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StartseiteMusikjournal"Kein verkitschtes, sentimentales Rührstück"28.01.2019

Puccinis "La Bohème" in Berlin"Kein verkitschtes, sentimentales Rührstück"

Die Inszenierung von Puccinis Oper "La Bohème" an der Komischen Oper Berlin besteche mit jungen, frischen Stimmen und einem spielfreudigen Ensemble, so die Musikjournalistin Julia Spinola im Dlf. Das Aufführung sei schrill, knallig und unterhaltsam - aber frei von Kitsch und Klischees.

Julia Spinola im Gespräch mit Christoph Vratz

Szene aus "La Boheme" an der Komischen Oper Berlin (picture-alliance / dpa / Pacific Press / Beata Siewicz)
Kosky bleibe der Vorlage treu und zeichne ein Bild der Pariser Bohème um 1830, so Julia Spinola im Dlf (picture-alliance / dpa / Pacific Press / Beata Siewicz)
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Die Komische Oper könne sich für die Premiere nicht die großen Sänger-Namen einkaufen, aber das Haus punkte stattdessen mit jungen, frischen Stimmen und einem spielfreudigen Ensemble, so Julia Spinola im Dlf. Der Sopranistin Nadja Mchantaf gelängen als Mimí hinreißende Momente - selbst wenn ihre Stimme noch nicht reiche, "um auch in den Höhen ohne Einbußen über das Orchester zu kommen." Das gelte auch für den Part des Rodolfo von Jonathan Tetelman, der zwar einen angenehm schlanken Tenor habe, aber insgesamt ein bisschen flach und blass bleibe.

Der kanadische Dirigent Jordan de Souza "möchte eine unsentimentale Lesart Puccinis rüberbringen. Das gelingt ihm gut, er schärft die Kontraste, er betont die Schärfen und die Dissonanzen dieser an Schönheit überreichen Musik." Da werde es immer wieder sehr laut, "womit einige Sänger des Ensembles zu kämpfen haben." Einige Sänger kämen damit aber auch sehr gut zurecht.

"Kein sentimentales Rührstück"

Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky mache kein kitschiges, sentimentales Rührstück aus der Oper, so Spinola weiter. "Umso stärker berührt einen dieses Ende, bei dem der Tod Mimís dann als ein Verlöschen gezeigt wird, als eine furchtbare große Leerstelle."

Aber zunächst gehe das Stück überdreht los: "Kosky gilt als Bilderstürmer, als Spezialist für schrille, knallige und unterhaltsame" Inszenierungen. Aber man verfehle Kosky fast immer, wenn man sich mit dieser bunten Oberfläche zufrieden gebe. Denn es stecke immer mehr dahinter, als nur schräges Entertainment.

Mehr als schräges Entertainment

Kosky bleibe der Vorlage treu und zeichne ein Bild der Pariser Bohème um 1830. Die Kostüme seien teilweise den Uraufführungs-Entwürfen nachempfunden "Aber das heutiges Missverständnis, das diese Bohème zu einer sentimentalen Halbwelt verkitscht hat, das wird hier nicht bedient."

Für das Bühnenbild bediene Kosky sich der Daguerreotypie, eine Frühform der Fotografie, als Chiffre. Schwarzweiß-Aufnahmen dienten als Kulissen auf der Bühne. "Aus dem Maler Marcello wird ein Fotograf; die Kamera verwandelt das Leben in die Kunst." Schwarzweiß-Aufnahmen dienten als Kulissen auf der Bühne.

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