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StartseiteWissenschaft im BrennpunktDoktortitel lohnt sich noch15.07.2018

PromotionDoktortitel lohnt sich noch

Die Promotion gilt in vielen Wissenschaftsbereiche als logische Fortführung akademischer Leistungen - und als Türöffner der erhofften Karriere. Doch viele Nachwuchswissenschaftler befürchten, der Doktortitel könne sie überqualifizieren oder zu sehr spezialisieren. Zu Unrecht, meinen Karriereberater.

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Studenten in Talaren bei der Absolventenfeier der Universitaet Bonn (Imago / Ute Grabowsky/photothek.net)
Die Doktorarbeit sei eine große Herausforderung - aber der Mühe wert, sagten Karriereberater auf der ESOF in Toulouse (Imago / Ute Grabowsky/photothek.net)
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CARE

Leben nach der Promotion Wissenschaftliche Karriere soll attraktiver werden

Damit der Doktortitel zum erhofften Türöffner einer Karriere wird, muss diese ordentlich geplant werden, sagt Barbara Janssens vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Dort ist die Biologin aus Belgien für die Karriereberatung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zuständig. Folgende Fragen müsse sich jede und jeder stellen. 

"Was habe ich dann für Fähigkeiten, Kompetenzen? Ich weiß schon ein bisschen, wohin es gehen könnte, was für einen Job könnte ich tun? Aber ich weiß noch nicht, dass ich das kann. Dass ich aus meiner Forschungszeit tatsächlich auch Führungskompetenzen habe, Kommunikationskompetenzen, Projektmanagement. Und was braucht ein Arbeitgeber? Also es gibt wirklich alle Aspekte, wie ich mein Karriereziel definiere und wie ich dahin komme."

Karriereberatung für Nachwuchsforscher

Am DKFZ halten sie seit einigen Jahren nach, wohin es die mittlerweile 1.500 Alumni verschlagen hat. Barbara Janssens hat die Ehemaligen grob in sechs Kategorien eingeteilt, etwa Projektmanagement, Forschung in der Industrie oder Lehre. So können sie den Nachwuchsforschern aufzeigen, wohin die Reise gehen könnte.

Um nicht nur eine Karriereplanung an einem Forschungsstandort durchzuführen, sondern auch quer durch Europa, hat Barbara Janssens zusammen mit Kollegen aus zehn europäischen Ländern CARE gegründet; das Akronym steht Careers Advisers supporting Researchers in Europe, also Karriereberater unterstützen Forschende in Europa, wobei CARE gleichzeitig das englische Wort für Betreuung ist.

"Die größte Herausforderung ist jetzt nicht, das Rad neu zu erfinden."
 
Sondern es geht bei CARE um den Austausch, von den Erfahrungen der anderen Länder zu profitieren und eine auf die Nachwuchsforscher zugeschnittene Karriereberatung anzubieten.

Bedenken gegenüber dem Doktortitel

CARE-Mitbegründerin ist auch Sarah Blackford aus England. Meist steht bei ihrer Erstberatung in Lancaster positives Denken auf dem Programm, so seltsam sich das anhören mag - daher auch der Titel ihrer ESOF-Session: "Mit einem Doktortitel kannst du alles machen."

"Viele Menschen tendieren dazu, negativ über einen Doktortitel nachzudenken, dass sie damit vielleicht überqualifiziert sind, dass es nicht genügend Jobs gibt und dass es schwer ist, die akademische Welt zu verlassen. Wir haben eine SWOT-Analyse gemacht und nach Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen gefragt, die mit dem Tragen eines Doktortitels einhergehen."

"Ich kenne niemanden, der es bedauert hat"

In mehreren Veranstaltungen in Toulouse konnten Nachwuchsforscher aus erster Hand erfahren, was etwa Assessment-Center bei einer Bewerbung fragen und erwarten. Der Andrang war groß und immer stand die Frage im Raum: Lohnt sich eine Doktorarbeit? Sarahs Blackfords kanppe Anwort lautet: Ja.

"Ich empfehle eine Doktorarbeit allen, die es wirklich wollen und dazu bereit sind. Es bedarf großer Motivation und Leidenschaft für das Projekt, man muss sich auf große Herausforderungen einstellen. Aber es ist so: Ich kenne niemanden, der es bedauert hat, einen Doktortitel gemacht zu haben."

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