Pro und Contra für die 2G-RegelDer beste Weg fürs Publikum?

Endlich geht wieder was in der Kultur: Konzert, Oper, Zaubershow und vieles mehr. Mit echtem Publikum, das sich den Weg in die Sitze sucht. Viele der Veranstalter entscheiden sich für die 2G-Regelung? Was spricht dafür?

Kommentar von Rainer Pöllmann | 11.10.2021

Zwei Schilder weisen in die jeweils andere Richtung. Das eine ist mit "3G-Regel" beschriftet und durchgestrichen, das andere zeigt "2G-Regel".
Ist der Weg über 2G rücksichtsvoll oder rücksichtslos? (imago / Bihlmayerfotografie)
Es gibt wieder Konzerte. Doch das Publikum bleibt vorsichtig. Sind es die Einschränkungen, die die Lust auf Musik und Kultur dimmen? Wenn jetzt auch noch 2G statt 3G gilt, werden dann noch mehr Personen abgeschreckt von einem Besuch?
Rainer Pöllmann ist sieht ein großes Pro für die 2G-Regel. Sie wirke bei einem ängstlicheren Publikum stressmindernd, weil sie mehr Sicherheit bietet. Außerdem können die Veranstalter mit 2G ihre Räumlichkeiten bis zu einem gewissen Grad besser auslasten.

Differenzierung erwägen

Man solle aber dennoch nicht alles über einen Leisten schlagen, so Pöllmann weiter. Für das traditionelle Konzert oder die Oper erscheint ihm 3G sinnvoll, denn meistens begibt man sich an diesen Orten ruhig und konzentriert in eine angemessene, abstandswahrende Rezeptions-Haltung.
Doch andere Formate riefen regelrecht nach 2G: jene Angebote, die mit neuen Raumkonzepten arbeiten, mit Publikum, das sich durch Räume bewegt und mit den Künstlern agiert. "Der Boom des Immersiven mag durch Corona eine deutliche Delle erlitten haben. Das künstlerische Bedürfnis danach gibt es auch weiterhin. Vielleicht sogar mehr denn je, im Sinne einer Wiedergewinnung von Nähe."
Pöllmann lenkt den Blick auch auf die sogenannte "freie Szene" der Ensembles, die die Basis des Musiklebens außerhalb der großen Häuser sind. Diese Veranstalter sollten frei über 2G oder 3G entscheiden. Dies sei ein Akt der demokratischen Ermächtigung. Hier gehe es vor allem um die bestmöglichen Aufführungsbedingungen, ganz nach den Bedürfnissen der Kunst. Und das gern weit weg vom immer noch üblichen, überraschungsarmen Konzert-Besuch-Ritual.
Schild mit Aufschrift 3G steht vor einem Ortsschild mit der Aufschrift "Öffentliches Leben".
Contra von Jochen Hubmacher. Ein wichtiges Gegenargument seinerseits ist: wer eine 2G-Veranstaltung besucht, solle sich davor und danach von allen 3G-Räumen wie öffentliche Verkehrsmittel und Restaurants fernhalten, denn auch hier lauere der Virus. Zudem schaffe gerade die Kultur Begegnungsräume für Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen. Auch von jenen, die sich nicht impfen lassen wollen. Zudem finanzieren auch sie die Kultur mit ihren Steuern, aus der sie dann ausgeschlossen bleiben?