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StartseiteForschung aktuellPrivat ins All – der zweite Versuch07.12.2009

Privat ins All – der zweite Versuch

Virgin Galactic stellt sein Spaceship Two vor

Raumfahrt.- Vor fünf Jahren erreichte mit Spaceship One erstmals ein privat finanziertes Raumschiff die Grenze zum Weltall. Nun wurde der Nachfolger des kommerziellen Raumschiffs vorgestellt: Mit Spaceship Two soll ab 2010 jedermann einen Flug nach "da oben" buchen können.

Von Guido Meyer

Das ältere Spaceship One bei der Landung. Im Nachfolgemodell haben sechs Passagiere und zwei Piloten Platz.  (scaled.com)
Das ältere Spaceship One bei der Landung. Im Nachfolgemodell haben sechs Passagiere und zwei Piloten Platz. (scaled.com)

Juni 2004 in der kalifornischen Mojave-Wüste: Spaceship One hängt am Bauch seines Trägerflugzeugs und hebt ab.

"Ein Flugzeug bringt dieses Raumschiff auf eine Höhe von 15 Kilometern. Dort wird es losgelassen, gleitet kurz und zündet dann seine eigenen Triebwerke, die es mit etwa dreifacher Schallgeschwindigkeit auf eine Höhe von 100 Kilometern schießen sollen."

Der Amerikaner Burt Rutan hat mit seiner Firma Scaled Composites sowohl Raumschiff wie Trägerflugzeug gebaut. Es hatte innerhalb weniger Monate dreimal hintereinander die Grenze zum Weltraum erreicht, die nach internationalen Regeln bei 100 Kilometern Höhe liegt. Dies waren die Auflagen, um den mit zehn Millionen Dollar dotierten X-Prize zu gewinnen, was den Erbauern von Spaceship One gelungen war – geglückte Landung inklusive.

Der Erfolg von Spaceship One hat den britischen Unternehmer Richard Branson beflügelt, mit Virgin Galactic einen neuen Zweig seines Konzerns zu gründen. Burt Rutan mit seiner Firma Scaled Composites wurde beauftragt, das Raumschiff weiterzuentwickeln. Das heißt vor allem: es für sechs Passagiere auszulegen.

"Unser Raumschiff von 2004 war ein Prototyp. Was bei Spaceship One so gerade geklappt hat, wird bei seinem Nachfolger Standard werden. Die Firma Scaled Composites hat 25 Millionen Dollar investiert und mit Spaceship One dreimal den Weltraum erreicht. Wir haben 150 Millionen darauf verwendet, die Systeme redundant und zuverlässig zu machen und so etwas auf den Markt zu bringen, was sicher ist."

Alex Tai, der Vize-Präsident von Virgin Galactic. Auch das neue, größere Spaceship Two hängt unten an einem Mutterflugzeug, das das Raumschiff auf eine Höhe von 15 Kilometer trägt. Dort erst wird Spaceship Two seinen eigenen Raketenmotor zünden. Nach einer Testphase soll das Schiff in den kommerziellen Betrieb übergehen. Statt eines Testpiloten, werden sich dann acht Personen an Bord aufhalten. Die Masse also soll den wirtschaftlichen Gewinn sicherstellen.

"Das würde als Geschäftsmodell ansonsten nicht funktionieren. Wenn wir uns nur an vermögende Passagiere wenden würden, gingen uns über kurz oder lang die Kunden aus. Deshalb mussten wir Spaceship Two größer bauen. Künftig bietet es zwei Piloten und sechs Passagieren Platz. Damit können wir nach einer gewissen Anlaufzeit die Preise senken und so einen größeren Markt erschließen."

Der Preis für fünf Minuten Schwerelosigkeit: 200.000 Dollar. Dabei soll es jedoch nicht lange bleiben, orakelt Richard Branson, der Chef der Virgin-Gruppe.

"Wenn wir verraten würden, bei welcher Höhe der endgültige Preis liegen wird, würde niemand die 200.000 Dollar bezahlen. Wir haben einige fantastische Kunden, die die Pionier-Arbeit leisten. Sie zahlen die vollen 200.000 Dollar. Dies wird uns ermöglichen, den Preis mit der Zeit zu senken, so dass Tausende von Menschen ins All fliegen können, nicht nur einige wenige Privilegierte."

Wie ernst die neue Branche Weltraumtourismus genommen wird, beweist US Airways. Die amerikanische Fluggesellschaft hat angekündigt, Flüge mit Spaceship Two in ihr Vielfliegerprogramm aufzunehmen. Wer zehn Millionen Meilen auf seinem Konto hat, kann diese gegen einen Kurztrip ins All einlösen. Dem Weltraumtourismus also steht nichts mehr im Wege – höchstens ein möglicher Unfall, fürchtet Fabian Eilingsfeld, Unternehmensberater bei Price Systems in Rüsselsheim, das sich auf den Raumfahrtsektor spezialisiert hat.

"Und jetzt gibt’s halt so’n paar Unwägsamkeiten. Zum Beispiel die ganz spannende Frage, was passiert, wenn’s mal ´nen Unfall gibt? Hat das nachhaltigen negativen Einfluss auf den Absatz oder stecken das die potentiellen Passagiere ähnlich entspannt weg, wie sie heute 'nen Flugzeugabsturz in den Nachrichten wegstecken? Da betreten wir einfach unbekanntes Terrain, und die Zeit wird zeigen, wie’s sich damit dann verhält."

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