Medien
Presserat erteilte 2023 so viele Rügen wie nie zuvor

Der Deutsche Presserat hat im vergangenen Jahr so viele Rügen erteilt wie noch nie zuvor. Für besonders schwere Verstöße gegen den Pressekodex wurden 73 Rügen ausgesprochen - das waren 26 mehr als im Jahr davor.

28.02.2024
    Das Türschild des Presserates am Hauptsitz in Berlin.
    Der Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Print- und Onlinemedien in Deutschland (imago / Steinach / Sascha Steinach)
    Einen Großteil machten den Angaben zufolge Verstöße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht und den Persönlichkeitsschutz aus. Jeweils 22 Rügen entfielen auf diese Bereiche. Schwerwiegende Fehler in der Berichterstattung rügte der Presserat mehr als doppelt so oft wie im Vorjahr. Dabei ging es etwa um zu reißerische Überschriften, Vorwürfe, zu denen Beschuldigte nicht Stellung nehmen konnten oder nicht sorgfältig recherchierte Fakten.

    Sorgfalt in den Redaktionen hat offenbar nicht nachgelassen

    Presseratssprecherin von Hutten sagte, man habe nicht den Eindruck, dass die Redaktionen weniger sorgfältig arbeiteten als noch vor einigen Jahren. Vielmehr seien Leserinnen und Leser sensibler und meldeten zum Beispiel schneller, wenn Überschriften zu Artikeln nicht ganz oder gar nicht korrekt seien. Diesbezüglich würden auch die Beschwerdeausschüsse zum Teil sensibler reagieren und sprächen möglicherweise schneller eine Rüge aus.
    Als positiv wertet der Presserat, dass es zur Berichterstattung über die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine 2023 keine Rügen gab. Bei großen Themen wie den Kriegen in Israel und Gaza sowie in der Ukraine hätten die Print- und Online-Medien ganz überwiegend sauber gearbeitet, sagte Sprecherin von Hutten. Die Gesamtzahl der Beschwerden beim Presserat stieg nach deutlichen Rückgängen in den Vorjahren wieder an - von 1.733 auf 1.850 im vergangenen Jahr. 2020, dem Jahr des Beginns der Corona-Pandemie waren mit 4.085 Beschwerden noch deutlich mehr eingegangen.

    Einsatz von Künstlicher Intelligenz muss vorerst nicht gekennzeichnet werden

    In Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) plant der Presserat derzeit nicht, eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Texte im Pressekodex einzuführen - auch wenn dies von vielen gefordert wird. Das Gremium argumentiert, dass der Kodex bereits jetzt Redaktionen zur Einhaltung berufsethischer Standards verpflichte, unabhängig davon, ob ein Text von einem Menschen oder einer Maschine stamme.
    Diese Nachricht wurde am 29.02.2024 im Programm Deutschlandfunk Kultur gesendet.