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StartseiteUmwelt und VerbraucherKonzern will alte Ölplattformen im Meer versenken18.10.2019

Protest gegen ShellKonzern will alte Ölplattformen im Meer versenken

Im Schatten des politischen Chaos in Großbritannien spielt sich noch ein anderer Alleingang des Landes ab: Die Regierung will dem Ölkonzern Shell erlauben, Plattformen in der Nordsee zu versenken. Andere Nordsee-Anrainer protestieren, denn die Risiken für die Umwelt sind unklar.

Von Sandra Pfister

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HANDOUT - An aerial photograph shows Shell's Brent Delta Platform in the Northern North Sea (undated photo). EDITORRIAL USE ONLY - MANDATORY CREDIT: «Photo: Ross Johnston ARPS/Shell» - ACHTUNG: nur zur redaktionellen Verwendung bei Nennung der Quelle: «Foto: Ross Johnston ARPS/Shell» (Zu dpa «- Brent geht zur Neige - Entsorgung wird eine Herkulesaufgabe») | (Shell)
Die Brent Delta ist eine der Plattformen, die Shell in der Nordsee verrotten lassen will (Shell)
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Shell will vier seiner alten Ölplattform nicht ordnungsgemäß auseinanderbauen, sondern im Meer verrotten lassen. Die Britische Regierung will dafür eine Sondergenehmigung erteilen - das wiederum passt Deutschland nicht, konkret: dem Bundesumweltministerium. Dieses hat sich für die OSPAR-Sondersitzung stark gemacht und sich Verbündete gesucht. 

Bis zu 15 Länder der EU und die EU-Kommission sitzen heute am Tisch. Nach der Entsorgung der Plattform Brent Spar, bei der Shell Mitte der 1990er Jahre schon versucht hat, eine Ölbohrplattform aus der Nordsee in den Atlantik zu schleppen und dort zu versenken, haben sich die Nordsee-Anrainer-Staaten darauf geeinigt, dass es so ein Verrotten-Lassen im Meer eigentlich nicht mehr geben soll.

Verrotten lassen würde Geld sparen

Dass die britische Regierung Shell nun trotzdem dieses Vorgehen erlauben will, dürfte daran liegen, dass es Geld spart. Schon die Vorgängerregierung unter Theresa May hat Anfang des Jahres beschlossen, Shell entgegenzukommen. Hintergrund sind die Verträge zwischen Staaten und den Ölkonzernen. Die sehen üblicherweise vor, dass 50 bis 80 Prozent der Kosten für den Rückbau der teuren Altlasten vom Steuerzahler finanziert wird. Die Briten haben ausgehandelt, dass sie die Kosten 50:50 aufteilen. Shell kann sich also das Geld vom Fiskus zurückholen. Es geht um zweistellige Milliardenbeträge. Geld, das sich die britische Regierung offenbar lieber spart.

Im Prinzip kann die britische Regierung das auch im Alleingang entscheiden, rechtlich geht das, das Übereinkommen der OSPAR-Staaten von 1998 deckt das ab. Neue Anlagen müssen die Betreiber entsorgen, alte nicht. Da gibt es eben die Möglichkeit, Ausnahmen zu machen. Hinzu kommt die staatliche Souveränität: Die Selbstverpflichtungen sehen zwar vor, dass Ölkonzerne ihre Offshore-Plattformen zurückbauen sollen - die Umsetzung aber liegt in der Hand nationaler Regierungen.

Wie schlimm sind die Umweltfolgen wirklich?

Im Falle Brent Spar waren die Folgen für die Umwelt auch nicht so dramatisch, wie etwa von der Umweltorganisation Greenpeace befürchtet. Häufig wird auch auf den Golf von Mexiko verwiesen, wo alte Ölplattformen als künstliche Korallenriffs dienen. Die Gefahren lauern eher vorher, beschreibt Christian Bussau von Greenpeace:

"11.000 Tonnen Öl im Meer zu lassen, ist eine giftige, chemische Zeitbombe. Öl ist giftig, es schädigt die Meerestiere: Es enhält zum Beispiel krebserregende Substanzen."

Es stecken also immer noch Rohöl und andere potenziell toxische Substanzen drin, die dem Öl beigemischt sind. Ob und wann diese ausdringen, ist unklar. Es dauert 500 Jahre, bis sich der Beton zersetzt. Ein weiteres Risiko sind Kollisionen: Dass Schiffe mit den Plattformen kollidieren. 

Bundesumweltministerium ohne Hoffnung

Deutschland hat zu den Risiken ein unabhängiges Gutachten anfertigen lassen. Shell untermauert sein Anliegen mit einer Fülle von Gegengutachten.Ob es Deutschland und den anderen Nordsee-Anrainern gelingt, Großbritannien vom Versenken der Plattform abzuhalten, ist also offen. Offiziell gab es vor der OSPAR-Sitzung keine Auskunft. Lediglich so viel war zu hören: Das Bundesumweltministerium, das diese Sondersitzung angestoßen hat, macht sich keine große Hoffnungen, die Briten umstimmen zu können.

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