Millionen und Milliarden Dollar. Ich habe Schätzungen gesehen, die zeigten, dass über zehn Milliarden Dollar in Meilern versanken, die nie gebaut wurden."

    Zwar wurden in Amerika keine neuen Meiler mehr gebaut, doch die 103 Atomkraftwerke, die zur Zeit in Betrieb sind, haben sich bewährt. Heute liefern sie 20 Prozent des amerikanischen Stroms. 1973 waren es nur 4,5 Prozent. Etwa die Hälfte der Betreiber bat um eine Verlängerung der 40-jährigen Laufzeit.

    "Die Kernindustrie ist sehr sauber. Ich glaube auch, dass sie sicher ist. Sie hat nichts mit der Erderwärmung zu tun und verschmutzt nicht die Luft. Das ist sehr wichtig. In vielen Bundesstaaten würden die Lichter nicht angegen, wenn der Strom nicht in Kernkraftwerken erzeugt würde. In New York sind es 30 Prozent. In Connecticut über 70 Prozent. In Illionois, Chicago, sind es 50 Prozent des Stroms, der sonst mit Kohle oder fossilen Energieträgern erzeugt würde."

    Von einer Renaissance der Kernenergie würde auch General Electric profitieren -als einziger heimischer Anbieter von Atomkraftwerken. Im Werk in South Carolina brummen die Maschinen. Metall-Rohre werden zerschnitten und gebündelt, um in Heißwasser Reaktoren eingearbeitet zu werden. Der Chef von GE Nuclear Energy, Andy White:

    "Wir investieren viel Geld in die nächste Generation der Technologie und glauben, dass sich viele Länder für die Kernenergie entschieden haben. Die USA ziehen sie mit der Hilfe eines Kernergieprogramms und dem neuen Energiegesetz eng in Betracht. Frankreich hat einen Neubau angekündigt, Finnland macht weiter, China baut auf. Indien, Japan, Korea, Taiwan - viele Länder machen mit bei der Kernkraft."

    In den letzten Jahren war White mit dem Bau von Meilern in Japan beschäftigt. Jetzt würde er gerne in Amerika zeigen, was er kann. GE ist an der Entwicklung jedes Reaktors beteiligt.

    "Wenn wir uns die Reaktoren anschauen, die in den USA und international gebaut wurden, sehen wir, das jeder anders ist. Jedes Design war auf einen bestimmten Kunden zugeschnitten. Dafür wurden sie mit hohen Reaktorkosten bestraft. Das geht nicht. Wir müssen en einziges Design mit Rahmenbestimmungen standardisieren, um Größenvorteile zu bekommen. Wir entwerfen einen Meiler nur einmal - das ist von Vorteil für Kunden, denn sie brauchen nur einen Brennstoff, ein Ersatzteil."

    Kernkraftwerke vom Fließband? Nein, so einfach ist das nicht. Immerhin hat White es geschafft, die hohen Wartungskosten zu senken. Drei Jahre braucht er, um einen Reaktor zu bauen. Vor 30 Jahren hat es oft zehn Jahre gedauert. Auch auf die Sicherheit ist er stolz. Ohne menschliches Zutun schalten sich die Reaktoren ab, ein Meiler ab, wenn etwas schief geht.

    Der Unterstützung durch Washington können sich die Betreiber von Kernkraftwerken sicher sein. Die amerikanische Regierung hat den komplexen Zulassungsprozess erleichtert und sie trägt die Versicherungskosten, falls es zu einer Verzögerung bei der Fertigstellung kommt. Den Stromerzeugern bleiben die reinen Baukosten, den Rest trägt die Allgemeinheit.

    Werden neue Kernkraftwerke in den USA gebaut? Die Wall Street jedenfalls steht der Branche weiterhin skeptisch gegenüber. Noch einmal die Investment Bankerin Caren Byrd:

    "Ich denke immer mehr, wir würden die Kernenergie gerne sehen. Die Frage ist, ob wir die Kosten und den Zeitplan kalkulieren können. Beim letzten Mal ging das nicht. Wir hatten Probleme, weil sich die Vorschriften änderten und die Reaktoren nicht standardisiert waren. Wenn wir die Nuklearenergie als Möglichkeit sehen, brauchen wir mehr Voraussagbarkeit."

    Die Grenzen der Möglichkeiten mit Kernenergie etwas für den Umweltschutz zu tun hat das Massachusetts Institute of Technology in einer Studie festgestellt. Zwar ließe sich mit einer Verdreifachung der derzeitigen Reaktorkapazitäten von 370 000 Megawatt auf eine Million Megawatt 1,8 Milliarden Tonnen Treibhausgase einsparen. Doch ist ein solches Szenario kaum zu realisieren, sagt Frank Hippel, Professor an der Princeton Universität und zuständig für Sicherheitsfragen. Genug Uran als Kernbrennstoff gibt es auch nicht. Es reicht nur noch für etwa 40 Jahre.

    "Dann gäbe es die Nuklearenergie in einem viel größeren Ausmaß. Ich befürchte aber, dass das hochwertige Uran für derzeitige Atomkraftwerke irgendwann knapp und viel teurer wird."

    Auch die Endlagerung ist noch nicht gelöst. Denn nach einem Abladeplatz für 77,000 Tonnen hochradioaktiven Mülls wird immer noch gesucht. Zwar waren die Yucca Mountains im Bundesstaat Nevada dafür vorgesehen, doch ein Streit, der schon über 20 Jahre dauert und Milliarden Dollar kostet, ist immer noch nicht gelöst. Harold Feiveson ist Kernenergie-Experte an der Princeton Universität.

    "Die Frage eines Endlagers ist noch nicht gelöst und ich weiß nicht, wie wohl sich das Land mit so einem ungeklärten Problem fühlt. Ich weiß, dass man es in Zwischenlager stecken könnte, aber auch das ist noch nicht gelöst."

    Zwar sagt Feiveson, dass die neuen Reaktoren inzwischen viel sicherer geworden sind. Ganz auszuschließen sei ein Unfall allerdings immer noch nicht.
    Deshalb rät der Wissenschaftler lieber zum sparsamen Umgang mit Energie: Effizienz ist der wichtigste Klimaschutzfaktor, vor allem bei amerikanischen Autos. Wird der grüne Terminator Schwarzenegger damit Erfolg haben? Während der Hurrikan Katrina über dem Golf von Mexiko wütete, stiegen die Ölpreise über 70 Dollar. Amerikaner sprechen von sparsamen Autos ab einem Verbrauch von 12 Litern - der Sturm der letzten Woche war mit Sicherheit Anlass zur Besinnung.