Auf der Brüsseler Automobilmesse drängeln sich Neugierige vor und in den allgegenwärtigen luxuriösen Geländewagen. Eine zierliche, jüngere Dame im eleganten beigen Hosenanzug klettert gerade aus einem der größten Modelle, das über zwei Tonnen wiegt und aus einem 4,4-Liter-Achtzylinder 320 PS holt:
"Das ist ein sehr schöner Wagen, sehr sicher, scheint mir, sehr komfortabel. Ich möchte den unbedingt haben. Ich mag große Autos."
Danach setzt sich ein schlaksiger, junger Mann in Jeans und Lederjacke ans Steuer:
"Der bietet viel Platz, aber mit dem neuen Gesetz sind Versicherung und Kfz-Steuer sehr teuer geworden. Für Fußgänger sind diese Autos sehr gefährlich. Vor allem aber sind sie so teuer."
Schicke Geländewagen sind in Belgien in. Mehrere Minister und Parteivorsitzende benutzen sie als Dienstauto. Zusehends kommt es jedoch auch zu Protesten. Jugendliche aus der Sponti-Szene lassen in Nacht-und-Nebel-Aktionen die Luft aus den Reifen. Die Mitglieder der Aktionsgruppe "4x4Info" verteilen Flugblätter und Aufkleber. "Nicht sicher, nicht sauber, nicht cool", lautet ein Slogan. Ein anderer "Kyoto - nein Danke" oder "Mein Hinterteil stinkt". Oder "Die Stadt ist kein Dschungel".
Joeri Thijs: "Wir fahren in der Stadt Rad, in Brüssel, in Gent. In den letzten Jahren und Monaten ist uns die immer größere Zahl Geländewagen aufgefallen. Viele Freunde und Bekannte ärgern sich darüber. Sie verbrauchen mehr Sprit und verpesten dadurch stark die Luft. Und für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern bilden diese Autos ein Risiko. Sie sind höher, schwerer, haben härtere Knautschzonen."
Die Aktionen der alternativ eingestellten Jugendlichen haben nicht nur in Presse und Weblogs eine lebhafte Debatte ausgelöst. Auch die Politik beschäftigt sich inzwischen mit dem Thema. Die grüne Brüsseler Landtagsabgeordnete Céline Delforge:
"Diese Autos sind zwar eine Modeerscheinung, aber diese Mode wird nicht so schnell vorbeigehen. Je mehr Geländewagen herumfahren, desto mehr Menschen möchten einen haben. Und demnächst kommen preiswerte asiatische Geländewagen auf den Markt. Die Politik muss diesen Teufelskreis durchbrechen. Zumal dieser Trend auch das Recht des Stärksten illustriert. Das darf in unseren Städten nicht gelten."
Die Abgeordnete, deren Partei in Brüssel mit den Sozialisten und Christdemokraten eine Koalition bildet, arbeitet deshalb einen Gesetzesentwurf aus. Er sieht vor, Brüsseler Geländewagenbesitzern keine Anlieger-Parkplätze zu reservieren, das Parken in schmalen Straßen zu verbieten und die Parkgebühren für diese Autos kräftig zu erhöhen. Landesverkehrsminister Pascal Smet - ein Sozialist, der mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt und dienstlich meistens Straßenbahn und U-Bahn benutzt - möchte zunächst abwarten, ob die seit Jahresbeginn drastisch höhere Kfz-Steuer greift. Wenn nicht:
"Dann müssen die Geländewagenbesitzer doppelt soviel Parkgebühr bezahlen, müssen gewisse Straßen gesperrt werden. Für diese Autos wird mit ausgemacht individualistischen Argumenten geworben. Die Besitzer fühlen sich in den großen Schlitten als Herren und Meister. Sie kompensieren damit ihre Gebrechen. Die Menschen, die Gesellschaft sind ihnen egal. Ihnen geht es nur ums eigene Ego."
Die Aktionsgruppen gegen Geländewagen in der Stadt begrüßen die Maßnahmen, die der Politik vorschweben. Sie werden allerdings mit Argusaugen verfolgen, ob es tatsächlich zu Verboten kommt, und ob die dann auch eingehalten werden. Darüber hinaus meint Joeri Thijs, dass die Politik noch viel mehr gegen die Geländewagen unternehmen muss:
"Die Politik muss auch die Automobilindustrie zum Umdenken zwingen. Zurzeit gibt es auf europäischer Ebene eine freiwillige Selbstbeschränkung, zum Beispiel beim CO2-Ausstoß. Allem Anschein führt das nicht zu einer deutlichen Abgas-Verringerung. Deshalb plädieren wir für Zwang. Die Hersteller müssen gezwungen werden, weniger große und schwere Autos zu bauen, die mehr CO2 ausstoßen."
"Das ist ein sehr schöner Wagen, sehr sicher, scheint mir, sehr komfortabel. Ich möchte den unbedingt haben. Ich mag große Autos."
Danach setzt sich ein schlaksiger, junger Mann in Jeans und Lederjacke ans Steuer:
"Der bietet viel Platz, aber mit dem neuen Gesetz sind Versicherung und Kfz-Steuer sehr teuer geworden. Für Fußgänger sind diese Autos sehr gefährlich. Vor allem aber sind sie so teuer."
Schicke Geländewagen sind in Belgien in. Mehrere Minister und Parteivorsitzende benutzen sie als Dienstauto. Zusehends kommt es jedoch auch zu Protesten. Jugendliche aus der Sponti-Szene lassen in Nacht-und-Nebel-Aktionen die Luft aus den Reifen. Die Mitglieder der Aktionsgruppe "4x4Info" verteilen Flugblätter und Aufkleber. "Nicht sicher, nicht sauber, nicht cool", lautet ein Slogan. Ein anderer "Kyoto - nein Danke" oder "Mein Hinterteil stinkt". Oder "Die Stadt ist kein Dschungel".
Joeri Thijs: "Wir fahren in der Stadt Rad, in Brüssel, in Gent. In den letzten Jahren und Monaten ist uns die immer größere Zahl Geländewagen aufgefallen. Viele Freunde und Bekannte ärgern sich darüber. Sie verbrauchen mehr Sprit und verpesten dadurch stark die Luft. Und für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern bilden diese Autos ein Risiko. Sie sind höher, schwerer, haben härtere Knautschzonen."
Die Aktionen der alternativ eingestellten Jugendlichen haben nicht nur in Presse und Weblogs eine lebhafte Debatte ausgelöst. Auch die Politik beschäftigt sich inzwischen mit dem Thema. Die grüne Brüsseler Landtagsabgeordnete Céline Delforge:
"Diese Autos sind zwar eine Modeerscheinung, aber diese Mode wird nicht so schnell vorbeigehen. Je mehr Geländewagen herumfahren, desto mehr Menschen möchten einen haben. Und demnächst kommen preiswerte asiatische Geländewagen auf den Markt. Die Politik muss diesen Teufelskreis durchbrechen. Zumal dieser Trend auch das Recht des Stärksten illustriert. Das darf in unseren Städten nicht gelten."
Die Abgeordnete, deren Partei in Brüssel mit den Sozialisten und Christdemokraten eine Koalition bildet, arbeitet deshalb einen Gesetzesentwurf aus. Er sieht vor, Brüsseler Geländewagenbesitzern keine Anlieger-Parkplätze zu reservieren, das Parken in schmalen Straßen zu verbieten und die Parkgebühren für diese Autos kräftig zu erhöhen. Landesverkehrsminister Pascal Smet - ein Sozialist, der mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt und dienstlich meistens Straßenbahn und U-Bahn benutzt - möchte zunächst abwarten, ob die seit Jahresbeginn drastisch höhere Kfz-Steuer greift. Wenn nicht:
"Dann müssen die Geländewagenbesitzer doppelt soviel Parkgebühr bezahlen, müssen gewisse Straßen gesperrt werden. Für diese Autos wird mit ausgemacht individualistischen Argumenten geworben. Die Besitzer fühlen sich in den großen Schlitten als Herren und Meister. Sie kompensieren damit ihre Gebrechen. Die Menschen, die Gesellschaft sind ihnen egal. Ihnen geht es nur ums eigene Ego."
Die Aktionsgruppen gegen Geländewagen in der Stadt begrüßen die Maßnahmen, die der Politik vorschweben. Sie werden allerdings mit Argusaugen verfolgen, ob es tatsächlich zu Verboten kommt, und ob die dann auch eingehalten werden. Darüber hinaus meint Joeri Thijs, dass die Politik noch viel mehr gegen die Geländewagen unternehmen muss:
"Die Politik muss auch die Automobilindustrie zum Umdenken zwingen. Zurzeit gibt es auf europäischer Ebene eine freiwillige Selbstbeschränkung, zum Beispiel beim CO2-Ausstoß. Allem Anschein führt das nicht zu einer deutlichen Abgas-Verringerung. Deshalb plädieren wir für Zwang. Die Hersteller müssen gezwungen werden, weniger große und schwere Autos zu bauen, die mehr CO2 ausstoßen."