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StartseiteCampus & KarriereGeringe Honorare bei Lehrern für Deutsch als Fremdsprache02.10.2019

Prekäre BeschäftigungsverhältnisseGeringe Honorare bei Lehrern für Deutsch als Fremdsprache

Wenig Geld, wenig Arbeitsplatzsicherheit: Das ist für viele Lehrer für Deutsch als Fremdsprache Realität. Dabei sind sie derzeit besonders gefragt. Die meisten Stellen gibt es als Freiberufler, doch durch den allgemeinen Lehrermangel gibt es gute Chancen auf einen Seiteneinstieg an Regelschulen.

Von Stephanie Kowalewski

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Die Deutschlehrerin Gülsen Landshuter geht mit Teilnehmern eines Integrationskurses im Bildungszentrum in Nürnberg eine Sprachübung durch. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
Im vergangene Jahr gab es laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gut 20 Prozent weniger Deutschkurse als 2017 (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
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"Guten Tag, Schulte hier, Hedwig Schulte. Ich bin Deutschlehrerin und suche eigentlich einen neuen Auftrag für Nachmittags. Ich habe den Integrationsschein und einen Alpha-Schein."

Hedwig Schulte ist auf Jobsuche. Das ist sie eigentlich ständig, denn immer wenn ein Deutschkurs beendet ist, muss die Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache – kurz DaF - Klinkenputzen. Dann telefoniert sie eine lange Liste mit Sprachschulen, Instituten und Volkshochschulen im Raum Düsseldorf ab:

"Ja, schade für mich. Vielen Dank. Auf Wiederhören."

Die 65-jährige DaF-Lehrerin hätte durchaus einen Kurs machen können, aber wieder mal nur am Vormittag:

"Aber vormittags habe ich meine Termine voll. Ich persönlich würde auch gerne am Nachmittag arbeiten, aber im Moment ist es so, dass es nicht so viele Nachmittagskurse gibt."

Und so ist Hedwig Schulte gerade gezwungen, einen Halbtagsjob zu machen. Das liegt auch daran, dass es laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im vergangenen Jahr schon gut 20 Prozent weniger Deutschkurse als 2017 gab. Diese Lücke wird laut VHS-Landesverband NRW teilweise durch mehr Berufssprachkurse gefüllt. Wenn der Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn aufgeht, kommen bald schon Pflegekräfte aus Mexiko und dem Kosovo zu uns, und die müssen Deutsch lernen, sagt DaF-Lehrerin Hedwig Schulte:

"Ich bin demnächst in einer privaten Schule und werde dort einen Sprachkurs Pflege für Krankenschwestern, Altenpfleger und so weiter übernehmen. Ich denke auch, dass die Ausweitung auf die Berufssprachkurse eine sehr gute Idee ist, weil eben bisher dieses Niveau B1 nicht ausreicht, um wirklich gute Berufsausbildungen zu machen."

Gute Chancen als Seiteneinsteiger an Schulen

Der Bedarf an Deutschlehrern ist jedenfalls immer noch groß, sagt Matthias Jung. Er ist der Vorsitzende des Fachverbandes der DaF-Lehrer und Geschäftsführer des Instituts für internationale Kommunikation in Düsseldorf:

"Der Mangel ist immer noch hoch, weil viele abgewandert sind in die Schule."

Denn durch den allgemeinen Lehrermangel haben DaF-Lehrer gute Chancen als Seiteneinsteiger an Regelschulen eine feste Anstellung zu bekommen:

"Typischerweise werden sie dann nur Angestellte, müssen irgendetwas nachmachen und verdienen auch da nur die Hälfte von einem Lehrer, der vielleicht seit fünf, sechs Jahren beamteter Lehrer ist."

Aber für viele sind diese Jobs dennoch attraktiver, als die ungewisse Zukunft als schlecht bezahlte Honorarkraft. Doch genau in diesem Bereich gibt es die meisten Stellen für Lehrer, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, räumt Matthias Jung ein:

"Die Nachfrage besteht zu 90 Prozent bei so genannten prekären Stellen, die halt nicht mit einer Arbeitsplatzsicherheit verbunden sind. Es sind überwiegend freiberufliche Honorarkräfte die gesucht werden. Da ist ein enormer Bedarf, sowohl im Ausland, wo viele Deutschlehrer gesucht werden, als auch im Inland - sowohl im Bereich Vorbereitung von Studienbewerbern als auch im Bereich der Integrations- und Berufssprachkurse, die öffentlich gefördert werden."

Prekäre Stellen

Prekär sind die Stellen nicht nur wegen der fehlenden Arbeitsplatzsicherheit. Prekär sind sie vor allem wegen des sehr geringen Honorars:

"Die Spanne pro 45 Minuten reicht von 15 bis 50 Euro."

Das ist viel zu wenig, sagt Ruth Jansen, die seit mehr als 30 Jahren Deutsch als Fremdsprache unterrichtet - immerhin haben die DaF-Lehrer ein Hochschulstudium absolviert:

"Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert 56 Euro pro Stunde. Das Bündnis der Deutschlehrer fordert 60 Euro pro Unterrichtsstunde. Das wäre ein angemessenes Honorar, so dass wir auf ein Einkommen kämen, wie andere Lehrer auch."

Doch davon können die DaF-Lehrer nur träumen. Immerhin zahlt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit Mitte 2016 für Integrationskurse 35 statt 23 Euro. In vielen Volkshochschulen liegt das Honorar zurzeit bei 24 Euro - inklusive Vor-und Nachbereitung der Unterrichtsstunden. Davon müssen die freien Deutschlehrer die Renten – und Krankenversicherung selbst zahlen. Da bleibt bei einem Vollzeitjob unterm Strich oft nicht mehr als 1500 Euro im Monat übrig.

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