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StartseiteKultur heutePrivate Public Peinlichkeiten21.07.2005

Private Public Peinlichkeiten

Streit um Arp-Museum Remagen

In Remagen will das Rheinland-Pfalz ein Hans-Arp-Museum bauen lassen. Um dessen Inhalt tobt seit gut zehn Jahren ein erbitterter Streit. Vielfach wurde nämlich darauf hingewiesen, dass der private Arp-Verein dem Land möglicherweise nichtautorisierte Repliken von Skulpturen angedreht habe. Der Kulturkorrespondent der FAZ, Andreas Rossmann, nennt das eine "Nachgusssammlung".

Andreas Rossmann im Gespräch

Kleinplastik  "Purzelbaum" von Hans Arp (AP Archiv)
Kleinplastik "Purzelbaum" von Hans Arp (AP Archiv)
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Arp-Museum

Koldehoff: Seit Wochen und Monaten schon rappelt es in den Museen der Republik: Direktoren werden entlassen, zuletzt in Beuys-Museum Schloss Moyland oder sie gehen, wie es heute der Leiter des Karl Ernst Osthaus-Museums in Hagen Michael Fehr ohne Angabe von Gründen angekündigt hat. Wieder anderswo, in Bonn, verkauft ein Sammler gleich 700 Werke en bloque, um die sich seit Jahrzehnten das städtische Museum gekümmert hatte und dann gibt es noch die offenbar unendliche Geschichte um das Museum, das für den deutschen Dada-Künstler Hans Arp in Remagen hoch über dem Rhein entstehen soll. Fest steht, dass dort der US-Stararchitekt Richard Meier im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz ein Arp-Museum bauen wird. Um dessen Inhalt allerdings tobt seit gut zehn Jahren ein erbitterter Streit, der mindestens einen Direktor bereits sein Amt gekostet hat. Raimund Stecker nämlich hatte immer wieder darauf hingewiesen, dass der private Arp-Verein, der das Museum mitbetreiben soll, dem Land möglicherweise nichtautorisierte Nachgüsse von Skulpturen angedreht habe, keine Originale also, sondern Repliken. Trotzdem und obwohl die CDU-Opposition die Verweigerung ihrer notwendigen Stimmen bereist angekündigt hat, hat Ministerpräsident Kurt Beck nun den Rahmenvertrag für den Museumsbetrieb in dieser Woche unterzeichnet. Andreas Rossmann verfolgt als Kulturkorrespondent der FAZ die Querelen schon seit langer Zeit. Ist denn nun alles geklärt, da unterzeichnet wurde, sind alle Vorwürfe beseitigt?

Rossmann: Nein, keineswegs. Alle Fragen sind nicht geklärt, es gibt noch offene Fragen und die wurden ja auch kurz vor dieser Unterzeichnung von einem Landtagsabgeordneten der Opposition noch mal aufgeworfen, der ganz klar wissen wollte, welche dieser Werke eigentlich echt sind, welche überhaupt schon gegossen sind, denn es geht hier immer um die Frage: Wie viele Werke hat Hans Arp selber geschaffen, wie viele vielleicht mit einer verbrieften Verfügung von seinen Nachlassverwaltern oder Erben noch schaffen lassen und wie viele werden aufgrund welcher Unterlagen und Urkunden jetzt erst posthum gegossen? Angeblich sind 49 von 100 Werken noch überhaupt nicht gegossen und sollen jetzt erst noch hergestellt werden.

Koldehoff: Nun könnte man ja sagen, eigentlich ist es egal, wann die Sachen gegossen worden sind - Arp hat es irgendwann mal so entworfen und dann ist es danach eben hergestellt worden. Sie schreiben heute in der FAZ von einem "Replikenmuseum", das dort entstehen würde, das heißt, großen künstlerischen Wert hätte das alles dann nicht.

Rossmann: Es gibt in der Tat verschiedenen Abstufungen, es geht im Grunde um die Frage sind es Originale oder nicht und es gibt natürlich immer wieder Ab- und Nachgüsse, die in Museen kommen, nur ist die Frage, ob man ein neues Museum, das ganz auf Arp monografisch zugeschnitten ist, auf eine solche Nachgusssammlung stellen kann. Das ist ja ein Unterschied. Es geht hier nicht um zwei, drei Stücke, die ein Ensemble ergänzen, sondern im Grunde um die Basis des Museums und deswegen sind diese Vorwürfe oder Nachfragen vorsichtiger gesagt ja auch so wichtig.

Koldehoff: Warnende Stimmen hat es eine Menge gegeben, Sie haben gerade selbst gesagt in dieser Woche noch einmal von der Opposition in Rheinland-Pfalz. Welche Erklärung haben Sie dafür, dass man das Ding trotzdem durchzieht?

Rossmann: Es gibt zwei Erklärungen. Die eine ist eine pragmatische: Man will da endlich Ruhe im Karton haben und das Museum auf den Weg bringen, es gibt auch eine spekulative taktische: Es ist ja so, dass diese beiden Partner in diesem Vertrag, das Land Rheinland-Pfalz und dieser etwas merkwürdige Verein Stiftung Hans Sophie Taeuber-Arp ja bisher schon zusammengearbeitet haben und das Land mit diesem neuen Vertrag seine Position innerhalb dieses Kräfteverhältnisses verbessert hat. Die Spekulation geht jetzt ein bisschen in die Richtung das Land muss erstmal den Fuß in die Tür bekommen und mitbestimmen können, bevor es vielleicht weitere Ansprüche und Forderungen an die Seriosität dieses Vereins stellt. Das ist diese offene Frage. Trotzdem hätte ich es besser gefunden, dass man erst eine Expertenkommission einberuft, die diese Frage Originale-Nichtoriginale-Nachgüsse-verbriefte Nachgüsse klärt, bevor man den Vertrag unterzeichnet und das ist nicht geschehen.

Koldehoff: Was Sie da gerade beschrieben haben, eine öffentliche Institution (das Land Rheinland-Pfalz ) und ein privater Leihgeber (dieser Stiftungsverein) arbeiten zusammen, das nennt man gemeinhin "private public partnership". Derer gibt es inzwischen eine ganze Menge und man kann fast den Eindruck haben, dass es gerade in diesen Partnerschaften sehr heftig kriselt in letzter Zeit. Da geht in Schloss Moyland im Beuys-Museum ein Direktor, weil es offenbar nicht klappt mit den Betreibern dieses Museums, da verkauft in Bonn ein Sammler seine komplette Kollektion von wohl 700 Werken an einen privaten Sammler und das Kunstmuseum, das sie seit Jahrzehnten pflegt, weiß noch nicht wie es denn für ihn in Zukunft aussehen soll und und und. Sind das alles Signale, dass das, was man "public partnerhsip" nennt, vielleicht doch nicht so reibungslos funktioniert, wie man es immer gerne verkauft.

Rossmann: Das ist in der Tat auffällig und auch aufschlussreich, dass derartige Querelen, wo es auch um Kompetenz, um Fragen der Seriosität geht, vermehrt an Instituten auftauchen, die eine neue rechtliche Konstruktion suchen oder in einer solchen schon verfasst sind, also etwa Modelle der "private public partnership" darstellen, doch viele Versuche, wo das unternommen wird, zeigen, dass es nicht klappt und die kommunalen bisherigen Betreiber oder Partner, die Städte, auch oft eigentlich mit geradezu Minderwertigkeitskomplexen auftreten statt zu sagen, wir setzen hier Maßstäbe und wenn Sie als Sammler hier eintreten und Ihre Sammlung einbringen wollen, dann haben Sie bitteschön auch gewissen Pflichten und Ansprüche, die wir stellen, zu erfüllen.

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